Elektroautos in New Jersey Zwei Riesenegos streiten über Anti-Tesla-Gesetz

Tesla-Auto in einem Spezialgeschäft der Firma in New Jersey

Ist die Autohändler-Lobby schuld? Der US-Bundesstaat New Jersey verbietet den Direktverkauf für Teslas Elektro-Sportwagen. Es tobt ein Kampf zwischen Gouverneur Christie und Firmenchef Musk.

Von Kathrin Werner, New York

Hier prallen zwei große Egos zusammen. Auf der einen Seite: Elon Musk. Amerika bewundert derzeit kaum einen Unternehmer so sehr wie den Gründer und Chef des Elektroautobauers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX, das bereits die Internationale Raumstation ISS mit unbemannten Versorgungsschiffen ansteuert. Der Multimilliardär nennt sich selbst gern einen Rebellen, zögert nicht mit spitzen Worten bei Twitter und tauft all seine Projekte mit Superlativen. Er will einen Hyperloop zwischen Los Angeles und San Francisco bauen und eine Gigafactory für Batterien. Bescheiden nennt den 42-Jährigen mit seinem Sportwagenbauer aus dem Silicon Valley niemand.

Auf der anderen Seite: Chris Christie. Der Gouverneur von New Jersey ist der schillerndste Politiker der Republikaner - und der umstrittenste. Er galt lange als aussichtsreichster Kandidat der Republikaner für die Nachfolge von US-Präsident Barack Obama, aber dann kam "Bridgegate". Christies Vertraute - womöglich aber auch Christie selbst - haben nervenzehrende Riesenstaus auf der George-Washington-Brücke zwischen New Jersey und New York angeordnet. Es war ein Racheakt, um den Bürgermeister des Örtchens Fort Lee auf der New-Jersey-Seite der Brücke zu bestrafen, weil er Christie nicht bei der Wiederwahl unterstützt hatte. Seither diskutiert Amerika über den Macho-Führungsstil des 51-Jährigen.

Elon Musks Gegenspieler in Sachen Direktverkauf: New Jerseys Gouverneur Chris Christie

Nun stößt Chris Christie also auf Elon Musk. Und wieder geht es um das für Christie so heikle Thema Verkehr. New Jersey hat gerade die Lizenzregeln für Autoverkäufe geändert, die Medien nennen die neuen Vorschriften spöttisch "Anti-Tesla-Gesetz". Tesla verkauft die E-Sportwagen bislang direkt an die Kunden. Andere Autobauer haben mehr oder weniger unabhängige Händler dazwischen geschaltet, ein Franchise-System. New Jerseys Verkehrsbehörde hatte zunächst zwei Tesla-Läden genehmigt und nun die Regeln geändert: ohne Händler keine Autoverkäufe in dem dicht besiedelten Staat, der an New York grenzt. Teslas Läden müssen nun schließen.

Tesla will keine Händler, die mitverdienen

Musk tobt. Er glaubt, dass Christie die Regeln geändert hat, um der mächtigen Autohändlerlobby zu gefallen. Christie soll mehr als 60 000 Dollar in Wahlkampf-Spenden von den Autoverkäufern bekommen haben, so melden es lokale Medien. "Chris Christie hat sein Wort nicht gehalten", schrieb Musk bei Twitter - und löschte die Meldung später. Er ersetzte sie mit einer etwas zahmeren Variante ohne direkte Attacke auf Christie: "New Jerseys Autohändler untergraben demokratische Verfahren, um Tesla-Verkäufe zu blockieren."

Fühlt sich verschaukelt: Tesla-Chef Elon Musk

Im Unternehmensblog schreibt Tesla, dass Christies Regierung eigentlich versprochen habe, Tesla Zeit zur Stellungnahme zu geben und das Gesetz in einem demokratischeren Prozess verabschiedet werden sollte. New Jerseys Verkehrsbehörde zufolge stimmt das aber gar nicht. Tesla habe von Anfang an gewusst, dass für die Direktverkäufe ohne Händler ein neues Gesetz verabschiedet werden müsste. Auch in Texas und Arizona haben die Behörden Tesla bereits die Direktverkäufe verboten. Autohändler drängen auch in weiteren Bundesstaaten darauf.

Für Tesla ist es gut, Autos ohne Händler zu verkaufen, weil kein anderes Unternehmen mit verdient. Außerdem sagt der Sportwagenhersteller, dass normale Händler die Kunden nicht so kompetent beraten können wie Tesla-Spezialgeschäfte. Die Autohändler dagegen sagen, dass ihr Geschäftsmodell den Kunden hilft. Wer Autos direkt verkauft, könne leichter Preise festsetzen und technische Mängel verschleiern.