Elektromobilität BMW will Batteriezellen selbst produzieren

Saft für die Weiterfahrt: Ein BMW i8 wird aufgeladen.

(Foto: Martin Meissner/AP)
  • Der Autokonzern BMW spielt mit dem Gedanken, in die Batteriezellenproduktion einzusteigen.
  • Bislang kommt ein Großteil der wichtigen Zellen aus Asien - wenn die benötigten Stückzahlen steigen, lohnt sich jedoch die Eigenfertigung.
  • Auch die Idee einer gemeinsamen Produktion mehrerer deutscher Hersteller steht im Raum, doch die ist nicht bei allen beliebt.
Von Thomas Fromm

Wenn Manfred Schoch an die Zukunft denkt, denkt er oft an jene Dinge, die in ein paar Jahren nicht mehr dazugehören. Kühler zum Beispiel, Benzinpumpen, Kolben und Auspuffrohre. "Das gesamte Thema Motorbau fällt weg", klagt der BMW-Betriebsratschef. Viele dieser Teile baut BMW zwar gar nicht selbst, sie kommen von Zulieferern. Und dennoch: An dem Tag, an dem mehr Elektroautos als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren über die Straßen rollen, haben nicht nur die hoch spezialisierten Zulieferer ein Problem, sondern auch die Autohersteller. Zwar würden bei denen "weniger Stellen verloren gehen als bei den Zulieferern", sagt Schoch. Aber die Folgen spüren alle.

Wie dramatisch sich die Dinge entwickeln werden, wenn Autos irgendwann nur noch eine große Batterie brauchen, weiß niemand so genau. Im schlimmsten Fall, glaubt Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht, würde "nur noch ein Sechstel der Jobs, die es heute in der Motorenfertigung gibt, übrig" bleiben. BMW-Mann Schoch fordert daher: "Um das auszugleichen, müssen wir Batterien und Batteriezellen selbst fertigen."

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Batteriezellen kommen vorwiegend aus Asien

Mit Batterien beschäftigen sich die Konzerne schon heute - nur die für die Batterien wichtigen Batteriezellen, von denen am Ende Qualität und Reichweite der großen Batterien abhängen, die werden derzeit vor allem in Asien produziert. So bezieht BMW die Batteriezellen für seinen Elektrowagen i3 vom südkoreanischen Konzern Samsung.

Das kann man so machen, wenn man höchstens ein paar Tausend Batterien im Monat braucht. Aber schon im nächsten Jahr will Konzernchef Harald Krüger 100 000 elektrifizierte Autos verkaufen - so viele wie zwischen 2013 und 2016. Und dies soll erst der Anfang sein. "Ich glaube nicht, dass wir täglich zweieinhalb Tausend Tonnen Batteriezellen per Container und just-in-time aus Korea kommen lassen können", sagt Schoch. "Ab einer gewissen Größenordnung lohnt sich die Eigenfertigung."

Es ist eine Glaubensfrage - und sie beschäftigt alle Konzerne. Soll man ausgerechnet die Zellen, das Herz der neuen Autos, aus Asien kommen lassen? Die Betriebsräte der Autobauer fordern einen Einstieg in die Zellproduktion - um in den Fabriken zu retten, was zu retten ist. Auch bei VW soll die Idee einer eigenen Fertigung schon durchgespielt worden sein. Daimler dagegen hatte Ende 2015 eine eigene Zellfertigung im sächsischen Kamenz eingestellt - gegen die niedrigeren Preise der Zellbauer aus Asien konnte man nicht anproduzieren.

Gemeinschaftsproduktion oder Einzelkämpfer?

BMW-Chef Harald Krüger gibt sich in der Frage zurückhaltend. Zum einen seien da die Lieferverträge, die noch einige Jahre liefen, sagte er in der vergangenen Woche bei einer BMW-Veranstaltung in München. Erst wenn klar sei, wie die künftige Batteriegeneration tatsächlich aussehe, könne man sich der Frage stellen. Allerdings: Strategisch sei er "offen". Vor einigen Wochen gab er sich im SZ-Interview pragmatisch: "Viele Arbeitsplätze werden damit nicht geschaffen", sagte er. "Batteriezellen werden in hoch spezialisierten Reinräumen hergestellt, da ist die Zahl der neuen Arbeitsplätze überschaubar."

Selbst wenn sich BMW dazu durchringen sollte, früher oder später in die Produktion der Zellen einzusteigen und das Samsung-Geschäft selbst zu erledigen, bliebe die Frage: Soll man sich mit den anderen Autoherstellern zusammentun, um gemeinsam zu produzieren? Nicht wenige in der Branche sehen dies als elegante Lösung, andere dagegen blieben lieber allein. "Wir wollen nicht den Verkehr noch zusätzlich belasten, indem wir Batterien quer durch Deutschland spazieren fahren", sagt BMW-Betriebsrat Schoch. Will heißen: Er sieht die Produktion lieber im eigenen Werk als in einem Gemeinschaftsunternehmen mit den anderen. Am Ende geht es um die Jobs im eigenen Haus. "Wir werden im nächsten Jahr von 76 500 Mitarbeitern auf 79 000 Mitarbeiter aufstocken", kündigt der Arbeitnehmervertreter an. Dies sei "der Aufbau, den wir für die Zukunft brauchen".

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