Finanz-Manipulationen Willkommen im "Banditenclub"

Die Zentrale der Bank of England in London

Sie ist eine der angesehensten Notenbanken der Welt, doch nun könnte die Bank of England in den vielleicht größten Skandal der Finanzwelt verwickelt sein: Manipulationen am Devisenmarkt, durch die sich Banker Geld in die eigenen Taschen schaufelten. Ein Mitarbeiter wurde jetzt suspendiert - das Institut muss sich erklären.

Von Andrea Rexer

Dass Investmentbanker Wechselkurse manipuliert haben sollen, um sich Geld in die eigenen Taschen zu schaufeln, ist schon schlimm genug. Doch nun könnte die Affäre um die Manipulationen am Devisenmarkt eine neue Dimension bekommen: Die britische Notenbank hat einen Mitarbeiter nach einer internen Untersuchung freigestellt. Es werde geprüft, ob sich der Angestellte an die "strengen internen Kontrollregeln" gehalten habe, teilte die Bank of England (BoE) in London mit.

Im Raum steht, dass die Notenbank schon seit Jahren von den Manipulationen gewusst hat und dass Mitarbeiter in die Affäre verwickelt sein könnten. Erhärtet sich dieser Verdacht, würde es das Vertrauen in zuvor nicht gekanntem Ausmaß erschüttern: Denn Zentralbanken sind das Herz des Geldkreislaufs, sie wachen über die Währung und das reibungslose Funktionieren des Finanzsystems. In vielen Ländern obliegt ihnen sogar die Bankenaufsicht. Auch in Großbritannien ist die Notenbank als Regulator für Finanzstabilität zuständig, die laufende Bankenaufsicht hat die Finanzbehörde FCA - und diese ermittelt zu den Manipulationen am Devisenmarkt.

Weltweit 20 Händler suspendiert

Bisher standen die Händler von Großbanken im Fokus der Ermittlungen von Behörden. Weltweit wurden bereits mehr als 20 Händler suspendiert; erst an diesem Donnerstag schickte die Bank of America ihren Chef des Devisen-Spothandels für Europa, den Nahen Osten und Afrika in Zwangsurlaub, wie ein Insider sagte. Einem Zeitungsbericht zufolge suspendierte auch die französische Großbank BNP Paribas einen hochrangigen Devisenhändler. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie sich unter anderem in Chatrooms mit so schillernden Namen wie "Das Kartell" oder "Der Banditenclub" abgesprochen haben sollen, um Wechselkurse in eine von ihnen liebsame Richtung zu treiben.

Die Banken haben zu viel Macht

Libor, Devisen - und jetzt auch noch Gold: Die Finanzaufseher ermitteln gegen Banken wegen des Verdachts auf Manipulation. Die Verfahren in der Finanzwelt sind zu wenig transparent, sie laden zu Absprachen ein. Wer das Vertrauen in Banken und Kurse wiederherstellen will, muss Licht in diese Schattenwelt bringen. Ein Kommentar von Björn Finke, London mehr ...

Dass nun auch die Notenbank in den Ermittlungen eine Rolle spielt, hat mit einem Gremium zu tun, das die Bank of England etabliert hat: dem "London Foreign Exchange Joint Standing Committee", genauer gesagt einer ihrer Subgruppen, der "Chief Dealers' Subgroup", einem Ausschuss für die Chefhändler also. Ursprünglich war das Gremium ins Leben gerufen worden, damit sich die Notenbank besser über Vorgänge am Markt informieren kann, es sollte dem Meinungsaustausch dienen.

Diesen Zweck hat das Gremium möglicherweise besser erfüllt, als es den Erfindern lieb sein kann: In Finanzkreisen wird darüber spekuliert, ob die betreffenden Händler die Bank of England als Plattform für ihre Absprachen benutzt haben könnten. Denn auffälligerweise wurden gleich mehrere Händler von Geschäftsbanken suspendiert, die Teilnehmer dieser Subgruppe waren - etwa von Citi, UBS oder JP Morgan. Überraschenderweise saß in dem Gremium jedoch kein Händler der Deutschen Bank - obwohl das Institut der größte Spieler weltweit am Devisenmarkt ist. Täglich werden an den Finanzmärkten 5,3 Billionen US-Dollar umgewälzt, die Deutsche Bank hat Schätzungen zufolge einen Marktanteil von 12 bis 15 Prozent. Deswegen ist das Institut auch unter jenen, die von Behörden rund um den Globus unter die Lupe genommen werden. Die Bank will zu den Details der Ermittlungen keine Auskunft geben, versichert aber, dass man mit den Behörden zusammenarbeite.