Facebook Geschäft mit der Aufmerksamkeit

Was machst du gerade? Menschen auf Facebook.

(Foto: Rainier Ehrhardt/AFP)

Mehr als eine Milliarde Menschen haben ein Profil bei Facebook. Durch sie ist das Unternehmen an der Börse fast doppelt so viel wert wie die größten deutschen Firmen. Zu Recht? Wer verstehen will, was Facebook so wertvoll macht, der muss sich auf einen Bahnhof stellen.

Von Varinia Bernau

Medikamente sind von unschätzbarem Wert, weil sie uns vor Krankheiten schützen. Autos auch, weil sie uns von einem Ort an den anderen bringen. Und dann gibt es noch Windturbinen - wichtig für den Umweltschutz. Aber einem Studienfreund am anderen Ende der Welt mitzuteilen, dass man in einen Badesee gesprungen ist?

Nicht ganz so wichtig. Wie kann es also sein, dass ein digitales Netzwerk an der Börse so viel mehr wert ist als die größten deutschen Industriekonzerne? Auf einen Börsenwert von 138 Milliarden Euro hat es Facebook nun gebracht. Doppelt so viel wie zum Zeitpunkt des Börsengangs vor zwei Jahren. Und auch fast doppelt so viel wie der Autohersteller Volkswagen, das Pharmaunternehmen Bayer oder der Industriekonzern Siemens.

Facebook-Aktie klettert nach Rekordumsatz auf Rekord-Hoch

Smartphone-Werbung war einmal Facebooks Problem, jetzt macht es das Unternehmen reich. Im letzten Quartal steigerte das Netzwerk seinen Umsatz um 61 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar. Besonders wertvoll sind Smartphone-Nutzer - und die werden immer mehr. mehr ...

Wer verstehen will, was Facebook so wertvoll macht, der muss sich auf einen Bahnhof stellen - und die Leute beobachten, was sie machen, wenn sie auf den Zug warten. Sie blicken nicht auf die Plakatwand gegenüber dem Gleise, sie blättern nur selten durch Zeitschriften. Sie starren auf ihr Smartphone. Sie loggen sich bei Facebook ein, schauen, was ihre Freunde gerade so machen, "sharen" und "liken" ein paar von den Dingen, die gerade so durchs Netz schwirren.

Werbung braucht Aufmerksamkeit

Facebook hat es geschafft, die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen. Das ist in dieser Zeit, in der es doch so viel Ablenkung gibt, von unschätzbarem Wert. Zumal für Facebook: Denn das US-Unternehmen macht sein Geld mit Werbung. Und Werbung braucht Aufmerksamkeit.

Sport Chek zum Beispiel, der größte Händler von Sportausrüstung in Kanada, hat mehr als 90 Jahre auf Werbeblätter gesetzt, um die Aufmerksamkeit seiner Kundschaft zu gewinnen. Kürzlich haben sie sich von den Blättchen verabschiedet. Zwei Wochen lang haben sie ihr Werbebudget allein in Anzeigen im Netz gesteckt. Zu Testzwecken. Die Verkäufe zogen deutlich an. Vor allem jene Dinge, die bei Facebook beworben wurden, waren gefragt. Und deshalb werden sie bei Sport Chek ihre Marketingausgaben nun nach und nach verschieben. Weg von den Blättchen, hin zu Facebook.

Die Strategen des Sporthändlers sind nicht die einzigen, die die Art und Weise, wie sie ihre Kundschaft locken, gerade grundlegend überdenken. Die Marktforscher von eMarketer schätzen, dass in diesem Jahr die Unternehmen in den USA erstmals mehr Geld für Anzeigen auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets ausgeben als für Annoncen in Zeitungen oder Werbespots im Radio.