Förderung von Schiefergas in Deutschland Ausgefrackt

Fracking ist derzeit eines der größten Streitthemen in Deutschland.

(Foto: dpa)
  • Das Streitthema Fracking beschäftigt die Bundesregierung: Das Bundesumweltministerium hat einen Gesetzentwurf erarbeitet.
  • Es sieht ein grundsätzliches Verbot der umstrittenen Fördertechnik vor - erlaubt allerdings Probebohrungen.
  • Einen Schiefergasboom wie in den USA würde es in Deutschland aber ohnehin nicht geben. Dafür fehlen die Vorräte.
Von Michael Bauchmüller und Silvia Liebrich

Fracking, das ist in Deutschland eine Art Synonym für das Böse: zerstörte Umwelt, verseuchtes Wasser, Bürger in Angst. Wenige Themen regen die Deutschen derzeit so auf wie die Aussicht, um die Ecke könnte dereinst im großen Stil das umstrittene Schiefergas gefördert werden - ungeachtet aller Gefahren. An diesem Donnerstag will das Bundesumweltministerium nun den Entwurf für ein Fracking-Gesetz zur internen Abstimmung an die anderen Ressorts verschicken - und wie es aussieht, wird keine der schlimmsten Befürchtungen eintreten.

Darauf jedenfalls läuft der mühsam ausgehandelte Koalitionskompromiss hinaus, ein Konvolut aus Hürden und Hindernissen. Zunächst sieht es ein "grundsätzliches" Verbot von Fracking-Bohrungen vor, die keine 3000 Meter erreichen - also just bis zu jener Tiefe, in der sich in Deutschland das meiste Schiefergas befindet. Nur Probebohrungen sollen hier möglich sein, aber erst nach einem aufwendigen Genehmigungsverfahren.

Sollten die erfolgreich sein, kann eine sechsköpfige Expertenkommission eine Ausnahme vom Verbot befürworten. Sollte sie mehrheitlich zu dem Schluss kommen, dass ein konkretes Fracking-Projekt "unbedenklich" ist, könnte es doch noch eine Chance bekommen. Zumindest mal rein theoretisch.

Viele Hürden für Fracking-Genehmigung

Praktisch sieht die Sache anders aus: Erstens lassen sich Wissenschaftler zu vielem hinreißen, ungern aber zu einer quasi amtlichen Unbedenklichkeitserklärung. Und zweitens wäre das nur der erste Schritt: Die eigentliche Genehmigung nämlich müssten Bergämter und die örtlichen Wasserbehörden ausstellen. Doch gerade Letztere stehen dem Fracking ungefähr so offen gegenüber wie die Feuerwehr dem Brandstifter.

Auch das Umweltbundesamt soll ein Wörtchen mitzureden haben, es muss die verwendete Fracking-Flüssigkeit als absolut ungefährlich einstufen. "Wir legen damit die strengsten Regelungen im Bereich Fracking vor, die es jemals gab", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Die Folge: Claims (siehe Grafik) für unkonventionelles Gas mag es mittlerweile viele geben - die Genehmigungen für den Abbau aber rücken mit diesem Gesetz in weite Ferne.

SZ-Grafik: Hanna Eiden; Quelle: bmwi, Bergbaubericht

"Der Schutz des Trinkwassers und der Schutz der Gesundheit haben bei uns absolute Priorität", sagt etwa der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD). "Als Oberste Wasserbehörde wird das Umweltministerium für solche Experimente keine Genehmigung erteilen." Mehr noch: Die Länder können die Regeln noch zusätzlich verschärfen. Sie können zum Beispiel so genannte Trinkwassergewinnungsgebiete ausschließen, also etwa das Einzugsgebiet der Flüsse. So wird die deutsche Fracking-Landkarte immer kleiner.

Kein Schiefergasboom "made in Germany"

Für die deutsche Wirtschaft ist das eine Enttäuschung. Während in den USA die Förderung von Schiefergas in den letzten Jahren die Energiepreise purzeln ließ, bleibt es hierzulande wohl eher eine theoretische Option. Selbst die Hoffnung, deutsches Schiefergas könnte ein Ersatz für Lieferungen aus Russland sein, erweist sich als trügerisch - und das nicht allein des Gesetzes wegen. Auch das Potenzial fehlt: Die notwendigen Reserven für einen Schiefergasboom "made in Germany" sind schlicht nicht vorhanden.

Das bestätigen auch Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, in Deutschland die Nummer eins bei der Analyse von Vorkommen. Sie geht zwar davon aus, dass im Untergrund technisch förderbare Ressourcen von 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas lagern. Die Menge würde theoretisch reichen, um Deutschland für sieben bis 23 Jahre zum Selbstversorger zu machen.

Fest steht aber auch, dass längst nicht alles davon wirtschaftlich abbaubar sein wird. Das heißt, eine Förderung lohnt sich nur dann, wenn das gewonnene Gas nicht zu teuer wird. Hinzu kommt, dass Fracking in Städten, Ballungsräumen, Natur- und Wasserschutzgebieten an Gesetzen scheitern dürfte, ganz zu schweigen vom Widerstand der Bevölkerung. Damit reduziert sich das Potenzial weiter. Am Ende könnten die heimischen Vorkommen gerade dafür reichen, die gesamte deutsche Gasnachfrage für einige wenige Jahre zu decken, rein rechnerisch.