Lösung für Kleider-Kauf im Internet Roboter mit Bauchansatz

Nichts wird so oft im Internet bestellt wie Kleidung - und nichts so häufig zurückgeschickt. Meist weil die Größe nicht passt, schließlich lässt sich die Ware vorher nicht anprobieren. Jetzt hat ein baltisches Start-up eine erstaunliche Lösung.

Von Matthias Kolb

Die erste Reaktion war niederschmetternd. "Träum weiter. Es ist unmöglich, so einen Roboter zu bauen", rief Maarja Kruusmaa aus, als ihr Heikki Haldre von seiner Idee erzählte. Haldre hatte die Professorin gefragt, ob sie in der Lage sei, einen Roboter zu bauen, dessen Oberkörper sich verändern könne. Haldre suchte nach einer Lösung für die drängenden Probleme, die Modefirmen seit Jahren umtreiben: Viele Kunden zögern, Hosen, Röcke oder Hemden im Internet zu bestellen - und wer dies schließlich tut, ist nicht immer zufrieden.

Weltweit wird jedes vierte Kleidungsstück, das online geordert wurde, zurückgeschickt", sagt Haldre, der Fits.me im Mai 2009 gegründet hat. Studien haben den Grund ermittelt: die falsche Größe. Mit der virtuellen Umkleidekabine will der 36-Jährige den Frust der Online-Shopper mindern und die Kosten für die Unternehmen senken.

Der Markt ist riesig: Im vergangenen Jahr wurde in den USA für 31 Milliarden Dollar Kleidung bestellt, hierzulande waren es 5,4 Milliarden Euro. Beim Bundesverband des Deutschen Versandhandels heißt es: "Der Textilbereich ist weiter die stärkste Branche im E-Commerce."

Dass die Esten in diesem Markt mitmischen, ist dem Ehrgeiz der Biorobotik-Expertin Kruusmaa zu verdanken. Nach Interviews mit Schneidern und Designern legte ihr Team an der Technischen Universität Tallinn los. "Wir haben mit dem männlichen Torso angefangen, da dieser leichter zu modellieren ist", sagt Kruusmaa.

Mit Wissenschaftlern aus Tartu und Bologna sowie einer Software der Kaiserslauterner Firma Human Solutions wurde ein Roboter entwickelt, der 100.000 verschiedene Körperformen annehmen kann. Im Juni 2010 begann das Pilotprojekt mit dem traditionsreichen Hemdenhersteller Hawes & Curtis.

In seinem Büro führt Haldre die virtuelle Anprobe auf der Website des Londoner Unternehmens vor. Er wählt ein Männerhemd aus, dann öffnet sich ein Fenster. Der Kunde muss fünf Körpermaße eingeben: Größe, Armlänge sowie die Umfänge von Brust, Taille und Hals. "Mit diesen Daten lässt sich alles andere berechnen", sagt Heidre.

Wer kein Maßband besitzt, druckt es aus - sogar dabei gibt Fits.me Tipps. Auf dem Bildschirm erscheint ein Modell, welches das gewünschte Hemd trägt. Per Mausklicks lassen sich Details heranzoomen, der Schnitt oder die Rückenpartie betrachten oder von M zu XL wechseln.