Die meisten Industrieländer leben auf Pump - und damit vom Vertrauen der Anleger: Auslaufende Kredite müssen ständig durch neue ersetzt werden. Darum kämpfen die Euro-Länder so erbittert um ihren Ruf.
Investoren, vor allem solche, die Staatsanleihen kaufen, hassen Ungewissheit, und sie bestrafen einen Schuldner, indem sie keine Schuldtitel mehr von ihm abnehmen oder ihn deutlich höhere Zinsen zahlen lassen als davor.
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Welche Anleihen ausgewählter Euroländer bis Jahresende fällig werden. (© )
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Spanien hat dieses Verhalten am Dienstag deutlich zu spüren bekommen, als sich das Land inmitten der Griechenland-Rettungsdiskussion Kapital beschaffen wollte. Für Geldmarktpapiere über 4,5 Milliarden Euro musste Madrid knapp 3,8 Prozent Zinsen bezahlen, einen satten Prozentpunkt mehr als noch vor wenigen Wochen. Am Donnerstag, dem Tag des Gipfels, sollen noch einmal fast drei Milliarden Euro am Kapitalmarkt eingesammelt werden.
Wie fast alle Länder der Euro-Zone, auch Deutschland, lebt die spanische Regierung von der Hand in den Mund. Das heißt: Auslaufende Staatsanleihen werden zum Großteil dadurch getilgt, dass neue aufgenommen werden. Das ist seit Jahren so, nicht erst seit Beginn der Schuldenkrise.
Deutschland im Mittelfeld
Nur brauchen die Staaten immer häufiger und immer mehr Geld, weil die Staatsschulden durch Bankenrettungen und Konjunkturpakete deutlich größer geworden sind. Im dritten Quartal dieses Jahres ist der Kreditbedarf größerer Schuldner wie Italien und Spanien, aber auch Frankreichs, besonders hoch, weil dann viele Anleihen auslaufen. Deutschland als derzeit stärkste Volkswirtschaft in der Euro-Zone liegt mit rund 59 Milliarden Euro inklusive Zinsen eher im Mittelfeld.
Solange das Vertrauen der Investoren an die Rückzahlungsfähigkeit vorhanden war und auch alle Staaten ihren Verpflichtungen aus eigener Kraft nachkommen konnten, funktionierte dieses Refinanzierungsmodell bei fast allen Industrieländern gut. Doch mit der Beinahe-Pleite Griechenlands machten sich Zweifel breit bei den Investoren. Sie sahen und sehen seither genauer hin und überlassen inzwischen auch bei klammen Ländern wie Portugal und Irland die Bereitstellung langfristiger Kredite dem europäischen Rettungsfonds EFSF. Beide Länder schlüpften unter den Schutzschirm, weil sie an den Kapitalmärkten nach dem Misstrauensvotum gegen Athen das Doppelte an Zinsen hätten bezahlen müssen als zuvor.
Jetzt kämpfen große Länder wie Spanien und Italien dafür, möglichst nicht mehr als sechs oder 6,5 Prozent für ihre Anleihen bieten zu müssen. Danach beginnt die kritische Zone, meinen Experten wie Philipp Vorndran vom Kölner Vermögensverwalter Flossbach & von Storch, "weil der zusätzliche Zinsaufwand dann die Konsolidierungsbemühungen der Regierungen zunichte macht". Zuletzt hatte Italiens Regierung ein 40 Milliarden Euro schweres Sparpaket verabschiedet, um ihre Glaubwürdigkeit an den Kapitalmärkten zu erhalten. In Griechenland, Irland und Portugal haben sich die Politiker ebenfalls dazu verpflichtet, deutlich weniger auszugeben, um möglichst bald wieder autark und ohne Hilfe von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds oder der Europäischen Zentralbank am Kapitalmarkt agieren zu können.
Die Euro-Länder kämpfen um ihren Ruf, jeder einzeln, während in Brüssel über langfristige Lösungen nachgedacht wird. Einstweilen leihen sich die am meisten bedrängten Staaten über den Rettungsfonds die Bonität der reicheren, zu denen Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Finnland und Österreich zählen, die mit ihrer erstklassigen Bonität Garantien für den Rettungsfonds EFSF ausgesprochen haben. Ob dieser Zustand in Europa zur Dauerlösung wird oder nicht, entscheidet sich in den nächsten Wochen, wohl nicht schon beim Gipfel am Donnerstag.
Die Börsen erwarten allerdings schnell ein Signal, wohin die Reise geht. "Es darf keine Lösung geben, die Zahlungsausfälle in Kauf nimmt, ohne dass klar ist, wie mit den Folgen umgegangen wird", erklärt Jens-Oliver Niklasch, Anleihenexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg. Sonst ist die Unsicherheit wieder da - und damit steige die Gefahr, dass sich der Vertrauensverlust der Investoren auf weitere Länder überträgt. Und nichts ist so wertvoll wie Vertrauen.
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(SZ vom 21.07.2011/hgn)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
auf weitere Länder überträgt...
die Staaten machen ständig neue Schulden, weil sie zu wenig Steuern einnehmen. Und das fast ausschließlich von einem Klientel ....
das danach wundersam als "Investor" auftaucht und den Staaten wiederum misstraut, weil sie zu viele Schulden machen.
Dieses Misstrauen äußert sich in höheren Zinsen, die in die Taschen der Investoren fließen. Dadurch werden die Staaten noch ärmer und die Investoren noch misstrauischer, sodass sich Staatsbankrotte ankündigen.
Ein Käfig voller Narren.
"Es darf keine Lösung geben, die Zahlungsausfälle in Kauf nimmt, ohne dass klar ist, wie mit den Folgen umgegangen wird"
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Es muss von vornherein klar sein: der "Anleger " guckt in die Röhre!
Nicht nur Griechenland und Italen usw. sondern ebenso Deutschland und die USA.
Langsam glaube ich, dass wir a l l e einen Schuldenschnitt brauchen, am besten einen von 100%.
Nur dann kann sich die Weltwirtschaft erholen und Wohlstand für alle entstehen.
solange Deutschland seine Blockadepolitik aufrecht erhält, zieht dieses Land alle mit in den Abgrund. Und das alleine aus der Hybris heraus zu glauben man selbst stündige in irgend einer Art besser da...
Die große Lösung: "No bail out"!
Paging