Ford-Managerin Samardzich "Wir können von Tesla sehr viel lernen"

Die Ford-Managerin Barb Samardzich spricht im SZ-Interview über das Fehlen weiblicher Führungskräfte in Europas Automobilindustrie. Außerdem erklärt sie, warum der Konzern eher in Richtung Tesla statt Google schaut.

Die Ford-Europa-Managerin Barb Samardzich sieht noch großen Nachholbedarf, wenn es um Frauen in Top-Positionen der europäischen Automobilindustrie geht. "Die USA sind beim Thema Frauen weiter als die Europäer", sagte die Amerikanerin, die sich als "Chief Operating Officer" bei Ford Europe in Köln um das operative Geschäft des Autokonzerns kümmert, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Allerdings, so Samardzich: "Es gibt bei uns aber auch genügend Frauen, die aufgrund ihrer Ausbildung für solche Jobs geeignet sind, also Frauen mit Ingenieursabschluss." Statt strenge Quoten einzuführen, sollten geeignete Kandidaten "nach ihren Fähigkeiten beurteilt und gefördert" werden, "unabhängig vom Geschlecht". Dafür müssten entsprechende Netzwerke in der Industrie aber auch für Frauen geöffnet werden. "Mein Appell lautet: Lassen Sie die Frauen rein, verzichten Sie nicht auf deren Talente."

Ford will verstärkt auf Elektro- und Hybridautos setzen

Nach verlustreichen Jahren verdiene Ford in Europa seit dem zweiten Jahresquartal wieder Geld. "Unsere Strategie greift", sagte Samardzich. Der europäische Markt wachse wieder, "aber Absatzzahlen wie die von vor ein paar Jahren, als hier noch 18 Millionen Autos im Jahr verkauft wurden, werden wir wohl nicht so schnell wieder sehen".

Ford müsse sich in den kommenden Jahren auf neue Situationen einstellen. Immer mehr junge Europäer würden Car-Sharing-Angebote nutzen, statt ein eigenes Auto zu kaufen. Dass der Internet-Konzern Google jüngst ein eigenes, selbstfahrendes Auto vorgestellt hat, sei an sich noch keine Gefahr für traditionelle Hersteller wie Ford. Aber man müsse nun reagieren. "Wenn Sie sich nach wie vor als traditionelle Automobil-Konzerne verstehen würden, wären sie in Gefahr. Wir bei Ford haben verstanden, dass das Thema Mobilität gerade viele neue Facetten bekommt: Eine davon ist die Vernetzung der Autos."

Außerdem werde Ford in den kommenden Jahren verstärkt auf Elektro- und Hybridautos setzen - "weil wir gar nicht wissen, ob unsere Kunden in den nächsten Jahren überhaupt noch in die Innenbereiche einiger europäischen Großstädte hinein fahren können".

Das vollständige Interview lesen Sie in der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 4. August.