Geldwerkstatt Was ist Crowdinvesting? 

Die Leserfrage

"Was ist Crowdinvesting? Und wie riskant ist es für mich als Anleger?"

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Wie riskant ist das Anlegen von Geld im Crowdinvesting? Die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung beantwortet jede Woche eine Leserfrage rund um den Finanzmarkt und die verschiedenen Möglichkeiten zur Geldanlage.

Von Jan Willmroth

Ein riesiger Supermarkt, mehrere Etagen, alles für den Hund. Hundemaxx, ein Händler mit einer Filiale in Nürnberg, einer in München, einem Onlineshop und mehr als sechs Millionen Euro Umsatz, inszeniert sich als Hundeparadies. Das Unternehmen verkauft hochwertiges Futter, Leinen in vielen Farben und jedes erdenkliche Spielzeug. Damit es Hundemaxx demnächst auch in weiteren Städten gibt, braucht die Firma Geld. Anstatt zur Bank zu gehen, umwirbt die Geschäftsführung in diesen Tagen Anleger. Auf der Crowdinvesting-Plattform Companisto hat der Händler schon mehr als 430 000 Euro bei 570 Investoren eingesammelt. Und dann steht da die jährliche Verzinsung: acht Prozent, bei einer Laufzeit von vier Jahren. Verlockend, in der Niedrigzins-Ära geradezu umwerfend. Und genau deshalb ziemlich riskant.

Crowdinvesting ist der Fachbegriff für ein relativ junges Modell der Geldanlage. Auf Online-Plattformen wie Companisto, Seedmatch oder Deutsche Mikroinvest können sich private Geldgeber dabei an Unternehmen beteiligen und dafür Zinsen kassieren. Mal ist es ein gerade erst gegründetes Unternehmen, das Geld braucht, um seine Idee zu verwirklichen, mal sucht eine mehr als zehn Jahre alte Firma wie Hundemaxx frisches Kapital. Es gibt Plattformen wie Bettervest, die sich auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz-Projekte spezialisiert haben, oder Portale wie Bergfürst, die Immobilien-Investments anbieten. Im ersten Quartal kamen nach Angaben des Branchendiensts Für-Gründer.de knapp zehn Millionen Euro über die Plattformen zusammen. Ein Nischenmarkt.

Aber auch ein Markt, in dem Anleger eben sehr attraktive Zinsversprechen vorfinden. Das sollte in erster Linie skeptisch machen. Feste Verzinsungen von acht Prozent bedeuten ein Niveau, das Anleger sonst nur auf dem grauen Kapitalmarkt finden. Das ist jener nicht regulierte Bereich des Kapitalmarkts, in dem hoch riskante und intransparente Deals oft zum Nachteil der Investoren abgeschlossen werden.

Auch die Crowdinvesting-Plattformen bedienen sich eines Instruments, das im grauen Kapitalmarkt sehr verbreitet ist: paritätische Nachrangdarlehen. Im Fall einer Insolvenz werden diese Darlehen wie Eigenkapital behandelt, die Gläubiger erhalten dann ihr Geld als letzte. Wer einem Unternehmen per Crowdinvesting sein Geld gibt, geht also in den meisten Fällen eine unternehmerische Beteiligung mit maximalem Risiko ein. Nicht umsonst steht über jedem Angebot bei Companisto der Warnhinweis: "Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen."

Für die Altersvorsorge ist das also definitiv nichts. Es griffe aber zu kurz, nur vor diesen Investments zu warnen. Seit einigen Jahren haben Anleger über die Plattformen erstmals die Möglichkeit, sich unkompliziert - und transparenter als sonst im grauen Kapitalmarkt - schon mit kleinen Summen an Firmen zu beteiligen oder in Start-up-Ideen zu investieren. Wer sich solche Beteiligungen vorstellen kann, sollte auf jeden Fall Geld übrig haben, das nicht für später gedacht ist. Vorher sollten Anleger möglichst alles über den Zustand eines Unternehmen herausfinden - und im Zweifel lieber nicht investieren. Als kleiner Anteil der eigenen Geldanlagen sind Crowd-Investments grundsätzlich vorstellbar. Auch dabei gilt: Lieber das Geld gleich auf mehrere Projekte verteilen.