Elektronikkonzern Siemens-Chef Löscher plant hartes Sparprogramm

Radikales Zusammenstreichen: Mehr als sechs Milliarden Euro will Siemens in den kommenden zwei Jahren einsparen. Vorstandschef Löscher spricht zwar vom zweitbesten Ergebnis in der Geschichte des Unternehmens, sieht sich aber durch die Konkurrenz auf dem Weltmarkt unter Druck.

Mit einem unerwartet harten Sparprogramm will Siemens-Vorstandschef Peter Löscher Europas größten Elektrokonzern wieder profitabler machen: In den kommenden zwei Jahren sollen die Kosten des Konzerns um mindestens sechs Milliarden Euro drücken. Arbeitsplatzverluste in Deutschland plant das Unternehmen aber offenbar nicht.

Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/2012 hat der Konzern beim Ergebnis einen deutlichen Einbruch hinnehmen müssen. Der Gewinn beträgt 4,6 Milliarden Euro - ein Minus von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch der Auftragseingang sackte 2012 um zehn Prozent ab.

Der Umsatz dagegen stieg um sieben Prozent auf 78,3 Milliarden Euro. Damit konnte eine Betriebsrendite von 9,5 Prozent erzielt werden.

Doch das reicht Löscher nicht. Er will die operative Marge mit seinem Sparprogramm auf mindestens zwölf Prozent steigern. "Wir wissen, was zu tun ist und sorgen für eine konsequente Umsetzung der Maßnahmen", sagte Löscher.

Das Unternehmen habe im vergangenen Geschäftsjahr zwar das zweitbeste Betriebsergebnis seiner Geschichte erzielt, sagte Löscher. Die Firma spüre aber "Gegenwind" aus der Weltwirtschaft. "Nachdem wir in den letzten Jahren unsere Performance gegenüber Wettbewerbern stark verbessert hatten, ist uns das im vergangenen Jahr nicht überall gelungen", bedauerte er.

Konkret plant Siemens neben einem nicht näher bezifferten Stellenabbau auch den Verkauf weiterer Unternehmensteile. Von seinem Solargeschäft hat sich das Unternehmen bereits getrennt. So suchen die Münchner einen Käufer für Bereiche des Wassertechnikgeschäfts.

Der anstehende Konzernumbau, der zunächst eine Milliarde Euro kosten soll, sieht allerdings nicht nur Einschnitte vor. Siemens baut sein Industriegeschäft mit dem Kauf eines weiteren Softwareanbieters aus. Die belgische LMS soll für 680 Millionen Euro zu Siemens kommen. In den vergangenen Jahren hat Siemens mehrere Spezialfirmen für Industriesoftware gekauft.

Eine Zahl zum Arbeitsplatzabbau wollte das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht abgeben. Löscher sagte dem TV-Sender CNBC lediglich: "Das erste Ziel ist nicht Stellenabbau. Aber es wird sich am Ende auf die Arbeitsplätze auswirken."

Wo es strukturelle Änderungen gebe und Märkte wegbrechen, seien Anpassungen unausweichlich, erklärte Löscher bei Vorlage der Bilanz. In der Medizintechnik, bei Trafowerken und bei der Fertigung von Windrädern laufen bereits Stellenkürzungen. Die 130.000 Siemens-Mitarbeiter in Deutschland sind aber per Betriebsvereinbarung weitgehend vor Entlassungen geschützt.