Möglicher Großaktionär bei Autobauer Chinesischer Staatsfonds greift nach Daimler

Daimler-Chef Dieter Zetsche im Werk in Peking, Archivbild von 2010

(Foto: AFP)

Der Staatsfonds der Volksrepublik will bei Daimler einsteigen, meldet die Hauszeitung der Kommunistischen Partei. Der Konzern braucht den chinesischen Absatzmarkt dringend.

China greift nach dem Stuttgarter Stern: Nach dem Rückzug von Daimlers Großaktionär, einem Fonds aus Abu Dhabi, könnte der Autobauer seinen nächsten großen Investor in China gefunden haben. Der Staatsfonds China Investment Cooperation, kurz CIC, habe konkretes Interesse, schreibt die chinesische Zeitung People's Daily, die Hauszeitung der kommunistischen Partei. Ein Einstieg des CIC-Fonds könnte die Verbindung nach China stärken, die Daimler dringend braucht.

Laut People's Daily will CIC 4 bis 10 Prozent der Daimler-Anteile kaufen. Diese hätten einen Marktwert von 1,8 bis 4,5 Milliarden Euro. Der Fonds habe den Bericht nicht kommentieren wollen, schreibt das Blatt. Die staatsnahe People's Daily ist gewöhnlich gut unterrichtet. Der Financial Times zitiert jedoch Insider, denen zufolge ein Deal nicht unmittelbar bevorstehe.

Die Investmentgesellschaft Aabar aus Abu Dhabi hält seit Oktober 2012 keine Anteile mehr, sondern nur noch Optionen. Schon damals hieß es, dass der Daimler-Vorstand mit Chinesen geredet haben soll. Eine "real existierende Möglichkeit", sagte ein Daimler-Manager.

Die CIC investiert einen Teil der Devisenreserven Chinas in viele Firmen auf der ganzen Welt. Insgesamt hält sie Anteile im Wert mehrerer hundert Millionen Euro. Dabei beschränkt sich das Unternehmen auf Minderheitsanteile - um Vorwürfen vorzubeugen, als globales Machtinstrument der Regierung zu dienen. In der Selbstbeschreibung heißt es, der Fonds übernehme in den Unternehmen "üblicherweise keine kontrollierende Rolle" oder versuche, das operative Geschäft zu beeinflussen. Zuletzt hatte er sich beim Londoner Flughafen Heathrow eingekauft.

Auch als Reaktion auf die Nachricht legten die Daimler-Papiere um mehr als zwei Prozent zu. Bereits Ende 2011 hatte es in Deutschland Spekulationen um einen CIC-Einstieg bei Daimler gegeben. Damals hatte das Manager Magazin unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, dass man einen chinesischen Investor für eine fünf- bis zehnprozentige Beteiligung suche. Daimler habe eine Investmentbank damit beauftragt, einen Käufer zu finden. Der CIC galt schon damals als Favorit.

Im Gegensatz zu BMW oder VW, die mit der Familie Quandt beziehungsweise den Familien Porsche beziehungsweise Piëch und dem Land Niedersachsen große Ankeraktionäre im Boot haben, befinden sich die Daimler-Aktien weitgehend im Streubesitz. Mit dem Einstieg eines Großinvestors wie der CIC könnte Daimler-Chef Dieter Zetsche sein Unternehmen besser gegen eine feindliche Übernahme absichern - solange das Verhältnis zu dem Staatsfonds gut bleibt.

Gute Beziehungen mit der Politik in Peking dürften auch ein Ziel sein, das Zetsche mit einem Verkauf von Anteilen an CIC verfolgen könnte. In China finden die Autos mit dem Stern nur schleppend Absatz, dabei wird der Markt für internationale Autobauer immer wichtiger. "Wir werden China auf Kurs bringen und bei den Produkten aufschließen", sagte Zetsche vergangene Woche in einem Interview mit der Börsen-Zeitung. So will er bis spätestens 2020 Audi und BMW beim Absatz einholen. Zetsche sagte auch explizit, langfristige Investoren aus China seien willkommen. Einen hat er nun angeblich gefunden.

Anteilseigner großer Autofirmen, Stand 2012

(Foto: SZ Grafik/ Quelle: Unternehmen)