Europarat zu Transparenzbemühungen Schlechte Noten für Vatikanbank

Die Vatikanbank IOR macht erste Fortschritte bei der Bekämpfung von Geldwäsche. Doch noch immer hagelt es Kritik an dem Institut.

Der Vatikan kann trotz einer Reformoffensive den Makel undurchsichtiger Finanzgeschäfte nicht abstreifen. Fachleute des Europarats kamen in ihrem Bericht zu dem Ergebnis, dass der Heilige Stuhl den internationalen Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Steuerflucht noch längst nicht gerecht wird. Dazu seien weitere bedeutende Schritte erforderlich, befand der Expertenausschuss Moneyval.

Der Ausschuss hat in zentralen Punkten schlechte Noten an die skandalumwitterte Vatikanbank IOR vergeben. Von den insgesamt 16 Schlüsselkriterien für transparente Finanzgeschäfte würden sieben noch nicht erfüllt. Scharfe Kritik äußert das Europarat-Gremium an der Führung des IOR. Es fordert "dringend" eine unabhängige und fachkundige Aufsicht für das Institut und geeignete Vorgaben für dessen Spitzenmanagement.

Zugleich würdigten die Experten allerdings die bisherigen Fortschritte des Vatikans auf diesem Gebiet. Der Kirchenstaat habe "einen langen Weg zurückgelegt in einer kurzen Zeit".

Nach mehreren Skandalen ringt der Vatikan darum, seinen Ruf als dubioses Finanzzentrum loszuwerden. Dazu verabschiedete er im vergangenen Jahr eine Reihe von Gesetzen. Unter anderem wurde eine interne Aufsicht eingeführt, die überprüfen soll, inwieweit das IOR internationalen Finanzvorgaben genügt. Ziel ist es, auf eine sogenannte Weiße Liste von Staaten zu kommen, die sich auf bestimmte Selbstverpflichtungen im Kampf gegen Steuerbetrug und Geldwäsche festgelegt haben.

Geldhaus mit dubioser Vergangenheit

IOR-Chef Ettore Gotti Tedeschi musste im Mai seinen Hut nehmen. Italienische Ermittler untersuchen derzeit verdächtige Millionen-Transfers und froren dazu im September 2010 wegen des Verdachts der Geldwäsche zwischenzeitlich Gelder des IOR ein, die sich auf Konten italienischer Banken befanden.

Vor dreißig Jahren war die Vatikanbank in den Skandal um den Zusammenbruch von Italiens größtem privatem Geldhaus Banco Ambrosiano verwickelt, an dem sie einen geringen Anteil hielt. IOR wies Beschuldigen zurück, für die Pleite verantwortlich zu sein. Spektakulär wurde der Fall durch den Tod von Ambrosiano-Leiter Roberto Calvi, der erhängt unter einer Brücke in London aufgefunden wurde. Mehrere Untersuchungen konnten nicht eindeutig feststellen, ob der als "Bankier Gottes" bezeichnete Topmanager sich selbst das Leben nahm oder ermordet wurde.

Aktuell wird der Vatikan von einem Enthüllungsskandal erschüttert. Der Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. wird beschuldigt, brisante Dokumente, in denen es unter anderem um Vorwürfe der Korruption und des Missmanagements ging, an Medien weitergegeben zu haben.