Konzern-Umbau So wie bei Air France soll es bei Lufthansa nicht laufen

Mit Blick auf den Konkurrenten Air France macht Garnadt deutlich: "Mit mir wird es kein Umfallen geben." Air France hatte nach einem zweiwöchigen Pilotenstreik den entscheidenden Teil des Sanierungsplanes - die Erweiterung der Billigsparte Transavia außerhalb Frankreichs - aufgegeben. Lufthansa hingegen habe schon längst tiefe Einschnitte beschlossen, dezentrale Stationen werden geschlossen und Tausende Arbeitsplätze in der Verwaltung abgebaut.

Die Lufthansa will die beiden Billiganbieter für Kurzstrecken Germanwings und Eurowings mit einem neuen Billiganbieter für die Langstrecken zusammenfassen. Sie sollen wesentliche Teile des Europageschäftes außerhalb der Drehkreuze übernehmen sowie neue Langstrecken erschließen, die für Lufthansa selbst nicht profitabel zu fliegen sind. Eurowings wird dabei von einer Regionalairline mit kleinen Maschinen zu einem Billiganbieter umgebaut.

Air Dolomiti könnte sich dem Eurowings-Bündnis anschließen

Nun deutet Garnadt an, dass dieses Bündnis um ein Mitglied erweitert werden könnte: die italienische Lufthansa-Tochter Air Dolomiti. "Wings soll mit beherrschbaren Schritten ausgebaut werden. Wenn wir wissen, dass es funktioniert, dann trauen wir uns zu, über die Heimatmärkte hinaus zu schauen." Der 57-Jährige glaubt, dass Eurowings nach dem Umbau ähnlich niedrige Kosten erreichen kann wie die britische Easyjet, die viele als größere Bedrohung für die klassischen europäischen Anbieter wahrnehmen als Ryanair, weil sie deutlich mehr auf die Geschäftsreisenden abzielt. Und: "Wir glauben, dass Billigflüge auch auf der Langstrecke funktionieren können."

Deswegen will Lufthansa zunächst mit einer Flotte von sieben geleasten Airbus A330-200 in diesen Bereich einsteigen. Die Preise für ein Ticket sollen etwa 30 Prozent unter dem Niveau der klassischen Lufthansa-Flüge liegen - und die Kosten weit mehr als 30 Prozent niedriger. Die Flugzeuge sollen zwar auch eine kleine, einfache Business Class bekommen, insgesamt sollen sie aber mit mehr als 300 Sitzen eng bestuhlt sein. Das wären etwa 50 Prozent mehr Sitze als bei einer klassischen Fluggesellschaft mit großer Business Class oder sogar einer First Class.

Neues Angebot zwischen Business und Economy Class

Doch trotz der Billiginitiativen betont Garnadt, dass das auf die Drehkreuze in Frankfurt und München konzentrierte Geschäftsmodell den Konzern noch über Jahre bringen muss. Daher sind Investitionen wie in die Premium Economy so wichtig. Mit diesem neuen Angebot will Lufthansa Privatreisende und Geschäftsleute ansprechen, die mehr Komfort wollen, denen aber die Business Class deutlich zu teuer ist.

Bis zum dritten Quartal 2015 soll die Umrüstung der etwa 100 Flugzeuge großen Langstreckenflotte komplett abgeschlossen sein. Diese haben dann auch neue Sitze in der First und Business Class, in der Lufthansa derzeit als einer der letzten großen Anbieter Sessel einbaut, die sich zu komplett flachen Betten umklappen lassen.