Handelskonzern Warum die Metro sich aufspalten will

Die Metro will sich aufspalten - Szene vor einem Großmarkt in Düsseldorf (Archiv)

(Foto: dpa)
  • Der Handelskonzern Metro will sich in zwei Unternehmen aufspalten - eines für Elektronik, eines für den Groß- und Lebensmittelhandel.
  • Der Schritt dürfte ein Schachzug im Machtkampf um Europas größten Elektronikhändler sein.
Analyse von Uwe Ritzer, Nürnberg

Zumindest die Anleger finden die Pläne gut: Kaum hatte die Metro AG ihre angepeilte Spaltung verkündet, schoss der Kurs ihrer Aktie um mehr als elf Prozent nach oben. Verständlich, denn sollten die Pläne realisiert werden, würden aus einem Gemischtwarenladen zwei neue, klar auf ihre jeweiligen Marktsegmente konzentrierte Unternehmen. Eines, das sich um Groß- und Lebensmittelhandel kümmert und ein anderes, das sich auf den Elektronikhandel konzentriert.

Grob formuliert: Die Zeit, in der unter dem Metro-Dach im Abholgroßmarkt Salatköpfe und in Media-Märkten 3-D-Fernseher verkauft werden, ginge zu Ende. Strategisch ergibt das absolut Sinn, denn die bislang mühsam zusammengehaltenen Sparten haben nichts miteinander zu tun. Eine Spaltung wiederum würde es auch für Investoren attraktiver machen, die ihr Geld entweder in die eine oder die andere Sparte investieren wollen - aber eben nicht in einen Gemischtwarenladen.

Kampfansage an den letzten Firmengründer

Die geplante Aufspaltung ist zugleich ein neuer Schachzug im nun schon fünf Jahre andauernden Machtkampf um Media-Saturn. Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro hält bei Europas größtem Elektronikhändler mehr als drei Viertel der Anteile, kann aber nicht durchregieren. Denn der letzte verbliebene Firmengründer Erich Kellerhals verfügt über eine Sperrminorität in der Gesellschafterversammlung. Alle (auch juristischen) Versuche der Metro, diese auszuhebeln, sind bislang gescheitert. Die Lage ist, auch atmosphärisch, völlig verfahren.

Auf den ersten Blick würde eine neue, eigenständige Elektronik-Metro AG an den Mehrheitsverhältnissen bei Media-Saturn nichts ändern. Kellerhals besäße in der Gesellschafterversammlung der GmbH weiterhin seine Sperrminorität. Doch in der neuen Konstruktion würden sich den Metro-Leuten Möglichkeiten eröffnen, strategisch stärker als bislang an Media-Saturn und Kellerhals vorbei zu agieren. Zum Beispiel dann, wenn es um Zukäufe, Joint Ventures oder Partnerschaften geht. Was an Kellerhals' Widerstand innerhalb von Media-Saturn scheitert, könnte daneben etabliert werden.

Als Kampfansage muss es Kellerhals empfinden, dass Pieter Haas Vorstandsvorsitzender der neuen Muttergesellschaft werden soll. Jener Haas, den Kellerhals für vollkommen unfähig hält und erbarmungslos bekämpft. Erst vor wenigen Tagen scheiterte er am Landgericht Ingolstadt mit einem erneuten Versuch, Haas per einstweiliger Verfügung aus seinem derzeitigen Amt als Chef der Media-Saturn-Holding zu jagen.

Als CEO einer Muttergesellschaft jedoch würde Haas enormen strategischen Spielraum hinzugewinnen. Es würden sich ihm auch Möglichkeiten bieten, etwa über eine gemeinsame Verwaltung, Einkauf oder IT, in die Ingolstädter Tochter hineinzuregieren - ohne, dass Kellerhals dagegen viel unternehmen könnte.

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