Finanzamt Jeder Betriebsprüfer bringt 1,4 Millionen Euro

Lukratives Geschäft für den Staat: Durch Betriebsprüfungen nahmen die Finanzämter im vergangenen Jahr fast 19 Milliarden Euro zusätzlich ein. Doch der Gewinn könnte noch viel höher sein.

Von Silke Bigalke

Unternehmer vermeiden Steuern, wo immer es möglich ist. Die Pflicht der Finanzämter ist, dafür zu sorgen, dass die Steuerlast gleichmäßig verteilt wird und sich niemand drückt. Doch um Schlupflöcher zu finden und Steuererklärungen zu prüfen, fehlt den Behörden oft das Personal, klagt die Deutsche Steuergewerkschaft (DSTG). Zwar propagiert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den internationalen Kampf gegen die Steuervermeider. Zu Hause sorgt er bisher jedoch nicht für Waffengleichheit zwischen Unternehmen und Prüfern.

Dass sich die lohnen könnte, zeigt eine Statistik seines Ministeriums: Demnach haben die Finanzämter im Jahr 2012 insgesamt 19 Milliarden Euro mehr durch Betriebsprüfungen eingenommen. Personaleinsatz: etwa 13.300 Prüfer. Jeder von ihnen hat dem Fiskus also 1,43 Millionen Euro zusätzlich eingebracht, bei Personalkosten von etwa 75.000 Euro pro Kopf im Jahr laut DSTG.

Die Statistik zeigt auch, dass der Gewinn noch höher sein könnte. Denn von den 8,5 Millionen Betrieben, die in den Karteien der Finanzämter stehen, wurden 2012 nur knapp 200.000 überprüft, also 2,3 Prozent. Große Betriebe bekommen dabei häufiger Besuch vom Finanzamt als kleine, nämlich alle fünf Jahre im Vergleich zu einer Prüfung einmal in hundert Jahren bei Kleinstbetrieben.

Die Betriebsprüfung ist Sache der Länder. Deren Finanzverwaltungen bräuchten zehn bis 20 Prozent mehr Mitarbeiter, sagt DSTG-Vorsitzender Thomas Eigenthaler. Selbst dann würden die Betriebe zwar nur alle paar Jahre geprüft, dafür aber gründlich. "Das Minus an Personal äußert sich darin, dass wir angehalten sind, Betriebsprüfungen schnell abzuhandeln, und nicht in die Tiefe gehen können", sagt Eigenthaler.

"Gerade wenn wir internationales Steuerrecht anwenden müssen, spüren wir, dass wir zu wenig Personal haben."Dabei sind es oft international agierende Unternehmen, die Steuern vermeiden, indem sie Gewinne ins Ausland verlagern.

Besonders groß ist die Personallücke in Bayern, geht aus einem Bericht des Obersten Bayerischen Rechnungshofs hervor. Dem Freistaat geht demnach jährlich ein dreistelliger Millionenbetrag durch die Lappen, die derzeit 1800 Betriebsprüfer sind 450 zu wenig. Warum investiert das Land nicht in mehr Personal, wenn es dadurch Millionen einnehmen kann?

"Von jedem Euro, den die bayerischen Finanzämter mehr einnehmen, fließen je nach Steuerart 60 bis 80 Cent in den Länderfinanzausgleich", begründet es Gerhard Wipijewski, stellvertretender Vorsitzender der Bayerische Finanzgewerkschaft. Die Personalkosten dagegen trägt Bayern allein. Und am Ende kommt eine laschere Betriebsprüfung den bayerischen Unternehmen und damit dem Wirtschaftsstandort zugute.

Einiges ist schon in Bewegung gekommen. In Bayern ist beispielsweise geplant, die Mitarbeiter der "Sonderkommission Schwerer Steuerbetrug" von 52 auf 104 zu verdoppeln. In NRW sind 2010 zuletzt 200 neue Stellen geschaffen worden.

Hessen will in den nächsten drei Jahren zusätzliche 105 Steuerfahnder und Betriebsprüfer einstellen. Tröpfchen auf den heißen Stein, sagt Eigenthaler. Steuerpersonal auszubilden dauere Jahre. "Die Unternehmen expandieren viel schneller, als die Prüfer hier heranwachsen."