Deutsche Goldreserven Wo ist das Gold der Deutschen?

Hat die Bundesbank tatsächlich Gold in ihren Tresoren liegen? Oder lediglich Forderungen auf dem Papier, die einen Anspruch auf Gold belegen? Es würde einen großen Unterschied machen.

Ein Gastbeitrag von Peter Gauweiler

Im Sommer 2010 hatte sich Robert Zoellik, der Chef der Weltbank, angesichts der weltweiten Finanz- und Schuldenkrise für ein neues System internationaler Wechselkurse ausgesprochen, in dem auch ein neuer Goldstandard definiert werden sollte.

Nach Artikel 127 des Lissabon-Vertrages (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union) und Paragraph 3 des deutschen Bundesbankgesetzes obliegt die Haltung und Verwaltung der deutschen Währungsreserven der Deutschen Bundesbank. Gold ist Teil der offiziellen Währungsreserven. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2011 hielt die Bundesbank 3.396.303 Kilogramm oder 109 Millionen Unzen Feingold. In ihrer Bilanz wies die Bundesbank eine Sammelposition "Gold und Goldforderungen" aus, die sich am Jahresende 2011 auf 132,9 Milliarden Euro belief.

Diese Sammelposition ist kritisch zu betrachten: Es ist ein großer Unterschied, ob die Bundesbank physische Goldbestände in ihren (und anderen) Tresoren hat oder ob es sich nur um sogenannte "Goldforderungen" handelt. Hinter Goldforderungen verbergen sich kreditäre Ansprüche auf physisches Gold, etwa in Form von Goldleihgeschäften. Damit sind Risiken verbunden. Hierzu zählt vor allem das Risiko, dass derjenige, an den sich die Forderungen der Zentralbank auf Herausgabe richtet, das Gold bei Fälligkeit der Forderung nicht mehr zurückgeben kann oder will (oder beides).

Es verstößt gegen die Prinzipien der Bilanzklarheit und Bilanzwahrheit, wenn die Bundesbank in ihrer Bilanz nicht zwischen physischen Goldbeständen und "Papiergold" klar unterscheidet. Unbefriedigend ist auch, dass die Bundesbank nicht in einer für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren Weise sicherstellt, dass ihr extern verwahrtes Gold nicht ohne ihre Zustimmung in Goldleihgeschäfte eingebracht wird beziehungsweise eingebracht werden kann.

Im Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 2011 heißt es, dass die Lagerung der deutschen Goldbestände nicht nur in eigenen Tresoren der Bundesbank erfolge, sondern auch "bei drei Notenbanken im Ausland". Genannt wird die Federal Reserve Bank of New York, die Bank of England und die Banque de France. Tatsächlich lässt die Bundesbank (über) zwei Drittel der deutschen Goldreserven im Ausland verwahren, vor allem in New York.

Nachdem der Verfasser seit Jahren diese Haltung und Verwaltung der Währungsreserven hinterfragt und eine Prüfung des Bundesrechnungshofs veranlasst hat, führte ihn - vor wenigen Tagen - der Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gemeinsam mit anderen Bundestagsabgeordneten in den Goldtresor der Bank in Frankfurt am Main. Das dort gesicherte und gelagerte Staatsgold wird - Stück für Stück - regelmäßig körperlich in Augenschein genommen, regelmäßig (einmal jährlich) gezählt und - Gold ist Gold - auf seine Qualität geprüft und gewogen. Dies betrifft aber nur jenes knappe Drittel, das die Bundesbank bei sich selbst verwahrt.