Pestizid Neue Warnung vor Risiken durch Glyphosat

Als "unbedenklich" will das Umweltbundesamt das umstrittene Pestizid Glyphosat nicht bezeichnen.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)
  • Das Umweltbundesamt warnt vor möglichen Risiken des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat - es bestehe weiterer Forschungsbedarf.
  • Die Bewertung steht in Kontrast zu den Einschätzungen anderer wichtiger Behörden, die das Pestizid als "unbedenklich" eingestuft hatten.
  • Glyphosat ist das meistverkaufte Pestizid der Welt, die Europäische Kommission wird in den kommenden Monaten entscheiden, ob es zugelassen bleibt.
Von Silvia Liebrich

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor möglichen Risiken des weit verbreiteten Unkrautvernichters Glyphosat. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sieht weiteren Forschungsbedarf. "Wir müssen die Datenlage zur Belastung beim Menschen verbessern. Insbesondere bei Kindern wissen wir aus den Studien bisher kaum etwas", sagte Krautzberger der Süddeutschen Zeitung.

Diese Einschätzung ist bemerkenswert, denn sie steht im Kontrast zu der einer anderen wichtigen Behörde, dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die hält den Wirkstoff bei sachgerechter Anwendung für unbedenklich. Glyphosat ist das meistverkaufte Pestizid der Welt und wird in Deutschland auf 40 Prozent der Felder eingesetzt, um Unkraut zu vernichten oder die Reife von Getreide zu beschleunigen.

Diesen Donnerstag wird das Umweltbundesamt eine brisante Langzeitstudie vorlegen. Darin geht es um den Nachweis des Stoffs im Urin von Menschen, die in ihrem Alltag nicht direkt damit in Berührung kommen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Mittel bei bis zu 60 Prozent der getesteten Personen finden lässt.

SZ-Grafik; Quelle: Umweltbundesamt

Es ist die erste große Untersuchung dieser Art einer staatlichen Behörde. Hintergrund ist, dass derzeit die Risiken des Stoffs neu eingeschätzt werden müssen. Im Sommer läuft die Zulassung in der EU aus und soll nun verlängert werden. An der Bewertung ist neben dem BfR auch das Umweltbundesamt beteiligt.

Die Risiken der Belastung sind noch immer strittig

Das UBA hat über einen Zeitraum von 15 Jahren untersucht, ob und wie sich der Wirkstoff bei Menschen nachweisen lässt. "Während 2001 lediglich bei zehn Prozent der Urin-Proben Glyphosat nachgewiesen werden konnte, waren es in den Jahren 2012 und 2013 knapp 60 Prozent", sagt Krautzberger. In diesen Jahren seien auch die höchsten Konzentrationen gemessen worden. 2014 und 2015 sei der Anteil auf 40 Prozent zurückgegangen. "Dennoch lässt sich im Vergleich zu 2001 immer ein substantieller Anstieg der Belastung feststellen", ergänzt die Präsidentin. Ob der Rückgang von Dauer ist, müssten weitere Analyse zeigen.

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Strittig ist, ob und welche Risiken durch eine solche Belastung entstehen können. Liegen die Werte unterhalb der Grenzwerte, sehen Überwachungsbehörden in der Regeln keine Risiken. Auch das Umweltbundesamt stellte in seiner nun vorliegenden Analyse keine überhöhten Werte fest. Im Gegenteil. Die höchste gemessene Konzentrationen des Unkrautvernichters lagen um etwa den Faktor 1000 niedriger als das, was die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) für vertretbar hält. Die derzeit bei 0,5 Milligramm pro Kilo Körpergewicht festgelegte Menge wurde erst im vergangenen November von 0,3 Milligramm angehoben.

Trotzdem warnt die UBA-Präsidentin: "Die im Urin gemessenen Konzentrationen liegen zwar deutlich unter den akzeptablen Mengen. Die Ergebnisse liefern aber dennoch Grund zur Besorgnis. Denn die Zunahme der Belastung des Menschen fällt genau in den Zeitraum, in dem Glyphosat in immer größeren Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt wurde." Insgesamt waren an der UBA-Studie 400 Männern und Frauen zwischen 20 und 29 Jahren von 2001 bis 2015 beteiligt. Untersucht wurden den Angaben zufolge 40 Urinproben pro Jahr. Auf welchem Weg die Probanden das Pestizid aufgenommen haben, ist laut Experten nicht eindeutig geklärt. Tatsache ist jedoch, dass Spuren des Pestizids in Tests immer wieder in Brot und anderen Lebensmitteln gemessen werden.