Gribkowsky gesteht Bestechung durch Ecclestone "Ein Riesenberg Geld"

Acht Monate hat er geschwiegen. Jetzt hat der frühere BayernLB-Vorstand Gribkowsky zugegeben, Schmiergeld von Formel-1-Baron Ecclestone angenommen zu haben. Er packt aus, wie das System Ecclestone funktioniert.

Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat im Prozess um Schmiergeldzahlungen beim Formel 1-Verkauf ein Geständnis abgelegt. Nach acht Monaten Schweigen räumte er am Mittwoch vor dem Landgericht München I ein, 44 Millionen Dollar von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhalten zu haben. "Einen Riesenberg Geld", wie Gribkowsky sagte.

Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky legt Geständnis ab: Archivbild aus dem Sitzungssaal im Landgericht München I.

(Foto: dpa)

Der Versuch seiner Verteidigung, mit Gericht und Staatsanwaltschaft einen Deal zu machen, war zuvor gescheitert, wie der Vorsitzende Richter Peter Noll erklärte. Noll sagte nach einer Unterbrechung der Sitzung, dass sich die Parteien in dem Gespräch nicht hätten einigen können. Der Richter erklärte, Gribkowsky habe auch nach einem Geständnis mit einer Haftstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten bis hin zu neun Jahren zu rechnen. Er stellte es ihm daraufhin frei, trotzdem eine Aussage zu machen. Dieses Angebot nahm Gribkowsky an. Noll hatte nur eine Frage: "Stimmen die gegen Sie erhobenen Vorwürfe?" Die Antwort des Angeklagten Bankers: "Im Wesentlichen."

Ohne Ecclestone gehe gar nichts

Gribkowsky war als Vorstand der BayernLB im Jahr 2006 dafür zuständig, die Beteiligung der Bank an der Formel 1 zu verkaufen, die ihr als Pfand für die Kirch-Pleite zugefallen war. Dabei hatte der Banker immer wieder mit Ecclestone zu tun, ohne den in der Formel 1 nichts laufe. "Sie kommen an gar nichts ran, wenn er nicht will", sagte Gribkowsky in seiner fast zweistündigen Aussage. Dabei habe Ecclestone seine eigene Arbeitsweise: "Er ist kein Mann von Papier. Handys, Aktentasche, Ende. Der Rest ist mündlich." Dem Formel-1-Chef kamen die Verkaufsabsichten der BayernLB damals ganz recht: Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm Banken als Besitzer der Formel 1 nicht in den Kram passten.

Gribkowsky erzählte den Richtern, Ecclestone habe ihn zum Verkauf gedrängt. "Wenn Du mir hilfst, die Formel 1 zu verkaufen, dann beschäftige ich Dich als Berater", habe Ecclestone ihm gesagt. Kurz darauf präsentierte Ecclestone ihm seinen Wunschkäufer: den britischen Finanzinvestor CVC, der die Formel 1-Mehrheit schließlich kaufte und bis heute besitzt.

Ecclestone forderte für die Vermittlung des Käufers 100 Millionen Dollar Provision, wie Gribkowsky erzählte. Er habe ihn dann auf rund 66 Millionen Dollar heruntergehandelt, die die BayernLB auch zahlte, weil sie dankbar war, einen Käufer gefunden zu haben, der soviel zahlte. Gribkowsky räumte ein, dass die Provision aus heutiger Sicht nicht nötig gewesen wäre, da Ecclestone die Banken ohnehin loswerden wollte. "Ich hätte diese Provision schlicht ablehnen müssen."

44 Millionen für die Beratung

Aber auch Gribkowsky füllte seine Kasse. Ecclestone habe ihn bei einem Treffen nach seinen Vorstellungen für seine Arbeit als Berater gefragt. "Tell me numbers, nenne mir Zahlen - das weiß ich bis heute", sagte Gribkowsky. Der Banker nannte 50 Millionen Dollar und bekam 44 Millionen, obwohl er selbst mit weniger gerechnet hatte. "Üblich sind eher 10 Millionen", sagte er vor Gericht. Die Anklage wirft Gribkwosky deshalb Bestechlichkeit vor, da er als Amtsträger der BayernLB kein Geld hätte annehmen dürfen.

Das Geld hat Gribkowsky nach eigenen Angaben in eine Kinderkrebsstiftung in Österreich gesteckt, da er das Elend der betroffenen Familien selbst miterlebt habe, als sein Sohn erkrankte. "Ich erspare uns allen Details", sagte er mit tränenerstickter Stimme. Die Staatsanwalt sieht darin Steuerhinterziehung.

Gribkowsky sitzt wegen der Vorwürfe schon seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Weil er vor Gericht so lange zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, haben die Richter an den bislang 45 Verhandlungstagen mehr als 40 Zeugen vernommen, darunter auch Ecclestone selbst. Er hatte die Zahlung als eine Art Schweigegeld dargestellt, um Gribkowsky von einer Anzeige bei den britischen Steuerbehörden abzuhalten. Auch ihm droht ein Prozess, die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.