Schweizer Zentralbank Freigabe des Franken irritiert die Finanzmärkte

2011 setzte die Schweizer Notenbank einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro fest.

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  • Die Schweiz kippt den während der Euro-Krise eingeführten Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro.
  • Diese Grenze hatte die Notenbank in den vergangenen Jahren durch Devisenkäufe verteidigt.
  • Der Franken wurde zwischenzeitlich ein knappes Drittel teurer.
  • Gleichzeitig senkt die Notenbank den Zins auf Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, auf minus 0,75 Prozent.

Zeiten der Überbewertung sind vorbei

Die Schweizer Notenbank gibt den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf. "Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt", erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB).

Der Schweizer Franken bleibe zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung habe sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert, begründete die Zentralbank ihre Entscheidung.

Turbulenzen an den Börsen

Die Entscheidung sorgte für Turbulenzen an den Finanzmärkten. "Die Aufhebung des Mindestkurses kommt sehr überraschend", sagte ein Analyst. Der Franken stieg zwischenzeitlich um ein knappes Drittel gegenüber dem Euro an Wert. Zur Schweizer Währung sackte der Euro zeitweise um knapp ein Drittel auf ein Rekordtief von 0,8639 Franken ab. Aus Sicht von Helaba-Analyst Ulrich Wortberg dürfte sich zwischen Euro und Franken aber bald eine Parität einstellen.

Dax und EuroStoxx rutschten zunächst deutlich ins Minus, im weiteren Handelsverlauf aber legten viele Aktienmärkte deutlich zu. In der Schweiz brach die Börse allerdings um mehr als zehn Prozent ein.

Schweizer Wirtschaft "vor schwerem Schaden bewahrt"

In der Euro-Krise war der Schweizer Franken von Anlegern als sichere Anlage stark nachgefragt worden. Dies ließ die Währung immer teurer werden. Die Notenbank legte deshalb im September 2011 einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro fest. Diese Maßnahme habe die Schweizer Wirtschaft "vor schwerem Schaden bewahrt", heißt es nun. Die Schweizer Exportwirtschaft hängt stark von Ausfuhren innerhalb von Europa ab, ein teurer Franken schadet ihr.

Die Notenbank hatte die festgelegte Grenze mit Devisenkäufen verteidigt - das ließ allerdings die Bilanz immer größer werden. Die Devisen-Reserven sind inzwischen auf 500 Milliarden Franken angewachsen. Führende Ökonomen in der Schweiz hatten sich zuletzt gegen den Mindestkurs ausgesprochen.

Negativzins auf Girokonten

Zugleich senkte die Zentralbank den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen hohen Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent.