Erfolg alternativer Banken Grün gewinnt

Großbank oder Alternativ-Bank? In Zeiten zunehmender Skandale bei großen Geldhäusern ist das eine wichtige Frage. Ein Vergleich von mehr als 50 Banken zeigt: Die Nischenanbieter sind nah an der Wirtschaftsrealität und verdienen teils besser als die Großen.

Von Caspar Dohmen

Peter Blom und Thomas Jorberg kennen das Bild nur zu gut, das sich viele Menschen von einer alternativen Bank machen. Eben einer Bank, die etwas für den Umweltschutz tut oder soziale Projekte finanziert - aber im Grunde nur für die Nische geeignet ist. Blom führt die niederländische Triodos Bank, Jorberg die Bochumer GLS Bank. Beide Geldhäuser haben die gleichen Wurzeln: Sie entstanden seit Mitte der Siebzigerjahre aus dem anthroposophischen Milieu. Ihre Gründer erkoren eine soziale und ökologische Werteorientierung zum Kern des Bankgeschäfts. Und dies ist nicht nur Bestandteil eines bunten Nachhaltigkeitsberichtes sondern Grundlage für die Kreditvergabe.

Daraus sind die beiden größten Alternativbanken Europas entstanden. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise hatte Peter Blom die Idee, sich weltweit nach weiteren ähnlich tickenden Banken umzuschauen. Daraus entstand 2009 die Global on Alliance for Values. Und sie hat sich auch zum Ziel gesetzt, das Bild von den alternativen Banken zu korrigieren.

Deswegen messen sich die Bankzwerge mit den großen ihrer Zunft. In ihrem Auftrag verglich die Rockefeller-Stiftung 22 nachhaltige Institute mit 29 Häusern, die allesamt von den Aufsichtsbehörden als systemrelevant eingeschätzt werden. Sollten diese Banken in Schwierigkeiten geraten, ist besondere Vorsicht geboten, weil sie bei einer Pleite aufgrund ihrer Größe und Vernetzung ganze Volkswirtschaften in Mitleidenschaft ziehen können.

Dazu zählt Goldman Sachs genauso wie die Deutsche Bank oder die UBS. Unter die Lupe nahm Autor David Korslund, der selbst 25 Jahre bei Großbanken gearbeitet hat, die Zeit von 2001 bis 2011. Als Indikator für die Bedeutung von Banken für die Realwirtschaft gilt der Anteil der Kredite an ihrer Bilanz. Sowohl vor als auch nach dem Ausbruch der Krise haben systemrelevante Banken laut der Studie einen deutlich geringeren Anteil ihres Geschäfts mit Krediten getätigt. Während die nachhaltigen Geldhäuser im Schnitt 72 Prozent ihrer Bilanzsumme als Kredite ausreichten, waren es bei den systemrelevanten Häusern nur knapp 41 Prozent.

Schwankungen bei Großbanken

Laut Studie gibt es auch keinen Zielkonflikt zwischen nachhaltigem Bankgeschäft und Geldverdienen. Vielmehr ist die Gesamtkapitalrendite der nachhaltigen Banken mit durchschnittlich 0,72 Prozent höher als bei den systemrelevanten Instituten. Außerdem ist sie fast konstant geblieben während des Zehnjahreszeitraums. Dagegen schneiden die systemrelevanten Banken ein wenig besser bei der Eigenkapitalrendite ab. Allerdings gibt es bei Deutscher Bank & Co. große Schwankungen: Vor der Krise erzielten die großen Spieler durchschnittlich eine Gesamtkapitalrendite von 0,71 Prozent, seit dem Ausbruch der Krise sind es dagegen nur noch 0,38 Prozent.

"Die Studie zeigt deutlich, wie weit sich die Großbanken von der Realwirtschaft entfernt haben. Regulierungsbehörden könnten dies zum Anlass nehmen, um die Finanzwirtschaft auf ein sicheres und faires Fundament zu stellen", sagt Jorberg. Beide Banker wiesen den Vorwurf zurück, kleine alternative Banken könnten bestimmte Finanzdienstleistungen grundsätzlich nicht stemmen, beispielsweise die für viele exportierende Unternehmen wichtigen Derivate. Den Einsatz von Derivaten halten beide Alternativbanker für sinnvoll, solange damit realwirtschaftliche Vorgänge auf beiden Seiten des Geschäfts abgesichert werden. Da geht es um den Bauern, der seine Ernte absichern, und die Mühle, die sich gleichzeitig einen bestimmten Einkaufspreis für Getreide sichern will. Solche Derivate könnten Spezialinstitute erstellen, die dann über kleine Banken vertrieben werden, sagte Jorberg mit Blick auf die Arbeitsteilung im Genossenschaftsbereich.

Beide halten den Reformkurs in der EU für problematisch. Wenn alle Banken in puncto Risiko und Umgang mit Risiken über einen Kamm geschert würden, entstünde ein systemisches Risiko, warnte Jorberg. Vielmehr müssten die Aufsichtsbehörden die Unterschiede in den Geschäftsmodellen berücksichtigen, forderte Blom. Es sei ein Irrtum zu glauben, man könne Banken allesamt über gleiche Kenngrößen wie Eigenkapital steuern.

Allerdings sind auch nachhaltige Banken nicht vor Krisen geschützt. So geriet die Shorebank aus Chicago, ein Gründungsmitglied des Bankbündnisses, in der Krise unter die Räder. Das Institut hatte vor allem an Menschen mit geringen Einkommen Kredite vergeben. In der Krise verloren viele ihren Job und konnten ihre Verbindlichkeiten nicht bezahlen. Anders als systemrelevante Banken wurde die Shorebank nicht gestützt.

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