Finanzmärkte Die Fans der Fonds

Noch sieht es schön aus vor Kapstadt, doch in Südafrika zeigen sich Folgen der Börsensituation: Investoren ziehen sich zurück, 2016 dürften Zinsen steigen.

(Foto: Kevin Sutherland/Bloomberg)

Das ETF-Jahr war durchwachsen, die Schere zwischen EZB- und Fed-Politik wird sich auch 2016 weiter öffnen.

Aktienfonds mit einer Absicherung gegen Wechselkurs-Schwankungen waren im Börsenjahr 2015 die Lieblinge der Anleger: Dank der Aufwertung des Dollars in den vergangenen Monaten sammelten die Anbieter dieser Produkte ein Viertel aller in börsennotierte US-Aktienfonds gesteckten Gelder ein. Daher legen sie im neuen Jahr eine Schippe drauf und bringen 41 neue währungsbesicherte Indexfonds (ETFs) an den Start.

Für Investoren fällt die Bilanz dagegen gemischt aus: Konnten sie sich die meiste Zeit des Börsenjahres über überdurchschnittliche Kursentwicklungen freuen, machte ihnen die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang Dezember einen Strich durch die Rechnung. Mit ihrer für viele Anleger enttäuschend geringen Lockerung der Geldpolitik trieb sie den Kurs des Euro überraschend in die Höhe. Da sich andere Währungen dieser Entwicklung nicht entziehen konnten, sorgte die EZB für Verluste bei währungsbesicherten Fonds.

Die Zeiten einfach gestrickter Produkte, bei der der Kauf einer Aktie eine Wette auf den Kurs der entsprechenden Währung bedeutete, seien vorbei, betont Michael Jones, der beim Vermögensverwalter RiverFront die Investitionsentscheidungen verantwortet. Dieser Ansicht sind auch die Fondsanbieter Wisdom Tree und iShares, eine Tochter des Finanzinvestors Blackrock. Sie planen neue Fonds, bei denen die Sicherungsgeschäfte kontinuierlich an den Wechselkurs angepasst werden. In die Strategie fließen Faktoren wie Leitzinsen, Kaufkraft und Kursentwicklungen ein.

In den ersten elf Monaten des zu Ende gehenden Jahres flossen dem Datenanbieter FactSet zufolge 47 Milliarden Dollar neu in währungsbesicherte börsennotierte Fonds. Damit liege das Anlagevolumen bei 68,3 Milliarden Dollar. Vor vier Jahren - in den Kindertagen dieser ETF-Gattung - hatten Investoren gerade einmal 418 Millionen Dollar in diesen Produkten angelegt.

Befeuert wurde dieser Boom von der erneuten Aufwertung der US-Währung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, liegt trotz der Kursverluste der vergangenen drei Wochen immer noch etwa 8,5 Prozent über dem Niveau von Anfang Januar. Damit steuert er auf den dritten Jahresgewinn in Folge zu. Das wäre die längste Serie seit der Jahrtausendwende.

Bis November lief es auch für viele ETF-Anleger gut. Der Europe Hedged Equity Fund des Anbieters Wisdom Tree gewann rund 13 Prozent, während der Aktienindex MSCI Europe Index um drei Prozent sank. Inzwischen bietet sich ein anderes Bild: Im Vergleich zu Anfang Januar liegt der Wisdom-Tree-Fonds 6,5 Prozent im Minus, während der MSCI-Index lediglich 4,3 Prozent einbüßte.

Die Entscheidung der EZB brachte ETF-Kurse bedenklich ins Schlingern

Börsianer hatten bis zur EZB-Entscheidung Anfang Dezember damit gerechnet, dass wegen der immer weiter auseinanderklaffenden Zinsschere zwischen den USA und der Euro-Zone die Gemeinschaftswährung weiter abwerten wird. Die US-Notenbank Fed leitete Mitte Dezember wie erwartet die Zinswende ein und wird den Schlüsselsatz 2016 voraussichtlich mehrmals anheben. Ein Ende der EZB-Nullzinspolitik ist dagegen nicht in Sicht.

Bei Anlagen in Schwellenländern konnte die Wechselkurs-Absicherung Verluste zwar nicht verhindern, den Kursrutsch aber abbremsen. Der iShares Hedged MSCI Emerging Markets-Fonds gab etwa elf Prozent nach. Bei seinem nicht gegen Wechselkurs-Schwankungen abgesicherten Pendant summieren sich die Verluste auf mehr als 17 Prozent. Der entsprechende MSCI-Index büßte seit Jahresbeginn rund 16 Prozent ein.

In den vergangenen Jahren hatten Staaten wie Brasilien, Südafrika oder die Türkei besonders von der US-Nullzinspolitik profitiert. Investoren pumpten auf der Suche nach Rendite Milliarden in diese Volkswirtschaften. Mit der Aussicht auf höhere US-Zinsen ziehen sie nun ihr Geld aus diesen als risikoreich geltenden Anlagen ab und setzen die jeweiligen Währungen unter Verkaufsdruck.