Erstmals seit 1997 Deutschland produziert weniger Fleisch

Das Schlachten von Tieren ist hierzulande eine Milliardenindustrie: Die deutsche Fleischproduktion ist in den vergangenen 15 Jahren stetig gewachsen. Nun ist dieser Trend überraschend gestoppt. Die Produzenten wirken ratlos.

Erstmals seit 15 Jahren wurde in Deutschland weniger Fleisch produziert als im Vorjahr. 2012 waren es acht Millionen Tonnen, ein Rückgang um 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Seit 1997 war die Fleischmenge, die für In- und Ausland produziert wird, immer weiter gestiegen - bis 2011 um mehr als zwei Drittel. Nun scheint das Wachstum der Milliardenindustrie erst einmal gestoppt zu sein.

Rückläufig war den Statistikern zufolge vor allem die Produktion von Schweinefleisch, das mit 67,8 Prozent nach wie vor den höchsten Anteil an der gewerblichen Fleischerzeugung ausmacht. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 58,2 Millionen Schweine geschlachtet, 1,4 Millionen Tiere weniger als noch 2011.

Marktanalyst Tim Koch von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft führt das auf die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Betriebe zurück. Seit Anfang des Jahres gelten neue Gesetze für die Schweinehaltung, die mehr Platz für die Tiere einfordern. "Viele kleine Betriebe können die Kosten für die Umstellung nicht stemmen", sagte Koch zu Süddeutsche.de. Sie hätten teilweise schon im Laufe des vergangenen Jahres zugemacht.

Schlechtes Wetter zum Grillen

Bei der Nachfrage gebe es zwar grundsätzlich keinen dramatischen Wandel, so Koch. Das Wetter habe aber eine Rolle gespielt: "Es war eine bescheidene Grillsaison", sagte Koch. Das Grillfleisch stamme meistens vom Schwein, das könne sich schon deutlich auf die Umsätze auswirken.

Die Fleischindustrie selbst wirkt etwas erstaunt - auf Nachfrage können sich Branchenverbände und Unternehmen den Produktionsrückgang nicht so recht erklären. Allerdings trage die negative Berichterstattung in der jüngsten Zeit nicht dazu bei, dass die Nachfrage steige, heißt es dort. Immer wieder gibt es Berichte über Massentierhaltung oder Lebensmittelskandale wie den aktuellen Fall um falsch deklariertes Pferdefleisch, das in Europa als Rind verkauft wurde.

Weniger Geflügelexporte

Pferdefleisch spielt in der deutschen Produktion kaum eine Rolle: 2012 wurden 11.300 Tiere für Fleischerzeugnisse geschlachtet. Nach Schweinefleisch hatte Geflügel mit 17,7 Prozent den zweithöchsten Anteil. Allerdings wurde das rasante Wachstum der vergangenen Jahre beim Geflügel gestoppt. "Hier wurde 2012 nur geringfügig mehr erzeugt als im Vorjahr", heißt es im Bericht der Statisitker. Nach Ansicht von Analyst Koch sei bei der Geflügelproduktion das Limit langsam erreicht. Außerdem machten ausländische Produzenten den deutschen Exporteuren zunehmend Konkurrenz.

Die Rindfleischproduktion ging wie schon in den Vorjahren weiter zurück, im Vergleich zum Jahr 2011 sank sie um 1,9 Prozent auf 1,1 Millionen Tonnen. Insgesamt wurden 3,6 Millionen Rinder geschlachtet, das waren 57.800 Tiere weniger als im Vorjahr. Der Anteil an der Gesamtproduktion lag bei 14,1 Prozent.

Rückläufig ist den Statistikern zufolge vor allem die Produktion von Schweinefleisch

(Foto: boing / photocase.com)