Fernbusse Für drei Euro durchs Land - der neue Fernbus-Wahnsinn

Anbieter gibt es viele: Fahrgäste haben am Zentralen Omnibusbahnhof München die große Auswahl.

(Foto: Florian Peljak)
  • Auf dem deutschen Fernbus-Markt tummeln sich viele Anbieter, die mit günstigen Tickets Kunden auf die Straße locken wollen.
  • Das schottische Unternehmen wirbt nun sogar mit Fahrten ab einem Euro. Nachhaltig sind solche Angebote nicht.
Analyse von Michael Kuntz

Es ist alles ganz locker an diesem Abend in dem Münchner Club unter dem Motto "Flix auf die Piste". Während die Gäste die Tanzfläche belagern, stellt die Nummer eins unter den Fernbusfirmen ihr neuestes Angebot vor: Im Skibus von München aus in die Berge. So etwas ist zwar nicht gerade ganz neu, aber wenn die deutschlandweiten Linien von Meinfernbus/Flixbus norddeutsche Skifahrer über Nacht nach Bayern karren und hier in die Bergbusse umladen - dann klingt dies frisch und irgendwie fast "supergeil". Wenn die Umsteigeverbindung im Morgengrauen noch "Hub and Spoke" genannt wird, erkennt der Transportexperte sofort das Prinzip, dass hier eine Verbindung nicht einfach von A nach B, sondern noch über einen zentralen Knoten Z geführt wird, den "Hub" eben. So was machen Airlines interkontinental und nun auch Fernbus-Anbieter, alpin.

Der Manager neben rotem Glitzerhirsch und buntem Weihnachtsbaum kann im Advent noch nicht ahnen, dass bis zum Jahreswechsel vor allem die Schneelosigkeit das große Thema unter Skifahrern sein wird. Stets gut drauf und immer innovativ, so sind sie eben bei den Start-ups, die den Deutschen Fernreisen im einst antiquiert wirkenden Omnibus erfolgreich schmackhaft machen: "Wir testen das jetzt mal und wenn das gut angenommen wird, dann bauen wir das aus."

Die betont lockere Atmosphäre in der Disco kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, wie wenig locker es in der Fernbus-Branche zugeht.

Die Konkurrenz ist hart - und sie wird noch härter. Fernbusse rollen seit der Liberalisierung des Marktes Anfang 2013 durch Deutschland. Sie schreiben eine beispiellose Erfolgsgeschichte. 20 Millionen Fahrgäste nutzten 2015 den Bus als günstige Alternative zur Bahn für Reisen über mehr als 50 Kilometer. Das ist gut für die Kunden, aber nicht unbedingt für die Unternehmen und die Investoren hinter ihnen, die sich auf einen teuren Kampf um Marktanteile eingelassen haben.

Eins, zwei, zu spät

Vier von fünf Fernzügen sollten eigentlich pünktlich kommen, mindestens. Doch die Bahn schaffte im Sommer gerade zwei von drei. mehr ...

Derzeit deutet nichts darauf hin, dass dieser Kampf um den Fernbus-Markt bald zu Ende sein könnte. Noch tauchen neue Anbieter auf und setzen mit spektakulären Kampfpreisen scheinbar schon etablierte Unternehmen unter Druck. Sie können nicht die Preise nehmen, die sie eigentlich brauchen, stellen Brancheninsider fest. Vor allem die Manager des schottischen Megabus locken mit fast kostenlosen Fahrten und machen es damit der gerade reüssierenden Busbranche unmöglich, aus der Billigecke heraus zu kommen.

Von den Busunternehmen haben einige bereits aufgegeben, andere werden verschwinden

So eine Busfahrt von München nach Berlin kostet normal um die 20 Euro. Es gibt sie aber auch schon für drei Euro. Oder für nur einen. Die nach unten offene Preisskala zeigt: Geld verdienen lässt sich mit solchen Schnäppchenpreisen allein nicht. Die führende touristische Fachzeitschrift fvw beobachtete daher schon vor geraumer Zeit ein "Harakiri auf der Straße".

Einige Anbieter haben aufgegeben. So stellte im Herbst 2014 der Frankfurter Fernbus-Betreiber City2City seinen Betrieb ein. Hinter dem stand mit dem britischen National Express immerhin einer der Großen der Branche. "Uns hat das Marktpotenzial in Deutschland gereizt", erklärte damals ein Manager den verlustreichen Ausflug, der in anderthalb Jahren fünf Millionen Euro gekostet haben dürfte.