Günstiger Kredit bei der BW-Bank Einmal Wulff, bitte!

So günstige Konditionen wie der Bundespräsident? Das hätten andere Kunden der BW-Bank auch gerne - bekommen werden sie die wohl nicht. Der Imageschaden für das Finanzinstitut wächst und wächst.

Von Andreas Jalsovec und Angelika Slavik

Der Mann an der Hotline der BW-Bank hört die Frage an diesem Dienstag nicht zum ersten Mal - und entsprechend routiniert gibt er Auskunft: Ob man denn als Privatkunde auch so einen günstigen Kredit für seine Immobilienfinanzierung bekommen könne wie der Herr Bundespräsident? "Grundsätzlich", lautet die ausnehmend geschliffene Antwort des Service-Mitarbeiters, "ist das eine Frage der Finanzierungsform. Wir erstellen da für jeden ein individuelles Angebot, gerne auch für Sie." Ein normaler Kunde müsse aber bedenken, fügt er noch hinzu, dass die Höhe des Zinses für den Kredit von den Sicherheiten abhänge, die ein Kunde bieten könne.

Christian Wulff hatte offenbar ziemlich gute Sicherheiten. Über Monate hinweg hat der Bundespräsident von der baden-württembergischen Bank sehr günstige Kreditkonditionen für die Finanzierung seiner Häuschens in Niedersachsen erhalten. Bei 2,1 Prozent lag der Zins für Wulffs besonderen, sogenannten rollierenden Geldmarktkredit zuletzt. Eine Kondition, bei der die Bank nach Meinung von Experten nur wenig verdient hat. "Da steckt so gut wie keine Marge drin", meint etwa der unabhängige Finanzberater Max Herbst.

Kein Wunder daher, dass so mancher Kunde der Bank, der brav seinen Baukredit abstottert, sich zurückgesetzt fühlt. Die Hotline-Mitarbeiter, so heißt es, hätten alle Hände voll mit Kunden zu tun, die sich über den Wulff-Kredit empören - und erbost ähnliche Konditionen einfordern. "Da kommen jetzt viele Anfragen in diese Richtung", bestätigt denn auch der auskunftsfreudige Service-Mann am Telefon. Die Bank selbst äußerte sich auf Anfrage dazu bisher allerdings nicht.

Nun ist ein Kredit mit variablem Zins, wie ihn Christian Wulff bekommen hat, bei der Baufinanzierung "nicht ungewöhnlich", sagt Experte Herbst. Die Wulff-Konditionen wären aber für durchschnittliche Hauskäufer unerreichbar. Denn die Banken machen bei der Vergabe solcher Kredite zum Teil deutliche Unterschiede: Bis zu zwei Prozentpunkte mehr zahlen "Standard-" im Vergleich zu "Topkunden", wie es im Bankenjargon heißt. Zu letzteren zählte Christian Wulff ganz offensichtlich.

Imageschaden für die BW-Bank

Und so muss sich die BW-Bank wohl eher fragen, wie sie ohne langfristigen Schaden für Image und Geschäft aus der Sache herauskommt. Bislang habe sich die Bank jedenfalls ziemlich ungeschickt verhalten, meint Frank Behrendt von der PR-Agentur Fischer-Appelt. "Das Krisenmanagement Wulffs und jenes der BW-Bank weisen gewisse Parallelen auf", sagt Behrendt, "in negativer Hinsicht." Beide seien bislang klare Informationen schuldig geblieben, es gebe ständig neue Fragen und kaum Antworten. "Das wichtigste Prinzip bei der Krisenbewältigung ist Transparenz", sagt Behrendt. Die Salami-Taktik, das scheibchenweise Herausgeben von Informationen, verlängere so eine Krise nur, schließlich ließen sich im modernen Medienzeitalter Vorgänge wie jene um Wulffs Kredit ohnehin nicht vertuschen. "Am Ende kommt in jedem Fall die ganze Geschichte ans Licht, das ist unumgänglich", meint Behrendt.

Um die eigenen Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, müsse die Bank reinen Tisch machen und erklären, wie genau Wulffs Kreditkonditionen zustande kamen. Falls Unrechtes passsiert sei, müssten die unmittelbar Verantwortlichen Konsequenzen ziehen. "Es ist wichtig, hier einen klaren Schnitt zu machen", sagt Behrendt. Dann gelte es, durch neue Vorschriften oder Gremien sicherzustellen, dass Ähnliches künftig nicht mehr vorkommen könne. "So könnte die Bank die Geschichte einigermaßen im Griff behalten", sagt Behrendt, "auch wenn ihr Name dank des Internets für immer mit dieser Affäre verbunden bleiben wird." Das sei ein gehöriger Makel gerade in Baden-Württemberg, wo man Anstand und Moral besonders viel Bedeutung zumesse.

Bei der schwäbischen Konkurrenz reibt man sich jedenfalls bereits die Hände: Man habe zwar bislang noch keine konkreten Anfragen von BW-Bank-Kunden, heißt es unisono bei anderen in Stuttgart ansässigen Geldhäusern. "Aber es werden ganz sicher Leute kommen, die deshalb wechseln wollen", mutmaßt man bei einer württembergischen Genossenschaftsbank. "Die Kunden trifft so etwas ja immer auch emotional."