Deutsche Wirtschaft: Anzeigenkampagne Bitte, bitte, rettet doch den Euro

Eine Anzeigenkampagne der deutschen Wirtschaftsbosse, war da nicht was? Richtig: Im vergangenen Jahren machten sie über ihren "Energiepolitischen Appell" mächtig Druck auf Angela Merkel. Jetzt fordern 47 deutsche und französische Manager in Zeitungsanzeigen die Rettung klammer Staaten - mit dem Einverständnis der Kanzlerin.

Von Karl-Heinz Büschemann

In Kreisen unzufriedener Manager, die ihre Meinung äußern wollen, gewinnt die Zeitungsanzeige an Bedeutung. Im August 2010 sorgte eine Annonce der Atomkonzerne für Aufsehen. Darin forderten die großen Energieunternehmen, unterstützt von BDI und Industrievertretern, die Bundeskanzlerin auf, die Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verlängern. Angela Merkel gab damals nach. Sie galt seitdem aber auch als erpressbar.

Jetzt erscheint wieder eine Anzeige, die von Manager-Namen unterzeichnet ist. "Der Euro ist notwendig" heißt es ganzseitig am Dienstag in Tageszeitungen, auch in der Süddeutschen Zeitung sowie in französischen Blättern. Darunter stehen die Namen von 47 Top-Managern aus Deutschland und dem Nachbarland. Die Währungsunion zu retten, werde viele Milliarden kosten, heißt es in dem Text. Doch: "Die Europäische Union und unsere gemeinsame Währung zu retten sind diesen Einsatz allemal wert."

Die Manager appellieren "an die Politik", den Schuldenländern zu helfen und alles zu tun, um "die Voraussetzungen für einen dauerhaft stabilen und wettbewerbsfähigen Euro zu schaffen." Unterschrieben haben Siemens-Chef Peter Löscher, der BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer oder Kurt Bock von BASF. Auch die Deutsche Bank ist dabei. Auf französischer Seite stehen die Namen der Chefs von Vivendi, Michelin, Air France, Alcatel-Lucent oder der Bank Société Générale.

Bei den Unternehmen auf beiden Seiten des Rheins sitzt der Frust tief über die Politiker. Die deutschen Manager sind schon lange mit der Wirtschaftspolitik der Kanzlerin unzufrieden. Dass sich jetzt aber deutsche und französische Manager gemeinsam an die Öffentlichkeit und verantwortlichen Politiker wenden, ist neu. Vor allem weil deutsche und französische Regierung über die sinnvollen Maßnahmen zur Rettung des Euros sehr verschiedenen Vorstellungen haben. Die Folge ist, dass die Entscheidungen zur Hilfe für die Griechen immer wieder verschoben wird.

Initiator der Anzeige ist der deutsche Thyssen-Krupp-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme. Der ist einer der Gründer des deutsch-französischen Unternehmenstreffens in Evian, eines Debattierzirkels von Managern. Cromme bat seine deutsch-französischen Freunden per Brief um Unterstützung für seinen "Aufruf".

"Um die Sorge vorzutragen"

Sicherheitshalber fuhr er in Begleitung des Allianz-Chefs Michael Diekmann und des Bosch-Managers Tilman Todenhöfer, die den Plan unterstützen, am 10. Mai zur Kanzlerin nach Berlin, "um die Sorge um den Euro vorzutragen", wie es in der Umgebung von Cromme heißt. Man wollte offenbar eine böse Überraschung wie bei der Energie-Anzeige vermeiden. Die Kanzlerin habe signalisiert, dass sie das Verfahren nicht ablehne, heißt es. Die Aktion konnte starten. Wer sie bezahlt? Darüber gibt es nur unklare Antworten. Möglicherweise zahlt das ThyssenKrupp, heißt es in Essen.

In dem Essener Unternehmen ist zu hören, man wolle die Debatte um den Euro versachlichen: "Die Diskussion ist viel zu emotional." Wenn die Politiker schon nicht einig seien, so wollten die Manager signalisieren, dass sie einer Meinung seien. Die Unterzeichner wollten kurz vor dem Europäischen Rat am 23./24. Juni in Brüssel ein Zeichen für den Euro setzen und "auf die positive Wirkung der Gemeinschaftswährung bei Beschäftigung und Wohlstand in Europa hinweisen" heißt es bei Bosch. Bei Eon sagt ein Sprecher, Unternehmenschef Johannes Teyssen habe den Appell unterschrieben, weil er ein Beitrag sei "zu einer wichtigen gesellschaftlichen Debatte."

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