Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer "In Deutschland haben Arbeiterstriche nichts zu suchen"

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer: "Flüchtling ist kein Beruf"

(Foto: dpa)
  • "Wer eine dreijährige Ausbildung anfängt, muss zwei weitere Jahre hier bleiben dürfen": Im SZ-Interview fordert Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer ein Bleiberecht für Flüchtlinge.
  • Wollseifer kritisiert sogenannte Arbeiterstriche in deutschen Großstädten, auf denen Zuwanderer ihre Arbeitskraft für "zwei, drei Euro die Stunde" anbieten, was manche Unternehmer "schamlos ausnutzen".
Von Thomas Öchsner, Berlin

Handwerkspräsident fordert "humanitäres Bleiberecht" für Flüchtlinge

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fordert für Flüchtlinge in Deutschland ein humanitäres Bleiberecht. "Wer eine dreijährige Ausbildung anfängt, muss zwei weitere Jahre hier bleiben dürfen. Dann ist der Betrieb zusätzlich motiviert, diese jungen Leute einzustellen", sagte er der SZ. Gleichzeitig warnte er davor, die Flüchtlinge in ihren Unterkünften sitzen zu lassen. "Diese jungen Leute werden hier untergebracht und können normalerweise nichts tun, bis womöglich nach etlichen Monaten ihr Asylantrag bearbeitet wird. Ich sage: Sie müssen vom zweiten Tag an Deutsch lernen und so sinnvoll beschäftigt werden."

Bei den in Deutschland gestrandeten Menschen handele es sich häufig um gebildete junge Leute aus dem Irak und Syrien, die sich mit einem starken Willen bis hierher durchgekämpft hätten und etwas tun wollten. "Wir dürfen diese Menschen nicht zum Nichtstun verurteilen. Flüchtling ist kein Beruf", sagte Wollseifer. Für ihn ist dies ein "Akt der Menschlichkeit", abgesehen davon, dass Deutsch natürlich die Grundlage sei, "damit wir die Flüchtlinge hier ausbilden können".

Junge Menschen besser in die duale Ausbildung integrieren

Der Handwerkspräsident sprach sich auch dafür aus, junge Menschen aus Zuwandererfamilien besser in der Gesellschaft zu integrieren und zu bilden, "damit sie nicht von unserem Sozialsystem leben müssen, sondern es stärken". Ein Blick in die Statistiken zeige, dass leider immer noch "eher der Müller als der Üzgür eingestellt wird".

Dies liege aber nicht nur an Betriebsinhabern, die womöglich noch Vorurteile gegenüber Ausländern oder Migranten hätten. "Nach wie vor gibt es jedoch auch das Problem, dass viele der jungen Leute aus Zuwandererfamilien die duale Ausbildung, den Mix aus Praxis im Betrieb und Theorie in der Berufsschule, in Deutschland gar nicht kennen", sagte er.

"In Deutschland haben solche Arbeiterstriche nichts zu suchen"

Zum vermehrten Zuzug von Rumänen und Bulgaren in die Bundesrepublik sagte Wollseifer: "Es gibt viele, die regulär arbeiten oder sich ausbilden lassen. Das ist gut." Es gebe aber auch das Problem, dass in einigen Großstädten sich solche Zuwanderer für zwei, drei Euro die Stunde anböten und manche Unternehmer dies schamlos ausnutzten. "In Deutschland haben solche Arbeiterstriche nichts zu suchen", sagte der Handwerkspräsident.

Ein anderes Problem seien die Scheinselbständigen, die für ein paar Euro auf Großbaustellen arbeiten. "Das schädigt nicht nur ehrliche Handwerksbetriebe, es untergräbt auch unser Sozialsystem." Der Staat müsse deshalb die Kontrolle der Schwarzarbeit verstärken, "zumal wir hier von teilweise organisierter Wirtschaftskriminalität sprechen müssen".

Jede Menge Mails "nicht immer oberhalb der Gürtellinie"

Wollseifer, 59, vertritt als Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) seit gut einem Jahr die Interessen von einer Million Handwerksbetrieben mit 5,3 Millionen Beschäftigten.

Im Gespräch mit der SZ erzählte er, dass er wegen seiner Bemühungen um Migranten und Flüchtlinge schon jede Menge Mails bekommen habe, die "nicht immer oberhalb der Gürtellinie" gewesen seien. "Da ist leider auch viel Beleidigendes dabei." Was die Pegida-Demonstranten angeht, glaubt Wollseifer nicht, dass sie dem Standort Deutschland schaden. Er ist überzeugt: "Das wird die Wirtschaft nicht wirklich tangieren, weil die Bewegung vermutlich nicht von Dauer sein wird."

Hans Peter Wollseifer im Wortlaut

Das vollständige Interview lesen Sie in der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder in der digitalen Ausgabe auf dem Smartphone oder Tablet.