Großbritanniens Einzelhändler stecken in der Klemme. Ausgerechnet zwei deutsche Discounter profitieren vom harten Kampf der Händler. Aldi und Lidl erobern die Insel.
Für alteingesessene Londoner aus dem wohlhabenden Kensington und Chelsea ist es eine Art nationale Katastrophe. Vor kurzem musste das traditionsreiche Boutique-Kaufhaus The General Trading Company einen Administrator einbestellen. Das ist nach britischem Insolvenzrecht ein Verwalter, der ein Unternehmen vor einem drohenden Konkurs retten soll. General Trading Company, bei der Prinzessin Diana und Kronprinz Charles' neue Gattin Camilla Parker Bowles ihre Hochzeitsgeschenke-Liste auslegten, ist in die roten Zahlen gerutscht.
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Aldi auf dem Vormarsch: Die deutschen Discounter gewinnen immer mehr Marktanteile in Großbritannien. (© Foto: dpa)
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"Kommt nun das Ende für General Trading?", fragte ängstlich die Zeitung Evening Standard. Auch der reichen britischen Kundschaft sitzt das Geld nicht mehr so locker. Immerhin ist aber nun offenbar ein vermögender Investor eingesprungen, um das Haus mit seinen feinen Geschenke- und Designer-Waren in der Nähe des Londoner Sloane Square zu retten.
Ende des Booms
Die Hiobsbotschaften aus dem britischen Einzelhandel häufen sich: Jahrelang hat die erfolgsverwöhnte Branche von einem Konsumrausch auf der Insel profitiert. Angetrieben durch eine starke Konjunktur und ebenso durch einen beispiellosen Immobilienboom, der die Briten reich machte, waren zweistellige Wachstumsraten die Regel.
Doch jetzt verbreitet sich Katerstimmung. Deutlich geringere Bonuszahlungen in der Finanzindustrie, aber auch sinkende Reallöhne in anderen Branchen dämpfen die Kauflust. Im Juni sind die Einzelhandelsumsätze so stark wie noch nie gesunken. Die Statistikbehörde National Statistics vermeldete einen Rückgang von 3,9 Prozent gegenüber dem Vormonat - der größte Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen 1986.
Kürzlich trat der Chef der britischen Warenhauskette Marks & Spencer (M&S), Sir Stuart Rose, mit zerknittertem Gesicht vor die Presse und warnte vor einem trüben Konsumklima, das noch mindestens bis Ende 2009 anhalten werde. "Wir stellen uns auf schwierige Marktbedingungen ein", sagte Rose. Strikte Kostenkontrolle sei oberstes Gebot für das Unternehmen, das inzwischen etwa 40 Prozent seines Umsatzes mit Lebensmitteln erzielt.
Harter Kampf im Einzelhandel
Dabei hat das 125 Jahre alte Traditionsunternehmen M&S ohnehin mit besonderen Problemen zu kämpfen: Ähnlich wie in Deutschland wird das klassische Kaufhaus auch in Großbritannien von Megamärkten auf der grünen Wiese verdrängt. Während sich Traditionsmarken wie Marks & Spencer und John Lewis in der Vergangenheit auf üppigen Margen ausruhen konnten, ist der Kampf um Marktanteile durch große Gegenspieler wie Tesco und die zum US-Supermarkt-Konzern Wal-Mart gehörende Asda-Gruppe entbrannt.
Experten erwarten, dass die Konsumflaute den Konzentrationsprozess im britischen Einzelhandel anheizen wird. Schwächere Mitspieler werden zu Übernahmekandidaten. Auch für M&S könnten die Tage als eigenständiges Unternehmen gezählt sein. Die Cooperative Group (Co-op) schluckte vor kurzem Somerfield für 1,6 Milliarden Pfund (etwa 2,1 Milliarden Euro) und rückt damit zum fünftgrößten Supermarktbetreiber des Landes auf. Der britische Einzelhandelsunternehmer Malcolm Walker hat ein feindliches Übernahmeangebot für die krisengeschüttelte Kaufhauskette Woolworths abgegeben.
Noch sind die Marktführer Tesco und Asda mit einem Anteil von 31,2 beziehungsweise 16,8 Prozent im britischen Lebensmitteleinzelhandel unangefochten. Doch sie fürchten den Aufstieg der deutschen Discounter Aldi und Lidl, die auf der Insel nach Angaben des britischen Marktforschers TNS derzeit einen Marktanteil von 2,9 beziehungsweise 2,3 Prozent haben.
30 Prozent gespart
Tesco-Chef Sir Terry Leahy spricht bereits neidvoll von einem "Aldi-Effekt". Er meint damit, dass immer mehr britische Kunden die Vorteile der deutschen Billigheimer entdecken: Die Waren werden zwar auf schmucklosen Paletten angeboten, sind jedoch deutlich günstiger als die der Konkurrenz. Außerdem setzen die beiden deutschen Handelskonzerne auf ein Angebot von nur etwa 1000 verschiedenen Produkten, während Tesco und Asda auf eine Zahl von etwa 25.000 pro Supermarkt kommen. Das verteuert Logistik und Lagerhaltung.
"Sie sparen bei uns 30 Pfund für Ihren wöchentlichen 100-Pfund-Einkauf", verkündet Großbritanniens Aldi-Chef Paul Foley selbstbewusst. Die 430 Aldi-Märkte auf der Insel verzeichneten Brancheninformationen zufolge ein Umsatzplus von 21 Prozent im zweiten Quartal. Das Unternehmen trotzte damit dem allgemeinen Trend.
Kein Wunder, dass Aldi auf der Insel weiter aggressiv wachsen will. Um den Vormarsch der Deutschen zu stoppen, arbeitet nun auch Tesco an einem ähnlichen Konzept. Noch ist alles streng geheim. Doch wie in der Branche zu hören ist, will der Konzern schon bald Billigmärkte eröffnen. Das wird den Kampf um Marktanteile anheizen.
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(SZ vom 21.08.2008/tob)
Griechenland in der Schuldenkrise
nun, in London gibt es Aldi und Lidl, und die haben ihre Kundschaft, als Engländer können wir nur froh sein ein sölches Angebot zu haben! Hervorragende Qualität, gute Preise, und auf dem Kontinent ist Aldi, Lidl und Penny, bereits seit Dekaden einen Begriff. Vor allem jetzt wo viele Menschen keinen Job haben, oder Rentner, die sind sehr froh, ehrlich gesagt, Aldi brothers sollten einen Medaille bekommen einen Orden, Dank diese "ALDI brothers haben viele Menschen ein gutes Produkt auf dem Tisch! Bravo!
Aldi & Co sollte man nicht unterstuetzen, sie machen mit ihrer Preispolitik die traditionelle Landwirtschaft kaputt (siehe erst kuerzlich die Milchpreisproblematik), foerdern Massentierhaltung und eine "Wegwerfmentalitaet" weil ja alles so billig ist usw.
Bei Essen sollte man nicht auf den Preis schauen sondern vielmehr wie es erzeugt wird und wo es her kommt! Bitte mal das Buch "Die Einkaufsrevolution: Konsumenten entdecken ihre Macht" lesen, dann versteht ihr was ich meine.
Ich lebe selbst in London und bei mir um die Ecke gibt es einen Lidl den ich vermeide so gut es geht. Jedes Wochenende kaufe ich mein Gemuese auf dem "Farmers Market" in meinem Ortsteil und den grossen Rest bei einer englischen Bio-Kette wie "As Nature Intended" oder "Fresh and Wild".
Viele werden jetzt sagen "Ach Gottchen das ist ja nett aber was wenn jemand nicht so viel verdient und sich diesen Luxus nicht leisten kann" etc blabla....erstens heisst Bio nicht unbedingt (viel) teurer und zweitens helfen ja auch schon kleine Umstellungen wie z.B. weniger Fleisch (dafuer wenn dann Fleisch von bester Qualitaet), saisonale Fruechte statt Erdbeeren im Winter etc.
Man muss halt mal in sich gehen und ueberlegen was einem wichtig ist: Gutes "ethisches" Essen oder ein paar neue Felgen fuers Auto.
Da findet man wenigstens Waren, weil die Laeden ja genauso wie in Deutschland aufgebaut sind. Und ausserdem werden da wenigstens nicht jede Woche die Waren umgestellt. Die teuren "brands" auf die Verkausfplätze von billigeren Marken zu stellen, ist bei ASDA, Sainsbury und Tesco eine unerträgliche Unsitte. Das ist mir bei Lidl so noch nicht passiert. Ausserdem schmeckt wenigstens das Bier, auch wenn es nur Grafenwalder ist.
Wal Mart hatte als sie sich auf den deutschen Markt trauten ziemlich hochnäsig angefangen und sich scheinbar nicht über die sich hier tummelnden Mitbewerber informiert.
Das gerade Aldi sich von niemanden auf der Nase rumtanzen lässt und bisher jede Herausforderung angenommen hat wissen die Herren von Wal Mart inzwischen, war eine kostspielige und bittere Erfahrung!
Die Briten scheinen zumindest den Mitbewerber Aldi richtig einzuschätzen und nicht zu unterschätzen.
@xenia2
Ich weiß zwar nicht was Sie persönlich für ein Einkaufverhalten an den Tag legen aber scheinbar sind Sie wohl ein mit Bananen schmeißender Einkaufsrüpel, solche Aldi Märkte wie Sie beschreiben kenne ich eigentlich nur aus den frühen 1980er Jahren. Und das die Märkte teilweise schlimm aussahen wie andere übrigens auch liegt doch an den Kunden die sich nicht benehmen können.
Denn die Qualität der Lebensmittel bei Aldi ist bis auf wenige Ausnahmen hervorragend.
Auweia, die armen Engländer sind doch nicht gewohnt, in Höchstgeschwindigkeit den mit einer Hand gehaltenen -vorab gekauften (!)- Beutel mittels Hand Nr. 2 vollzustopfen, während nachdrückende Kunden schon ihre Lebensmittelberge per Fließband anrollen lassen.
In einem englischen Supermarkt hatte ich u.a. diesbezüglich mal den Kulturschock schlechthin. Gefolgt von Neid und Melancholie.
Abgesehen vom riesigen Angebot - ich kam mir vor, wie im Westen, d.h. im Westen, wie ich immer dachte, dass der Westen aussehen müßte- nahm mir nach dem Bezahlvorgang ein Inder mit Schlips usw nachsichtig lächelnd den Einkaufsbeutel ab, um da die erworbenen Produkte hineinzutun. Nachdrückende Kundschaft gabs kaum, weil mehrere Kassen geöffnet waren. Mehrere Kassen!!! Wie im Westen
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