Europa hat eine gemeinsame Währung - aber keine gemeinsame Wirtschaftspolitik. Darum konnte Griechenland unter den Augen seiner Partner völlig ungeniert vor sich hinwirtschaften.
Jetzt rächt es sich, dass die Europäische Union in der Wirtschaftspolitik so tut, als sei sie lediglich ein Büro zur Abfassung schlauer Studien. Der bitterböse Vergleich stammt vom Fraktionschef der Liberalen im Europaparlament, Guy Verhofstadt, der allen Anlass zur Empörung hat.
Die Bundesregierung trat bislang als hartnäckige Gegnerin einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik in der EU auf. Inzwischen ruft auch Berlin nach mehr Koordinierung. (© Foto: dpa)
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Zwar haben die Europäer einen gemeinsamen Binnenmarkt aufgebaut und stolz eine eigene Währung eingeführt. Doch sie verweigern den nächsten logischen Schritt: eine gemeinsame Wirtschaftspolitik. Die europäischen Institutionen durften den Mitgliedsstaaten bisher lediglich ein bisschen auf die Finger schauen, sie durften ein paar Projekte koordinieren oder auch Empfehlungen geben. Ein paar Studien, ein paar Zahlen. Das war es auch schon.
Im Ergebnis ist nun ein Desaster zu beklagen. Das kleine Griechenland, das nicht mal drei Prozent der Wirtschaftsleistung in der Eurozone erbringt, hat unter den Augen seiner Partner ganz ungeniert zehn Jahre lang so schlecht gewirtschaftet, dass es nun nicht nur der größte Schuldner der Eurozone ist, sondern sogar die Stabilität der gemeinsamen Währung gefährdet. Und dabei ist Griechenland nur ein kleiner Teil des Problems. Denn auch Spanien, Portugal und Italien sind dramatisch überschuldet.
Selbst die Schuldenberge sind wieder nur Teil eines noch größeren Problems. Vor zehn Jahren schon hat die Union eine schmucke Wachstumspolitik beschlossen. Der Plan erlitt das typische Schicksal europäischer Ankündigungspolitik: Er scheiterte grandios. Die sogenannte Lissabon-Strategie sollte Europas Unternehmen wettbewerbsfähig machen und den Bürgern Jobs und Wohlstand bringen. Aber die EU ist nicht zum "wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt" gewachsen, wie es der Zehnjahresplan vorsah.
Die EU hat auch nicht den Rückstand in Forschungs- und Entwicklungsausgaben aufgeholt. Im Gegenteil, sie gibt lediglich unbedeutende 1,77 Prozent ihrer Wirtschaftskraft dafür aus, während Japan fast den doppelten Satz und die USA immerhin noch 2,66 Prozent investieren. Die Wirtschaftskraft der Eurozone dürfte in diesem Jahr um nicht mal einen Prozentpunkt wachsen, für die USA werden immerhin vier Prozentpunkte prognostiziert, für China gar zehn.
Fast schon passt es ins Bild, dass nicht die Wirtschaftskrise an dem europäischen Dilemma schuld ist. Schon vor der Krise scherte sich Griechenland keinen Deut um die Auflagen aus Brüssel. Schon vor der Krise kultivierte die EU den Misserfolg, indem sie miserable Beschäftigungszahlen oder die niedrigen Forschungsausgaben einfach ignorierte. Nicht mal einer von drei Europäern im Alter zwischen 25 und 34 hat eine höhere Ausbildung abgeschlossen. Und nicht mal jedes zehnte Unternehmen der EU verdient den Titel "Hightech".
Der Grund für all diese Rück- und Fehlschläge ist immer derselbe. Die Europäischen Institutionen agieren unverbindlich. Im europäischen Führerhaus sitzen statt einer starken europäischen Instanz die Mitgliedsstaaten selbst. Sie sehen Europas Wirtschaft nicht als Gemeinschaftsleistung, die dem Vergleich mit der Wirtschaft Chinas, Indiens oder der USA standhalten muss. Sie sehen Europas Wirtschaft als eine Ansammlung voneinander abgegrenzter nationaler Volkswirtschaften, die zwar einen gemeinsamen Binnenmarkt haben (der längst nicht vollendet ist), die aber selbst entscheiden, was sie nun für richtig oder falsch halten.
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An freier.franke:@,Deinen Beitrag kann ich nur Zustimmen,die Frage ist doch die sind doch nur desshalb in die EU aufgenommen worden,weil sie Natopartner sind. Heute wird es Zeit das sie ihre Hausaufgaben machen,oder freiwillig die EU verlassen,dann koennen sie ihren Schlendrian weitermachen wie bisher.
sich mit Lug u. Trug in die EU geschlichen hatten, wäre es richtig gewesen sie sofort wieder hinaus zu befördern!
Bei dieser Fehlkonstruktion lohnt sich ein Nachbessern nicht. Da hilft nur eines: Verschrotten und neu bauen. Es ist dasselbe wie bei unseren Pleitebanken. Es gibt keine wirksame Kontrolle und keine wirksamen Handlungen. Wie soll eine einheitliche Währung ohne gemeinsame Finanzpolitik funktionieren? Kein Mensch weiß das. Hat ein Schuldner Zahlungsschwierigkeiten oder ist er gar zahlungsunfähig, dann droht man ihm mit Geldbußen. Soll er endgültig vernichtet werden? Von Anfang an war bekannt oder hätte bekannt sein müssen, dass Griechenland die Aufnahme in die Währungsunion nur durch gefälschte Bilanzen erreicht hat. Dass dies nicht zu Konsequenzen geführt hat, beweist, dass die EU handlungsunfähig ist.
Gemessen an der Höhe der Staatsschulden gäbe es weltweit noch ganz andere Kandidaten, die seit Jahren pleitegehen müssten. Etwa die Japaner, die auf eine Quote von 200 Prozent der Wirtschaftsleistung zusteuern, während die Griechen bei 120 Prozent dümpeln. Nimmt man die Verschlechterung seit Ausbruch der - übrigens auch nicht griechischen - Finanzkrise, schneiden die Hellenen mit einem Schuldenanstieg unter 20 Prozentpunkten besser ab als Amerikaner (30), Briten (36) oder Iren (53), und auch besser als der OECD-Schnitt mit 24 Prozentpunkten.
siehe Frickes kolumne in der Financial Times Deutschland.
Bundespräsident, Kanzler(in), Parlamentarier und Beamte sind verpflichtet dem Volk zu nützen. Dies ist nicht nur Verfassungsauftrag, sondern entspricht auch dem selbstverstandenen Auftrag dieser Leute. In Wirklichkeit jedoch haben wir ein System geschaffen, in welchem genau diese Menschen niemals für ihr Tun zur Verantwortung gezogen werden. Politiker, Parlamentarier und Beamte werden bestenfalls mit hohen Pensionen entsorgt, um schnell mit dem Nächsten ersetzt zu werden. Wenn Politiker, Parlamentarier und Beamte für den Schaden sowohl strafrechtlich als auch mit eigenem Vermögen geradestehen müssten für den "Unsinn" den sie anrichten, dann würde unsere Welt anders aussehen. Solange sich das nicht ändert und wir eine Nation voller Kostgängern sind, die sich selbst Leistungsträger nennen, solange wird sich das nicht ändern. Es kann gar nicht so viele Harz IV Empfänger geben die einen so hohen Schaden verursachen, wie unsere Führungskaste. Karl Otto Pöhl ist einstens als Präsident der Deutschen Zentralbank zurückgetreten, weil er den Unsinn um Euro und DDR/DM nicht mitmachen wollte. Schade, dass es wenig solcher Leute gab und gibt und schade, dass das alles vergessen wurde. Nichts muss so kommen, wie es scheint. Es kommt nur so, weil wir als Bürger uns das alles gefallen lassen.
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