Von Elisabeth Dostert

Warum das Familienunternehmen Maschinenfabrik Reinhausen Regensburg die Treue hält, obwohl das große Geschäft längst in Asien läuft.

Es gibt etwas, das Nicolas Maier-Scheubeck immer und immer wieder erklären muss. Der 46-Jährige ist geschäftsführender Gesellschafter der Maschinenfabrik Reinhausen (MR). Das Unternehmen aus Regensburg sieht sich als Weltmarktführer für Stufenschalter. Die Geräte sorgen dafür, dass in den Stromübertragungsnetzen der Energieversorger immer eine konstante Spannung herrscht.

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Nicolas Maier-Scheubeck mag Comicfiguren, deshalb schmücken solche Bilder sein Büro. (© Foto: MR)

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Was Maier-Scheubeck ständig erklären muss: 90 Prozent der Wertschöpfung finden in Deutschland statt, aber mehr als 90 Prozent der Erlöse von etwa 440 Millionen Euro im vergangenen Jahr erwirtschaftet der Konzern im Ausland.

Das ist selbst für ein exportierendes Maschinenbauunternehmen ein extremes Verhältnis. "Das ist die uns prägende Grundspannung", sagt Geschäftsführer Maier-Scheubeck. Dieser Kontrast zwischen seinen Produktionsstandorten und den Absatzmärkten werde MR häufig als merkwürdig angelastet.

Der Manager kann die Verwunderung durchaus nachvollziehen. Auch Maier-Scheubeck stellt sich, wie viele deutsche Maschinenbauunternehmer, bei jeder Investition die Frage: "Ist Deutschland noch der richtige Standort? Müsste man die Fabrik nicht in Asien bauen, das mit einem Umsatzanteil von fast 50 Prozent der größte und wachstumsstärkste Markt von MR ist?

Fest verwurzelt

Bislang gewann immer Deutschland den Standortwettbewerb. Zwar unterhält der Konzern weltweit Montagewerke, Service- und Vertriebsgesellschaften. Geforscht, entwickelt und produziert wird aber ausschließlich in Regensburg (mit den Werken Reinhausen und Haslbach der weitaus größte Standort), sowie bei den Tochterfirmen Messko in Oberursel und Highvolt in Dresden.

"Wir profitieren sehr stark vom Label ,Made in Germany', deshalb produzieren wir in Deutschland", sagt der Manager. Außerdem seien die räumliche Nähe der einzelnen Wertschöpfungsstufen und das über viele Jahrzehnte aufgebaute Fachpersonal entscheidende Erfolgsfaktoren. "Manche Familien arbeiten schon in der vierten Generation für uns", sagt Maier-Scheubeck. Von den weltweit 2200 Beschäftigten arbeiten 1700 in Regensburg. Bis Ende 2008 soll die Belegschaft dort auf 1800 steigen.

"Der Facharbeitermangel trifft uns stärker als der konjunkturelle Abschwung. Die meisten Mitarbeiter kommen aus der Oberpfalz. "Die Leute hier passen zu unserem Produkt", sagt Maier-Scheubeck: "Die Oberpfälzer sind sehr solide, sehr zuverlässig, nicht flippig, sehr loyal, sehr ernsthaft." Es brauche zwar manchmal seine Zeit, eine gewisse Grundträgheit und Skepsis zu überwinden. "Aber wenn sich der Oberpfälzer einmal für etwas begeistert, ist die Selbstmotivation hoch." Maier-Scheubeck darf das sagen, er ist einer von ihnen.

Wenn der Mann erst einmal angefangen hat, findet er schier kein Ende, die Vorzüge des Standortes aufzuzählen. "Hier in Regensburg sind wir wer", sagt der Firmenchef: "Als Familienunternehmen pflegen wir eine persönliche Beziehung zu den handelnden Personen: Mitarbeitern, Behörden, Politikern.

Kurze Distanzen

Es ist nicht so, dass der Oberbürgermeister oder die Stadtverwaltung springen, wenn wir anrufen. Aber man kennt sich. Das haben wir in Shanghai nicht." In Reinhausen wurde 1868 die Firma gegründet. "So eine Tradition wirft man nicht einfach über Bord."

So wurde auch das neue Versuchsfeld am Stammsitz gebaut. In dem Labor, das Ende Juli offiziell in Betrieb ging, können künftig Stufenschalter extremen Betriebszuständen ausgesetzt werden, etwa schwankenden Hochspannungen.

Gerade bei einem sensiblen und für die Zukunft wichtigen Thema wie Innovation habe die Gruppe kein Risiko eingehen wollen, sagt Maier-Scheubeck. Mit 25 Millionen Euro sei es die größte Einzelinvestition, die der Konzern bislang getätigt habe. "Die setzt man nicht einfach auf die grüne Wiese, weil die Löhne dort zehn Prozent niedriger sind und jemand Subventionen verspricht."

Dafür musste das Parkdeck abgerissen werden, denn das Werk Reinhausen hat längst seine Grenzen erreicht. Es liegt mitten im Ort. Bis zur neubarocken Pfarrkirche und zum Werner-von-Siemens-Gymnasium sind es fünf Gehminuten.

"Es ist uns wichtiger, dass sich hier die Ingenieure tummeln als die Autos", sagt der Unternehmer. "Wir haben uns die Frage gestellt: Zerstören wir nicht das Beziehungsgeflecht und die Abläufe in Reinhausen, wenn wir das Feld woanders errichten? Hier sitzen Geschäftsleitung, Vertrieb, Marketing, Produktion und Montage."

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