Kaufhof-Chef Lovro Mandac über den geplanten Zusammenschluss mit Karstadt, Staatshilfen für Mitbewerber und das Schließen von Kaufhäusern.
Lovro Mandac, 58, ist seit 1987 bei der Metro-Tochter Kaufhof und hat viele Warenhausketten wie Kaufring, Kaufhalle und jetzt Hertie verschwinden sehen. Mandac, der einst Horten in den Konzern integrierte, ist stolz, dass Kaufhof seit mehr als 20 Jahren keinen Verlust ausgewiesen hat. Jetzt wirbt er für eine Fusion mit Karstadt.
Lovro Mandac, Chef der Warenhauskette Kaufhof, spricht sich gegen Staatshilfen für Arcandor aus. (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Mandac, ohne eine staatliche Bürgschaft droht Arcandor, dem Mutterkonzern von Karstadt, noch im Juni die Insolvenz. Sie sind dagegen, dass Berlin hilft. Warum?
Lovro Mandac: Es gibt eine klare gesetzliche Regelung: Unternehmen erhalten nur dann Staatshilfe, wenn sie nach dem 1. Juli 2008 im Gefolge der Finanzkrise in Schieflage geraten sind. Das ist bei Arcandor nicht der Fall.
SZ: Metro und Kaufhof haben eine privatwirtschaftliche Lösung ins Spiel gebracht. Danach bilden Kaufhof und Karstadt eine gemeinsame Warenhausgesellschaft. Als insolventes Unternehmen hätte Arcandor in dieser Partnerschaft nicht viel zu sagen. Ein solches Vorgehen sei unmoralisch, heißt es bei Arcandor.
Mandac: Wir haben lediglich betont, dass gesetzliche Bestimmungen für alle gelten müssen und wir eine privatwirtschaftliche Lösung wollen. Dass wir dabei keine Steuergelder nehmen, kann ich nicht als unmoralisch erkennen. Wo bleiben alle anderen Unternehmen, die sich seit langem in Schwierigkeiten befinden oder schon insolvent sind?
SZ: Aber Verdi setzt sich vehement für Staatshilfe für Arcandor ein.
Mandac: Das finde ich erstaunlich. Schließlich hat Verdi die gleiche Verantwortung für die Beschäftigten von Kaufhof und allen anderen Handelsunternehmen. Galeria Kaufhof ist es gelungen, sich über Jahre flexibel auf sich verändernde Kundenwünsche einzustellen. Das ist Teil unserer Erfolgsgeschichte, die auch dazu beigetragen hat, dass wir seit mehr als vier Jahren unser Ergebnis gesteigert haben und 2008 eine Kapitalrendite von acht Prozent erwirtschafteten.
SZ: Im Fall einer Insolvenz von Arcandor könnte Kaufhof die Bedingungen eines Zusammengehens diktieren. Spielen Sie auf Zeit?
Mandac: Ich will eines klarstellen: Das Wort Insolvenz haben wir nie in den Mund genommen. Wenn Arcandor jetzt die Zeit knapp wird, kann das nicht uns angelastet werden. Wir halten unsere Gesprächstermine. Am vergangenen Donnerstag haben sich Herr Cordes und Herr Eick zum ersten Mal zu diesem Thema ausgetauscht. Ein weiteres Treffen, das am Mittwoch stattfinden sollte, hat Arcandor am Montag abgesagt.
SZ: Kaufhof und Karstadt unter einem Dach - wie soll das funktionieren? Wieviele der zusammen 206 Warenhäuser müssten in diesem Fall schließen?
Mandac: Die Überschneidungen zwischen beiden Unternehmen sind sehr viel geringer als immer wieder behauptet wird. Wir sind in 124 Städten vertreten. Es gibt aber nur 32 Städte, wo es sowohl Standorte von Kaufhof als auch von Karstadt gibt. Wir können uns gut vorstellen, dass es auch künftig sinnvoll sein kann, in einer Stadt beide Häuser zu haben. Das müsste im Einzelfall geprüft werden.
SZ: Aber auf Dauer ist nicht Platz für alle Häuser?
Mandac: Schon unabhängig von einer Diskussion um ein Zusammengehen von Kaufhof und Karstadt haben beide Unternehmen die Schließung einzelner Filialen angekündigt, weil es betriebswirtschaftlich notwendig ist. Kaufhof wird bis Ende 2010 vier Häuser schließen, und Arcandor hat ja bereits zwölf Standorte zur Disposition gestellt. Das zeigt, die Filialnetze werden ohnehin ausgedünnt. Klar ist aber auch: Gut laufende Standorte bleiben, egal unter welchem Dach.
Auf der zweiten Seite: Wie viele Standorte bei einer Fusion von Karstadt und Kaufhof gefährdet wären - und welche Rolle die Technikmärkte Saturn und Media-Markt in den Überlegungen von Metro spielen.
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Endlich mal jemand der sich auch ohne Staatshilfe Gedanken macht.
Es ist schon beeindruckend, mit welcher Realitätsvergessenheit hier diskutiert wird.
Die Phanlanx der großen, angeblich unternehmerischen Visionäre, hat inzwischen eine Mächtigkeit erreicht, für die unsere Wirtschaft nicht mehr die notwendigen Milliardensummen an Tantiemen, Aufwandsentschädigungen, Gehältern, Abfindungen, etc nicht mehr erwirtschaften kann.
Welche Bezeichnung man für diese "Visionäre" wählt, wie es diese Herren wie Schrempp, Middelhoff, Sommer, Mehdorn, Wiedeking, Merkle, dem Unternehmer des Jahres und Kohlzögling Lars Windhorst, dem Falck-Erben oder, oder, oder sind, spielt eigentlich keine Rolle.
Der gemeinsame Nennen dieser Pseudo-Leistungsträger ist die ihnen allen gemeinsame Kernkompetenz, über die schon ein gewisser Herr Hans Christian Andersen in der Erzählung "Des Kaisers neue Kleider" so vortrefflich geschrieben hat. Es ist die Kunst der Anscheinerweckung, des Entgeltbetruges durch das schuldig bleiben der versprochenen Leistung und die anschließende, scheinheilige gesellschaftliche Verachtung.
Personen wie Lovro Mandac hingegen, die noch über funktionierende Grundlagen der zivilisatorischen Verantwortungsfähigkeit verfügen und die ihre Sinne noch bei einander haben, wissen noch, dass Essen von arbeiten kommt. Dass jeder die Antwort auf die Frage "Welche Funktion hast Du in Deiner Tätigkeit" geben muss, dass weiss dieser Lovro Mandac und er kann sie, wie man bei Galeria Kaufhof erfahren kann, auch geben.
Karstadt ist, als real-existierendes Pseudomanagementsphänomen, schlicht ohne die Fähigkeit, diese Frage konkret zu beantworten. Und auch der sogen. Betriebsrat gehört in diese "Betrugsmanagerphilosophie" hinein. Leute bescheißen, das ist die Kunst der Finanzanlagenbetrugswirtschaftsmanager, die sich auch in der Realwirtschaft breit gemacht hat. Die Zeche bezahlen die schlichten Seelen und Geister, die bei Karstadt nun ihre Existenzgrundlagen hingeben müssen, damit "die Führungselite" Kasse machen kann.
Das ist die Realität im Deutschland von heute. In den verkommenen Wirtschaftsunternehmen, in der Politik, in den korrupten Wissenschaftskreisen, der Verwaltung und anderwo. Da scheinen Parallelen mit dem diktatorischen System der Funktionärsdiktatur der SED in der Ostzone auf. Ob es Funktionärsdiktatoren mit politisch-ideologischem Dogma sind oder solche mit dem Dogma, dass von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft landauf und landab propagiert wird. Beides endet mit sozial-ökonomischem Elend.
Staatshilfen? Warum?????
ARcandor hat Mißwirtschaft betrieben und die Grundstücke verscherbelt, und zwar schon vor dem Stichtag. Und nun soll ich und Du dafür zahlen? Nein Danke.
Das Problem sind hier bei Arcandor zunächst mal Managertypen, denen schon während des Studiums beigebracht wurde, wie toll doch Synergieeffekte sind. Da wird der Einkauf zentralisiert und wumms, schon hat man ein Produktsortiment, das in jedem Warenhaus in der Stadt das selbe Gesicht hat ohne Berücksichtigung regionaler Besonderheiten.
Dem Kunde wird vorgegeben, was er gefälligst zu kaufen hat, statt dass man dem Kunden die Wahl lässt, wie er sein "Einkaufserlebnis" gestalten will.
Ich denke schon auch, dass Karstadt und Kaufhof parallel existieren könnten, wenn man sie entsprechend positioniert. Nur eine Unterscheidung dafür, dass man mit einer Marke den niedrigen Level anspricht und mit der nächsten einen höheren Level, widerspräche dem Sinn des Warenhauskonzeptes, dass man wirklich für jeden Zweck das richtige Produkt an einem Ort findet.
Bei Karstadt sieht man das anders. Und daher kein Geld vom Staat - was ich in beiden Fällen für richtig halte! Diesen Unterschied soll mir bitte mal einer erklären.
Paging