Kapitalismuskritik Occupy-Aktivisten kaufen Schuldner frei

Protest in San Francisco: Occupy Wall Street kritisiert die Macht der Banken.

Schuldenhändler gelten nicht gerade als mitfühlend. Doch nun mischen die Kapitalismuskritiker von Occupy Wall Street auf dem Markt mit, auf dem mit der Last der Menschen spekuliert wird: Sie haben günstig Privatschulden in Höhe von 15 Millionen Dollar aufgekauft - und sie dann erlassen.

Eine "öffentliche Erziehungsmaßnahme" nennt Andrew Ross die Aktion der Kapitalismuskritiker. Die Occupy-Wall-Street-Gruppe Strike Debt will nicht nur ein bisschen in Manhattan demonstrieren, sondern auch Robin Hood spielen. Für gerade einmal 400.000 Dollar haben ihre Aktivisten Schulden in Höhe knapp 15 Millionen Dollar gekauft - und den Schuldnern anschließend erlassen. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie der sekundäre Schuldenmarkt funktioniert", sagte Ross, Soziologieprofessor an der New York University und Occupy-Mitglied, dem Guardian, "Und nebenbei helfen wir Menschen in den USA."

So genannte verbriefte Schulden werden gehandelt wie Wertpapiere. Auf dem sekundären Schuldenmarkt können Käufer diese Kredite erwerben, die Privatpersonen bei Banken haben. Weil sie nicht mehr auf Abzahlung hoffen, verkaufen die Banken sie oft zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes, zum Beispiel für fünf Cent pro Dollar des eigentlichen Wertes. Die neuen Gläubiger versuchen anschließend, die Schulden bei den Privatpersonen wieder einzutreiben und dabei Gewinn zu erzielen.

Die Occupy-Aktivisten können allerdings nicht bestimmten Personen Schulden erlassen. Sie müssen die Beträge übernehmen, bevor sie die Schuldner überhaupt kennen.

Einen Großteil des Schuldenerlasses von 15 Millionen betrifft Arzt- und Krankenhausschulden: Dem Guardian zufolge haben die Bankenkritiker mit Spenden 13,5 Millionen Dollar Schulden aufgekauft, die 2693 Privatpersonen in den USA und Puerto Rico durch Arztkosten angehäuft hatten. "Niemand sollte sich verschulden müssen, weil er krank wird", sagte die Organisatorin der Aktion, Laura Hanna, dem Blatt. 62 Prozent aller Privatschulden in den USA entstünden durch Krankenhauskosten. Im zweiten Quartal 2013 beliefen sich die Privatschulden in den USA auf 11,15 Billionen Dollar, wie die Notenbank Fed berichtet.

Einige der nun schuldenfreien Menschen haben sich bei den Aktivisten gemeldet und ihnen gedankt, sagte Ross dem Guardian. Der Professor hält vor allem einen Punkt für wichtig: "Nun wissen viele, wie billig Unternehmen Schulden kaufen. Diese Information gibt ihnen moralische Munition im Gespräch mit den Schulden-Sammlern".