Die Nachfrage bleibt aus: Der angeschlagene Autozulieferer Continental fährt seine Reifenproduktion massiv zurück - Hunderte Jobs in Hannover und Clairoix fallen weg.
Der Automobilzulieferer Continental plant umfangreiche Jobkürzungen in seiner Reifenproduktion in Hannover und im französischen Clairoix. In Hannover-Stöcken sollen nur noch bis Ende des Jahres Nutzfahrzeugreifen hergestellt werden, im slowakischen Puchov soll die Produktion um 20 Prozent zurückgefahren werden, teilte der Autozulieferer am Mittwoch mit.
Die Krise der Fahrzeughersteller trifft auch die Zulieferer: Conti zieht die Notbremse und kappt etliche Jobs. (© Foto: dpa)
Anzeige
Europaweit soll die Produktion von Nutzfahrzeugreifen um 27 Prozent zurückgefahren werden.
Die Börse reagierte sofort auf die Nachrichten aus Niedersachsen - die Conti-Aktie verlor deutlich.
In Hannover sind von dem Streichprogramm 780 Mitarbeiter betroffen. In Clairoix will Continental die Pkw-Reifen-Produktion in zwei Schritten frühestens im März 2010 einstellen. Damit würden dort 1120 Beschäftigte ihre Arbeit verlieren.
Zur Begründung nannte das MDax-Unternehmen, das im vergangenen August vom Mittelständler Schaeffler mehrheitlich übernommen worden war, den massiven Nachfrageeinbruch bei der Erstausrüstung sowie Marktschwächen im Ersatzgeschäft. Dadurch liefen 2009 Überkapazitäten von rund 15 Millionen Pkw-Reifen und 1,7 Millionen Nutzfahrzeugreifen auf.
"Wir haben verschiedene Optionen geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Reifen-Divisionen nur durch die Schließung der beiden Werke mit den höchsten Kosten zu halten ist. Und das sind für Pkw-Reifen Clairoix und für Nutzfahrzeugreifen Hannover", sagte Conti-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Nikolin zur Begründung.
Sozialplan und Qualifizierungsgesellschaften angedacht
Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) kritisierte die Schließungspläne für Hannover scharf und forderte eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung. Das Vorhaben sei in jeder Hinsicht verfehlt, sagte IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt.
Der Betriebsrat, die Belegschaft und die IG BCE würden alles tun, um Entlassungen zu vermeiden und die Produktion in Stöcken zu halten. "Der Vorstand wäre sicher gut beraten, mit uns nach vernünftigen Alternativen zu suchen statt auf Konfrontationskurs zu gehen", sagte Schmoldt. Conti kündigte an, alles zu tun, um die betroffenen Beschäftigten umfassend zu unterstützen. Ein Sozialplan und Qualifizierungsgesellschaften sind im Gespräch.
Der niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte: "Es handelt sich um eine unternehmerische Entscheidung, die wir sehr bedauern." Die Entscheidung stehe aber nicht in Verbindung mit der derzeitigen Diskussion um den Einstieg von Schaeffler. Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler hatte sich mit der Übernahme von Continental übernommen, steht mit mehr als zehn Milliarden Euro in der Kreide und bittet um Staatshilfen.
- Thema
- Unternehmen RSS
- Milliardenverlust für 2008 Hohe Schulden erdrücken Continental 19.02.2009
- Rettungskonzept für Schaeffler Beschäftigte an die Macht! 11.03.2009
- Conti: Grünberg geht Späte Abrechnung 06.03.2009
- Conti und Schaeffler Eine Brücke in die Zukunft 06.03.2009
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
- Wirtschaft kompakt Verseuchter Käse: Ermittlungen gegen Lidl 15.05.2010
(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/dpa-AFX/mel/hgn)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
wie Arbeitsplaetze gerettet werden, wenn der Bund sich an einer Stiftung beteiligt!
Wie krank ist das?
happens.
Angebot und Nachfrage, das haben sie uns immer wieder auf´s trockene Brot geschmiert,
unsere Dame und Herren.
Nun läuft es mal ein wenig schlechter für sie selbst, und schon schmeißen sie Leute auf die Straße.
Also heult nicht, schämt euch besser.
@WTF
da schließe ich mich an.
Wer Arbeitsplätze vernichtet, hat mein Steuergeld nicht verdient!