Energiekonzern Eon gibt Atomenergie, Kohle und Gas auf

Bilder wie diese sollen der Vergangenheit angehören: Eon will künftig keine Energie mehr mit Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken erzeugen.

(Foto: AFP)
  • Eon richtet sich neu aus: Künftig konzentriert sich der Konzern auf erneuerbare Energien. Die bisherige konventionelle Energieerzeugung soll in eine eigenständige Gesellschaft überführt werden. Bis 2016 will sich Eon neu aufstellen.
  • Der Konzern verkauft außerdem sein Spanien- und Portugal-Geschäft.
  • Laut Eon sollen die geplanten Maßnahmen keine Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben.

Eon plant Neuaufstellung bis 2016

Der hochverschuldete Energiekonzern Eon unterzieht sich einer Radikalkur und will das Geschäft mit konventioneller Energieerzeugung loswerden. Der Aufsichtsrat des Unternehmens verabschiedete eine neue Konzernstrategie. Künftig werde sich das Unternehmen auf Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren, hieß es in einer Mitteilung.

Das Geschäft mit konventioneller Erzeugung, globalem Energiehandel sowie Exploration und Produktion wollen die Düsseldorfer hingegen loswerden. Dazu sollen die Bereiche mehrheitlich abgespalten und über einen Börsengang an die Aktionäre übertragen werden. Die Grundlagen für die Börsennotierung des neuen Unternehmens sollen im kommenden Jahr geschaffen werden. Dafür werden unter anderem die Investitionen um 500 Millionen Euro auf 4,8 Milliarden Euro erhöht. Nach der Zustimmung der Hauptversammlung soll die Abspaltung dann im Geschäftsjahr 2016 durchgeführt werden. Den verbleibenden Minderheitsanteil will Eon mittelfristig über die Börse abgeben.

Arbeitsplätze sollen nicht in Gefahr sein

Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sollen die Maßnahmen laut Mitteilung nicht haben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning begrüßte die Entscheidung. Das Gremium habe den Vorschlägen des Vorstands zur strategischen Neuausrichtung des Konzerns "einstimmig zugestimmt". Zu der Abspaltung der konventionellen Energiebereiche sagte Teyssen, sowohl die Eon AG als auch die geplante neue Gesellschaft würden "eine solide Finanzausstattung erhalten", bestehende Arbeitsplätze sollten gesichert und und "perspektivisch auch neue" Arbeitsplätze geschaffen werden. "Unsere neue Strategie ist also kein Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen", versicherte der Eon-Chef.

Der Konzern reagiert auf den Preisverfall und die hohe Verschuldung

Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert Eon auf den Preisverfall bei den Großhandelspreisen für Strom. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. "Das bisherige breite Geschäftsmodell von E.ON wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen.

Im laufenden Jahr reißt das bisherige Geschäft den Konzern tief in die roten Zahlen. Wertberichtigungen insbesondere bei den südeuropäischen Geschäften und Kraftwerken von 4,5 Milliarden Euro werden zu einem "erheblichen Konzernfehlbetrag im Geschäftsjahr 2014 führen", hieß es in der Mitteilung weiter. In den ersten drei Quartalen waren bereits Abschreibungen in Höhe von rund 700 Millionen Euro aufgelaufen. Eon schiebt einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro vor sich her.

Das Spanien- und Portugal-Geschäft geht an australischen Investor

An dem Schuldenberg ändert auch der Verkauf des gesamten Geschäfts in Spanien und Portugal an den australischen Investor Macquarie zu einem Unternehmenswert von 2,5 Milliarden Euro nicht grundsätzlich etwas. Die "vereinbarte Abgabe des gesamten Geschäfts in Spanien und Portugal an den australischen Investor Macquarie zu einem Unternehmenswert in Höhe von 2,5 Milliarden Euro" stärke die "finanziellen Spielräume zur Neuaufstellung des Konzerns", hieß es dagegen in der Konzernmitteilung.

Auch ein Rückzug aus Italien werde erwogen. "Wir sind froh, dass wir mit Macquarie einen guten Arbeitgeber für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden haben, der uns bereits als zuverlässiger Erwerber unseres deutschen Erdgastransportgeschäfts bekannt ist", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen.

Eon bleibt bei seinen für 2014 gesteckten Zielen

Trotz der hohen Abschreibungen bestätigte Eon sein Ziel, 2014 beim operative Ergebnis (Ebitda) zwischen 8,0 und 8,6 Milliarden Euro zu landen, 2013 hatte der Konzern noch 9,3 Milliarden Euro ausgewiesen. Der sogenannte nachhaltige Konzernüberschuss - aus dem zahlreiche Sonder- und Bewertungseffekte herausgerechnet werden - soll von 2,1 auf 1,9 bis 1,5 Milliarden Euro sinken. Statt wie bisher davon 50 bis 60 Prozent an die Aktionäre auszuschütten, soll für die Geschäftsjahre 2014 und 2015 eine feste Dividende von 50 Cent je Anteilschein an die Aktionäre fließen. Im vergangenen Jahr hatten die Anteilseigner 60 Cent je Papier erhalten.