Ehemaliger Marktführer im Handy-Geschäft Plötzlich macht Nokia Hoffnung

Der finnische Handy-Hersteller Nokia macht nun schon über längere Zeit enorme Verluste. Darum reagieren die Anleger an diesem Donnerstag geradezu euphorisch, als das Unternehmen winzige Hoffnungssignale sendet.

Gut sehen die Zahlen nicht aus: Nokia hat im vergangenen Quartal einen Milliardenverlust geschrieben. Das Minus erreichte 1,4 Milliarden Euro (PDF-Datei). Trotzdem gilt die Talfahrt als vorerst gestoppt. Der Umsatz im vergangenen Quartal lag mit 7,54 Milliarden leicht über dem des Vorquartals.

Ehemals Marktführer, jetzt schwer in der Krise: der Handy-Hersteller Nokia. Im Bild die neuen Lumia-Smartphone-Modelle in einem Handy-Shop in Helsinki.

(Foto: Bloomberg)

Der einst größte Handyhersteller der Welt bleibt aber tief in der Verlustzone stecken. Der operative Fehlbetrag erreichte 826 Millionen Euro nach 487 Millionen im Vierteljahr davor. Durch eine hohe Steuerlast vervielfachte sich der Nettoverlust auf 1,53 Milliarden Euro. Die Verkaufszahlen stabilisierten sich indes bei 83,7 Millionen Geräten.

Experten nahmen mit Erleichterung auf, dass die Finnen durch einen einschneidenden Sparkurs zumindest ihr Geld zuletzt zusammen hielten. Mit Barmitteln von 4,2 Milliarden Euro hatten die meisten nicht mehr gerechnet. "Es gab einen kleinen Hoffnungsschimmer, der Barmittelbestand war besser als erwartet und das war eine wichtige Nachricht, die die Märkte beruhigt hat", sagte Analyst Mikael Rautanen von Inderes. An der Börse legten die Nokia-Titel, die gerade noch 1,58 Euro wert sind, zeitweise um fast 16 Prozent zu.

Warnung vom Chef

Konzernchef Stephen Elop dämpfte die Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch. Das laufende Quartal werde wegen der anstehenden Produktumstellungen schwierig, kündigte der Manager an. Die Sanierung des Konzerns werde weiter mit Hochdruck vorangetrieben.

Nokia muss über den Sommer seine verbliebenen Geräte mit dem veralteten Symbian-Betriebssystem loswerden und zudem die Restbestände seines Smartphones Lumia losschlagen, dessen überholtes Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7.5 nicht mit der neueren Version der Software aktualisiert werden kann. Seine Ausgaben für Entwicklung, Werbung und Verwaltung hat Nokia zuletzt weiter stark gedrosselt.

Das Unternehmen verschaffte den Experten dennoch den einen oder anderen Lichtblick: "Nach einer scheinbar endlosen Reihe von schlechten Nachrichten geben diese Nachrichten ein Fünkchen Hoffnung", befand ein Kollege. "Das Unternehmen hat es geschafft, die Lumia-Verkaufszahlen seit dem vergangenen Quartal zu verdoppeln. Wenn sie diesen Schwung beibehalten, könnte das den Weg zur Erholung bereiten."

Bei anderen Analysten blieb die Skepsis bestehen: "Der Ausblick für das dritte Quartal ist schwach. Die Hauptfrage bleibt, was im vierten Quartal geschehen wird, wenn sie ihre neuen Geräte mit Windows Phone 8 auf den Markt bringen." Der einst dominierende Mobiltelefonhersteller hat in den vergangenen Jahren rapide Marktanteile an seine Konkurrenten Apple und Samsung verloren. Der Börsenkurs stürzte seit dem Frühjahr 2010 um fast 90 Prozent ab.

NSN macht Nokia zu schaffen

Schwer zu schaffen macht Nokia auch die glücklose Gemeinschaftstochter Nokia Siemens Networks (NSN), die seit ihrer Gründung 2007 nur Verluste schreibt. Auch im vergangenen Vierteljahr blieb der Netzwerkbauer 227 Millionen Euro von der operativen Gewinnschwelle entfernt. Der Umsatz ging allerdings nicht so stark zurück wie nach den trüben Aussagen des Rivalen Ericsson zu befürchten war und lag bei 3,3 Milliarden Euro. Über die laufende dritte Sanierungsrunde bei NSN, die weltweit fast 20.000 Arbeitsplätze fordert, äußerte sich Elop zufrieden.