Erstmals bremst der Telekom-Aufsichtsrat den forschen Konzernchef Obermann - der damit plötzlich unter Druck gerät.
Nach Monaten mit immer neuen Hiobsbotschaften wollte René Obermann den Befreiungsschlag schaffen. Also lud die Deutsche Telekom, der er vorsteht, am Donnerstagabend vergangener Woche für den nächsten Morgen zu einer Pressekonferenz in den Hauptsitz nach Bonn. Auf dem ungewöhnlich kurzfristig angesetzten Treffen versprach Obermann mehr Transparenz bei Datenpannen, einen unabhängigen Datenrat sowie die Einrichtung eines siebten Vorstandspostens, der für Datenschutz und Recht zuständig sein sollte. Es sollte aussehen, als ob die Telekom auf die abhandengekommenen Daten von 17 Millionen Kunden bei T-Mobile reagierte.
Bild vergrößern
Telekom-Chef René Obermann: Wenig Fingerspitzengefühl bei der Auswahl des neuen Datenschutz-Vorstandes. (© Foto: dpa)
Anzeige
Doch tatsächlich bestand der Grund für die Pressekonferenz wohl in einem erneuten Datenskandal. Denn am Folgetag, dem Samstag, berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel dann, jedermann könne mit geringen Kenntnissen von jedem x-beliebigen Internetrechner an 30 Millionen Kundendaten von T-Mobile gelangen. Das Thema dominierte die Schlagzeilen - die vorzeitig verkündeten Gegenmaßnahmen der Telekom gingen unter.
Wenig Fingerspitzengefühl
"Die Kommunikationsstrategie der Telekom ist gründlich schiefgegangen", sagt ein Insider - so schief wie die anschließende Besetzung des neu geschaffenen Postens, eigentlich der zweite Teil des Befreiungsschlages: An diesem Dienstag verschob der Aufsichtsrat bei der ebenfalls eilig einberufenen Sitzung die vorgesehene Ernennung des Datenschutzvorstands. Obermanns Kandidat, Chefsyndikus Manfred Balz, wurde nicht wie geplant gewählt.
Offiziell hieß es bei der Telekom danach, der Aufsichtsrat habe sich so intensiv mit den Details des Datenschutzressorts beschäftigt, dass keine Zeit für die Ernennung gewesen sei. Tatsächlich gab es jedoch wohl Diskussionen, ob ein Mann aus der Telekom überhaupt die richtige Besetzung für die Aufgabe sein kann. Sicher sei ein Telekom-Mitarbeiter schneller verfügbar, zweifelsohne sei Balz auch ein Fachmann, doch das dürfe nicht ausschlaggebend sein.
Obermann hat bei der Auswahl des Chefsyndikus selbst in den Augen von Telekom-Leuten wenig Fingerspitzengefühl bewiesen. "Balz hat doch die ganze Zeit in der Suppe mitgerührt", heißt es in Aufsichtsratskreisen. Und ein Datenschutzvorstand solle ja nicht Schaden mit juristischen Winkelzügen von der Telekom abhalten, sondern die Interessen der Kunden schützen. Man kann das als Distanzierung vom Konzernchef deuten, der bisher unangefochten agierte. Offen drückt bisher nur der Bund der Kriminalbeamten sein Misstrauen gegen Obermann aus. Dessen Chef Klaus Jansen hat Obermann wegen der Datenpannen zum Rücktritt aufgefordert.
Gute Entscheidungen
Der Telekom-Chef gibt sich weiter selbstbewusst. So wies er die Rücktrittsforderung entschieden zurück. Er sei angetreten, um das Unternehmen zu modernisieren, das brauche einige Jahre, sagte er. Doch Obermann macht in diesen Tagen eine neue Erfahrung. Bei Spitzenpersonalien konnte er bislang seine Vorstellungen durchsetzen, auch gegen Widerstand, beispielsweise bei der Ernennung des Arbeitsdirektors Thomas Sattelberger gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Doch diesmal habe es auch Informationsbedarf und Skepsis auf Seiten der Vertreter der Kapitalseite gegeben, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Obermann ist zusätzlich unter Druck,weil er Chef bei T-Mobile war, als dort die Datenpannen passierten.
Dabei bescheinigen selbst Kritiker ihm, viele gute Entscheidungen bei der Telekom getroffen zu haben: die neue übersichtlichere Markenstrategie sei richtig, die Offensive bei Breitbandanschlüssen ebenso wie der Ausbau der internationalen T-Mobile-Aktivitäten. Selbst die T-Aktie hat sich im Umfeld der Finanzkrise wacker geschlagen, wenn Obermann ihr bislang auch noch keinen dauerhaften Schwung verleihen konnte. In dieser Hinsicht erfüllten sich die Erwartungen der Aktionäre nicht, die Obermann im November 2006 ins Rennen schickten. Und die Abwanderung von Kunden aus dem Festnetz geht ebenfalls weiter. Hier schadet dem Unternehmen das schwindendes Vertrauen der Kunden in die Datensicherheit der Telekom.
Dennoch: Die Sensibilität des Themas hätten viele bei der Telekom unterschätzt, sagen Konzerninsider. Statt frühzeitig aufzuklären, sei viel vertuscht worden. Alles begann im Frühjahr, als bekannt wurde, dass Mitarbeiter der Konzernsicherheit Verbindungsdaten von Aufsichtsräten und Journalisten abglichen, um ein Leck zu stopfen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bonn laufen hier noch. Noch ist offen, wann sich Obermann ganz dem Tagesgeschäft widmen kann.
- Thema
- Unternehmen RSS
- Panne bei der Telekom 30 Millionen Kundendaten online abrufbar 11.10.2008
- Datenschutz bei der Telekom Späte Einsicht 10.10.2008
- Gestohlene Nummern Telekom installiert Datenschutz-Vorstand 10.10.2008
- Spitzelgate bei der Telekom "Zu viel Schluderei" 07.10.2008
- Datenklau bei Telekom Obermann entschuldigt sich 05.10.2008
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
(SZ vom 16.10.2008/tob)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Was in der deutschen Medienlandschaft weitestgehend untergegangen ist, war ein Spionageskandal ungeheuren Ausmaßes bei der Telecom Italia. Hier gab es noch eine Steigerung, indem nicht nur Verbindungsdaten, sondern auch Inhaltdaten (Gespräche) durch Mafia-ähnliche Gruppierungen systematisch ausgewertet wurden. Diese Nutzen die eigentlich für Kriminalitätsbekämpfung eingerichteten ETSI- standardisierten Lawful-Interception (LI) Abhörschnittstellen, um Gespräche von wichtigen Persönlichkeiten systematisch abzuhören und in den Besitz von kompromittierenden Material für spätere Erpressungen zu gelangen. Dieser Ring konnte über 10 Jahre! unbehelligt operieren und wurde stetig ausgebaut, bis es im Jahr 2006 zur Enthüllung kam.
Informationen zum Abhörskandal in Italien auf der Internetseite:
spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,438499,00.html
Textauszüge des Spiegel:
Im Zentrum: kein geringerer als der frühere Sicherheitschef der Telecom Italia, Giuliano Tavaroli. Über zehn Jahre soll sein Telefonspionage-Ring im ganz großen Stil vermutlich mehr als hunderttausend Bürger ausgeforscht haben. Die Opfer: einfache Angestellte, aber auch Großbankiers, Politiker, Unternehmer, Intellektuelle, Sportler, Schiedsrichter, Show-Größen. Italien ist schockiert. "Ein Attentat auf die Demokratie", kommentieren die Medien
Der Vorwurf der Ermittler lautet schlicht: Bildung einer kriminellen Vereinigung. Doch dahinter verbirgt sich ein mafiöses System, dessen Umfang und Zweck das Land gerade erst zu erahnen beginnt. Es ist ein System, das einem Geheimdienst zur Ehre gereichen würde: Tavaroli soll mit dem Privatdetektiv Emanuele Cipriani ein Abhörnetz aufgebaut haben, das Zugriff auf intimste Gespräche und privateste Daten der Bürger hatte.
Die Zeitung "La Stampa" druckte auf der Titelseite eine Art Who Is Who der Opfer. Auf den Computern und Dokumenten fanden die Ermittler Zehntausende Namen.
An Dramatik gewinnt der Fall noch dadurch, dass der ehemalige Sicherheitsbeauftragte der Telecom-Mobilfunktochter TIM, Adamo Bove, den Behörden unlängst erste Tipps über illegale Machenschaften der "Abhör-Mafia" gab. Einen Monat später stürzte er in Neapel von einer Autobahnbrücke und starb. Es soll Selbstmord gewesen sein. Die Justiz ermittelt.
Einen ähnlichen Fall gab es auch in Tschechien:
spiegel.de/politik/ausland/0,1518,438524,00.html
wenn man einen Stock sucht, wird man auch jemanden damit geschlagen...???, Die Ungereimtheiten sind Herr Obermann" Ziehkinder", dass sind alte Krebsgeschwüre, die peu a peu nach oben kommen, Lasset Herr Obermann Zeit bitte schön. Wir sind nicht in der Bundesliga wo nach belieben Trainer entlassen werden.. weil einige Spieler nicht Ihre Arbeit tun........