Fusion von Deutsche Annington und Gagfah Neuer Riese auf dem Wohnungsmarkt

  • Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern Deutsche Annington will den Rivalen Gagfah für fast 3,9 Milliarden Euro übernehmen.
  • Sollte der Zusammenschluss gelingen, würde Deutschlands größter Immobilienkonzern mit insgesamt etwa 350 000 Wohnungen entstehen.
  • Etwa eine Million Mieter wären davon betroffen. Sie sollen den Unternehmen zufolge von der Übernahme profitieren.

Deutsche Annington bietet 3,9 Milliarden Euro

Die deutsche Immobilienbranche steht vor einer Großfusion: Mit der Deutschen Annington und Gagfah wollen sich zwei der größten Immobilienkonzerne des Landes zusammentun. Die Deutsche Annington bietet fast 3,9 Milliarden Euro für den Konkurrenten aus dem Ruhrgebiet.

Die beiden Unternehmen erhoffen sich durch die Übernahme Kosteneinsparungen in Höhe von 84 Millionen Euro im Jahr - allerdings sollen erst einmal Belastungen in Höhe von etwa 310 Millionen Euro anfallen. Arbeitsplätze sollen aber nicht abgebaut werden, heißt es in einer Mitteilung. Es soll eine neue Unternehmenszentrale im Einzugsgebiet der beiden jetzigen Unternehmenszentralen in Mülheim an der Ruhr und Bochum entstehen. Wo, sei noch nicht klar. Auch über einen neuen Namen sei noch nicht entschieden, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Annington, Rolf Buch.

"Es werden mehr als eine Million Menschen bei uns wohnen"

Es ist bereits die zweite Großfusion unter börsennotierten Wohnungsgesellschaften in Deutschland. Vor einem Jahr hatten die Deutsche Wohnen und die GSW ihren Zusammenschluss angekündigt.

Sollte der Zusammenschluss gelingen, würde Deutschlands größter Immobilienkonzern mit insgesamt etwa 350 000 Wohnungen entstehen. Der Wert: etwa 21 Milliarden Euro. "Es werden mehr als eine Million Menschen bei uns wohnen", sagte Buch.

Wie die Übernahme finanziert wird

Die Deutsche Annington zahlt jeweils die Hälfte der 3,9 Milliarden Euro schweren Kaufsumme in bar und in eigenen Aktien. Das entspreche 18 Euro je Gagfah-Aktie, 16 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Freitag. Die Gagfah-Aktionäre sollen für 14 ihrer Aktien 122,52 Euro in bar sowie fünf neue Deutsche-Annington-Aktien erhalten. Das offizielle Angebot soll noch vor Weihnachten vorgelegt werden. Bis zum 21. Januar 2015 müssen die Gagfah-Aktionäre darüber entscheiden. Voraussetzung für das Zustandekommen der Übernahme ist, dass mehr als die Hälfte von ihnen zustimmt.

Finanzieren will die Deutsche Annington den Deal durch die Aufnahme neuer Schulden und eine Kapitalerhöhung. Die US-Investmentbank JPMorgan hilft mit einem Brückenkredit aus. Buch soll im neuen Unternehmen Vorstandsvorsitzender werden, Gagfah-Chef Zinnöcker sein Stellvertreter.

Hintergründe zu den Unternehmen

Annington und Gagfah sind auf ähnliche Weise entstanden. Finanzinvestoren hatten staatliche Immobilien und Werkswohnungen gekauft, mit Schulden finanziert und letztlich an die Börse gebracht. Die Gagfah hatte unter der Ägide des Investors Fortress mit den Wohnungen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) angefangen und dann die kommunalen Wohnungsgesellschaften Nileg in Hannover und Woba in Dresden hinzuerworben.

Deutsche Annington besteht aus ehemaligen Eisenbahner-Wohnungen und den ehemaligen Werkswohnungen von Eon und RWE. Der Investor Terra Firma hatte sie 2013 an die Börse gebracht, Gagfah ist dort seit 2006 notiert.