Insolventer Billigstromanbieter Teldafax Kunden zahlen doppelt

Viele Teldafax-Kunden bekommen aktuell Post vom Insolvenzverwalter. Ihnen droht ein Inkasso-Verfahren, sollten sie ausstehende Rechnungen nicht begleichen. Dabei haben viele der Kunden längst gezahlt. Schuld an dem Chaos sind die komplizierten Vertragsverhältnisse innerhalb des Unternehmens.

Von Alina Fichter und Christoph Giesen

Zwei Briefe hat Josef Perez Anfang dieser Woche erhalten. Zuerst wunderte er sich, denn der Absender war der gleiche: Binar Bähr, Insolvenzverwalter des Billigstromanbieters Teldafax. Im ersten Schreiben wird Perez gebeten, seine Forderungen anzumelden, er hatte sein Gas per Vorauskasse gezahlt. Dass er den Großteil dieses Geldes verlieren würde, nachdem der Billigstromanbieter aus Troisdorf im Juni pleite gegangen war - damit hatte er sich abgefunden. Aber als er den zweiten Brief las, wurde Perez wütend: Jetzt solle er, so schreibt ihm Bähr, ein zweites Mal zahlen: "Er droht mir mit Inkasso, wenn ich nicht bis 15. Dezember 700 Euro überweise." Aus insolvenzrechtlichen Gründen könnten beide Summen nicht miteinander verrechnet werden, steht im Brief.

Wie Josef Perez geht es vielen der 750 000 Teldafax-Gläubiger, in Internetforen entlädt sich die Wut: Wieso schlechtem Geld noch gutes hinterherwerfen - das sie wohl nie wiedersehen werden? "Das ist doch absurd", empört sich einer. "Auch wenn es sich vielen nicht erschließen mag, ist das rechtlich korrekt", sagt dagegen Rechtsexperte Viktor von Websky von der Sozietät Schomerus.

Insolvenzverwalter Bähr versucht derzeit, 80 Millionen Euro einzutreiben, er erteilte dem Inkassounternehmen Creditreform den Auftrag, 250 000 Kunden aufzuspüren. Die meisten Zahlungsaufforderungen betreffen Verbraucher, die ab Januar 2011 kein Geld mehr an Teldafax gezahlt haben. Damals weigerten sich Banken, weiterhin mit dem vor der Pleite stehenden Unternehmen zusammenzuarbeiten und kündigten die Lastschriftverfahren. Teldafax-Kunden mussten nun selbständig überweisen, was viele Kunden offenbar unterließen.

Aber wieso können die Forderungen und Verbindlichkeiten nicht miteinander verrechnet werden? Grund dafür ist das komplexe Firmengeflecht: Teldafax bestand aus 14 Einzelgesellschaften. Teldafax Marketing warb Kunden. Strom oder Gas lieferte aber die Schwester, Teldafax Energy. Und für Abbuchungen war Teldafax Services zuständig. Die einzelnen Gesellschaften verkauften sich die Forderungen gegenseitig, so erhielt etwa Teldafax Marketing pauschal 100 Euro je Neukunde von Energy gutgeschrieben. Teldafax Services wiederum kaufte die Verbindlichkeiten der Kunden.

Alles legal, solange man es den Kunden mitteilt. In einigen Verträgen wurde aber offenbar vergessen, diese Klausel zu erwähnen. Und genau das ist Josef Perez' Problem. In einem Anschreiben vom 8. Juni 2010 teilte ihm Teldafax Services mit, dass sie im Namen der Teldafax Energy Abschlagszahlungen von seinem Konto abbuchen würden. Richtigerweise hätte in dem Vertrag stehen müssen, dass die Services die Verbindlichkeiten aufgekauft hat. Perez bezahlte also wie viele andere Kunden lange Geld an eine Firma, mit der er kein Vertragsverhältnis hatte. "Die Strom- und Gaslieferungen der Teldafax-Gesellschaften erfolgten auf der Basis von mehr als dreihundert verschiedenen Tarif- und Vertragsvarianten wie Vorauszahlungsmodellen, Preisgarantien oder sogenannten Strompaketen", sagt Insolvenzverwalter Biner Bähr. "Vielfach wurden diese Varianten miteinander kombiniert." Dabei scheint das Teldafax-Management durcheinandergekommen zu sein. "Auch wenn das Ergebnis als unbillig empfunden wird, entspricht es Recht und Gesetz und muss durch den Insolvenzverwalter so durchgesetzt werden", sagt Bähr.

Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen rät betroffenen Teldafax-Kunden, die Rechnung vor der Zahlung genau zu prüfen - und ihr gegebenenfalls zu widersprechen: "Wir gehen davon aus, dass Verbraucher gegenüber dem Insolvenzverwalter einwenden können, dass mögliche Forderungen ihres Vertragspartners nicht wirksam an die Teldafax Services abgetreten wurden", sagt er. Die Internetseite der Verbraucherzentrale informiert über die weitere Entwicklung des Falls.

Sollte der Insolvenzverwalter jedoch nachweisen, dass die Abtretung wirksam war, bleibt Verbrauchern wie Josef Perez keine Wahl: Sie müssen zahlen.