Deutsche Post Kostet ein Standardbrief bald 80 Cent?

80 Cent Briefporto - das wäre eine Preissteigerung um 45 Prozent in neun Jahren.

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Die Deutsche Post will das Porto im nächsten Jahr erhöhen. Schon wieder. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Postkunden müssen sich darauf einstellen, dass das Briefporto im nächsten Jahr steigen wird. Wie die Bild am Sonntag berichtet, erwägt die Deutsche Post, den Standardbrief von derzeit 70 Cent auf 80 Cent zu verteuern. Zwar weist ein Konzernsprecher diese Zahl als "völlige Spekulation" zurück, da die Bundesnetzagentur zunächst den Rahmen für eine Portoerhöhung vorgeben müsse. Fest steht allerdings, dass die aktuelle Preisvorgabe Ende dieses Jahres auslaufen wird. Danach dürfte es teurer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wäre die Portoerhöhung eine Überraschung?

Nein. Post-Chef Frank Appel hat bereits Anfang Mai angekündigt, dass die Post sowohl bei Briefen als auch bei Paketen ein höheres Porto erwäge. Der Manager sagte damals, dass ihm ein einziger Schritt lieber wäre als viele kleine Erhöhungen. Damit reagiert Appel auch darauf, dass die Kosten in der Brief- und Paketsparte Anfang dieses Jahres stärker gestiegen sind als die Umsätze. Das liegt unter anderem daran, dass die Boten höhere Tariflöhne ausgehandelt haben. Fest steht bislang allerdings nur, dass die Post im Juli die Preise für Bücher- und Warensendungen erhöhen wird. Dies hat der Konzern, zum Ärger vieler Buchhändler, bereits am vergangenen Wochenende angekündigt.

Wie stark ist das Porto in den vergangenen Jahren gestiegen?

Noch im Jahr 2010 kostete es 55 Cent, einen Standardbrief mit höchstens 20 Gramm Post zu verschicken. Zuletzt hat die Deutsche Post dieses Porto im Jahr 2016 erhöht, auf 70 Cent. Das entspricht einer Steigerung um 27 Prozent binnen sechs Jahren, während die allgemeinen Verbraucherpreise im selben Zeitraum nur um gut sieben Prozent gestiegen sind. Die Post verweist unter anderem darauf, dass ihre Personalkosten steigen und immer weniger Briefe verschickt werden. Sollte der Konzern das Porto tatsächlich auf 80 Cent erhöhen, hätte sich der Standardbrief binnen neun Jahren um 45 Prozent verteuert.

Wie läuft eine Portoerhöhung ab?

Die Bundesnetzagentur wird spätestens im Herbst festlegen, um wie viel Prozent die Briefpreise Anfang 2019 höchstens steigen dürfen. Dazu berücksichtigt die Behörde auch, wie viel Gewinn die Deutsche Post im Vergleich zu anderen Briefbefördern in Europa erzielt. Sobald dieser Rahmen feststeht, will die Post entscheiden, welche Preise sie anheben möchte, etwa für Standardbriefe, Großbriefe oder Postkarten. Schließlich muss die Bundesnetzagentur die konkreten Erhöhungen genehmigen. Noch könne der Konzern nicht absehen, welche Produkte sich wie stark verteuern könnten, sagt ein Sprecher.

Ist die Deutsche Post vergleichsweise teuer?

Wie teuer ein Standardbrief ist, unterscheidet sich in Europa stark. Bislang liegt die Deutsche Post hier im Mittelfeld. Laut Bundesnetzagentur ist das Porto in 15 Staaten teurer als hierzulande. Spitzenreiter ist Dänemark mit 3,63 Euro. Hingegen ist die Post in 13 Staaten auch günstiger als in Deutschland, allen voran in Malta mit 26 Cent. Sollte die Deutsche Post ihr Standardporto tatsächlich auf 80 Cent erhöhen, wäre sie nach derzeitigem Stand der zehntteuerste Briefbeförderer in Europa, also im oberen Mittelfeld angesiedelt.

Wie steht es wirtschaftlich um die Deutsche Post?

Der Dax-Konzern erwirtschaftet mit seiner Brief- und Paketsparte hohe Gewinne. Alleine im vergangenen Jahr betrug der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern 1,5 Milliarden Euro. Doch während das Paketgeschäft vom boomenden Online-Handel profitiert, verschicken Privatleute und Unternehmen immer weniger Briefe. Im vergangenen Jahr hat die Post hierzulande 12,7 Milliarden Briefe zugestellt, berichtet die Bundesnetzagentur; im Jahr 2010 waren es noch 14,7 Milliarden. Ein höheres Porto kann dem Konzern helfen, den Umsatz mit Briefen halbwegs stabil zu halten.

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