Finanzbranche Deutschland braucht eine neue Deutsche Bank

Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (Archiv)

(Foto: picture alliance / AP Photo)

Die Deutsche Bank ist vor allem mit sich selbst beschäftigt. Dabei hätte sie das Zeug dazu, weltweit bedeutend zu sein.

Kommentar von Caspar Busse

Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von Unternehmen, die ziemlich erfolgreich sind und weltweit führend dazu. BASF etwa ist der größte Chemiekonzern der Welt. Die Deutsche Post spielt mit der Pakettochter DHL in der Logistikbranche ganz vorne mit. Die deutsche Autoindustrie gilt mit Daimler und BMW, mit Volkswagen, Porsche und Audi als international führend - und das trotz der herben Rückschläge wegen der manipulierten Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen. SAP ist eines der wenigen bedeutenden Softwareunternehmen außerhalb der USA. Die Autozulieferer und der Maschinenbau sind geachtet. Im deutschen Mittelstand sind sehr viele Weltmarktführer zu finden, die in kleinen, aber profitablen Nischen ausgesprochen erfolgreich sind. Selbst zwei der größten Versicherungen überhaupt steuern ihre Geschäfte und ihre milliardenschweren Anlagen von Deutschland aus: Allianz und Munich Re.

Eine Volkswirtschaft, die so stark vom Export lebt wie die deutsche, braucht starke Kreditinstitute

Und im Bankgeschäft? Da herrscht die große Leere. Institute von Weltgeltung gibt es hierzulande eigentlich nicht mehr. Die Deutsche Bank, die zweifellos das Zeug dazu hätte, ist nach dem jüngsten dramatischen Absturz der Aktie nicht mal mehr unter den fünfzig wertvollsten Banken der Welt zu finden. Die Commerzbank rangiert weit dahinter. Die Landesbanken sind vor allem mit sich selbst oder gar mit ihrer Abwicklung beschäftigt. Daneben gibt es viele, regional tätige (und in der Mehrzahl finanziell stabile) Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

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Reicht das? Wohl kaum. Eine Volkswirtschaft, die so stark vom Export lebt wie die deutsche, die weltweit präsent ist, braucht auch starke und international vernetzte Kreditinstitute. Die deutschen Unternehmen, ob klein oder groß, sind darauf angewiesen, dass sie einen Finanzpartner an ihrer Seite haben, der ihnen bei der Finanzierung, bei der Expansion in neue Märkte, bei der Übernahme von Unternehmen, bei möglicherweise geplanten Börsengängen helfen kann. Viele Unternehmenschefs sehen die Marginalisierung der deutschen Geldbranche deshalb durchaus mit großer Sorge. Sie wollen, wenn es um Geld geht, nicht alleine auf die angelsächsischen Großbanken angewiesen sein, auf HSBC, die Bank of America, Goldman Sachs oder Morgan Stanley. Sie wollen eine Auswahl haben, bei der auch heimische Institute mit Verständnis für die deutschen Eigenarten eine Rolle spielen. Nötig ist ein starker und vor allem solider Finanzdienstleister mit internationaler Präsenz und Kontakten, der mit den Unternehmen auf Augenhöhe ist und dem man vertrauen kann.

Das kann zum Beispiel eine Deutsche Bank sein. Leider ist es nicht die Deutsche Bank von heute. Die ist nämlich ein Geldhaus, das vor allem mit sich selbst beschäftigt ist, das tief in komplizierte und teure Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist, das vom Ruhm und der Hybris längst vergangener Tage lebt und verzweifelt seinen Kurs und den Wiedergewinn der Glaubwürdigkeit sucht. In der vergangenen Woche wurde ein Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro verkündet. Das Image hat enorm gelitten. "Vertrauen ist der Anfang von allem", lautete einst der Werbespruch der Frankfurter. Doch das ist lange aufgebraucht.

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Es stellt sich sogar die Frage, ob die Deutsche Bank es so überhaupt zurück zur Weltgeltung schaffen kann.

Der neue Bankchef, der Brite John Cryan, ist seit Juli im Amt und präsentiert sich als Aufräumer. Er streicht die Boni und bittet gleichzeitig um Geduld. Derweil gehen viele Mitarbeiter, die Altlasten der Vergangenheit drücken, das Eigenkapital wird knapper. Eine schlüssige Strategie, womit die Bank in Zukunft Geld verdienen will, ist Cryan bislang schuldig geblieben. Dabei könnte die Konzentration auf Europa und insbesondere Deutschland eine gute Lösung sein. Finanzierung und Begleitung von erfolgreichen Firmen ist ein durchaus lukratives Geschäftsmodell, das auch genügend Erträge abwirft.

Doch davon hat sich die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren immer weiter entfernt, das Investmentbanking in London und New York mit Anshu Jain an der Spitze, komplizierte Finanzgeschäfte, Hypothekenfinanzierungen in den USA, die Vergütung der Topmanager - all das war lange wichtiger. Die Folge: Eine verhängnisvolle Zockermentalität hielt Einzug.

Dabei ist die Deutsche Bank, 1870 in Berlin gegründet, mit den Firmenkunden groß und erfolgreich geworden. Die Bank war von Anfang an einer der Finanziers der deutschen Industrie und begleitete sie ins Ausland, einer der ersten Direktoren war Georg von Siemens aus der gleichnamigen Industriellenfamilie. Manchmal ist es nicht schlecht, wenn man sich auf seine Wurzeln besinnt.

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