Handel Lidl droht Partnern von Amazon Fresh

Amazon Fresh ist für Lidls Geschmack zu günstig, auch bei Mandarinen.

(Foto: dpa)

Nervosität im Lebensmittel-Handel: Wer den US-Händler beliefert, könnte Ärger mit dem Discounter bekommen. Das könnte bis zur Auslistung einzelner Artikel gehen, droht Lidl.

Von Michael Kläsgen

Nach dem Start von Amazon Fresh in Teilen von Berlin und Potsdam geht der Discounter Lidl gegen die Lieferanten des Lebensmitteldienstes des US-Internethändlers vor. Wer mit Amazon Fresh kooperiere, müsse mit Sanktionen rechnen, berichtet die Lebensmittel Zeitung. Sie beruft sich dabei auf Aussagen von Managern von Markenherstellern, die neuerdings auch Amazon beliefern. Lidl fürchte um seine Preisführerschaft, zitiert die Zeitung einen Manager, bei dem die Einkaufsabteilung von Lidl bereits vorstellig geworden sei. Die Sanktionen könnten bis zur "Teilauslistung" gehen, also soweit, das Artikel aussortiert werden.

Es ist das bislang deutlichste Zeichen dafür, wie nervös die deutschen Lebensmittelkonzerne darauf reagieren, dass Amazon nun auch frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse bis vor die Haustür liefern. Bislang macht Amazon Fresh das nur in Teilen von Berlin und Potsdam. In Kürze sollen aber auch München und später weitere Städte hinzukommen.

Grund für die Nervosität ist die Preisgestaltung von Amazon. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, dass man Prime-Kunde sein muss und für Amazon Fresh zusätzlich eine Monatsgebühr von 9,99 Eurozahlen muss, um dann in unbegrenzter Anzahl Gratis-Lieferungen mit einem Mindestbestellwert von je 40 Euro zu erhalten. Amazon hält vielmehr bei vielen sogenannten Eckartikeln wie Milch, Kaffee oder Schokolade preislich mit oder unterbietet sogar die Konkurrenz im stationären Handel. Über die Preise für Eckartikel bildet ein Händler sein Image. Lidl befürchtet offenbar, Amazon Fresh könnte als noch günstiger im Vergleich zum Discounter aus Neckarsulm wahrgenommen werden, unabhängig von den Gebühren für die Prime-Mitgliedschaft und die Lieferung. Das will Lidl offenkundig nicht auf sich sitzen lassen. Andere Konkurrenten wie Edeka und Kaufland geben sich da offiziell gelassener. Sie bezweifeln den Angaben zufolge, dass Amazon Fresh die Preise lange aufrechterhalten kann.