Deutsche Bank Milliarden-Boni, Mini-Dividende

Trotz hoher Verluste zahlt die Bank üppige Gehälter. Die Anleger gehen fast leer aus.

Von Meike Schreiber

Von Boni möchten sie bei der Deutschen Bank am liebsten gar nicht mehr sprechen. Es sei doch nur eine "variable Vergütung" und die stehe Mitarbeitern nun einmal vertraglich zu, sofern sie ihre Ziele erreicht hätten. Außerdem wolle man weiter dem Anspruch gerecht werden, "die führende europäische Bank mit weltweitem Netzwerk zu sein". Daher müsse man "in die Mitarbeiter investieren", was letztlich auch im Interesse der Aktionäre sei. So lässt sich Deutsche-Bank-Chef John Cryan im Geschäftsbericht zitieren, der am Freitag veröffentlicht wurde.

Wie hoch dieses Investment genau ausfällt, das steht nun endgültig fest: Für 2017 zahlt die Bank 2,3 Milliarden Euro Boni. Das mag weit weniger sein, als die fast fünf Milliarden Euro, welche die Bank noch 2009 unter Vorstandschef Josef Ackermann auskehrte, und es ist vergleichbar mit dem, was andere Banken wie die Schweizer UBS oder die Credit Suisse bezahlen. Aber es ist eben auch mehr als das Vierfache des Vorjahreswertes, als viele Mitarbeiter auf Boni verzichten mussten. Und es ist auch das Zehnfache dessen, was die Aktionäre erhalten. Sie müssen sich erneut mit einer Mindestdividende zufrieden geben: 11 Cent je Aktie oder insgesamt 230 Millionen Euro.

Und nicht zuletzt steht den Boni auch noch ein Jahresverlust gegenüber, der mit 735 Millionen Euro sogar 200 Millionen Euro höher ausfällt, als im Februar vermeldet. Zwar ist das größere Minus einer eher harmlosen Abschreibung auf steuerlichen Bilanzposten geschuldet. Aber Verlust ist Verlust - zumal es der dritte Jahresfehlbetrag in Folge ist. Der Hauptgrund: Allen voran im Investmentbanking verliert die Bank dramatisch Marktanteile. Zudem bekommt Cryan, der 2015 eigentlich als Sanierer angetreten war, die überbordenden Kosten noch immer nicht in den Griff. Die Investmentbanker, so ist zu hören, hätten dennoch auf die Rückkehr zu höheren Gehältern gedrungen - und sich damit nun durchgesetzt.

Kein Wunder, dass nicht nur Politiker, sondern auch Aktionäre die Bonuspolitik der Bank harsch kritisiert haben. Man zeige keinerlei Gerechtigkeitsempfinden, gefährde die Wirtschaftsordnung, hieß es von der Politik, während sich so mancher Anteilseigner fragte, ob er nach jahrelangem Niedergang weiter in eine wenig erfolgreiche Investmentbank investieren wolle. Immerhin: der zwölfköpfige Vorstand um John Cryan zieht daraus die Konsequenzen und verzichtet das dritte Jahr in Folge auf Erfolgsprämien - anders als etwa die Manager von Volkswagen, die trotz Diesel-Skandals auf ihrer üppige Vergütung beharren. Rein formal hätte auch den Vorständen der Deutschen Bank ein Bonus zugestanden, da sie laut des Vergütungsberichtes offenbar gut die Hälfte ihrer Ziele erreicht haben. Aber: Mit dem Verzicht wolle man die "eigene Bezahlung im Einklang mit dem Jahresergebnis der Bank halten", schrieb Cryan am Freitag.

705 Mitarbeiter

Unterhalb des Vorstandes lässt es sich in der Finanzbranche oft gut verdienen: Bei der Deutschen Bank kassieren laut Geschäftsbericht 705 Mitarbeiter mehr als eine Million Euro. Rund 50 verdienen mehr als Vorstandschef John Cryan. Drei erhalten bis zu 7,9 Millionen Euro.

Das Kleingedruckte des 444-Seiten dicken Geschäftsberichts offenbart dennoch, wie das Geldhaus versucht, Mitarbeiter unterhalb des Vorstands mit generösen Gehaltsschecks zu halten. So verdoppelte sich die Zahl der Einkommensmillionäre (die meisten sind wohl Investmentbanker) auf 705. Im Vorjahr gab es wegen des Bonus-Verzichts deutlich weniger Großverdiener. Auf einen Teil dieser Boni haben die Manager zwar erst Zugriff, wenn sie in fünf Jahren noch bei der Deutschen Bank arbeiten. So schreibt es die Banken-Regulierung vor. Spätestens dann aber dürften viele ihre Vermögensbildung abschließen können. Bemerkenswert: Rund 50 Manager verdienen mehr als Vorstandschef John Cryan (Fixgehalt 3,4 Millionen Euro). Die drei Bestbezahlten erhalten sieben bis 7,9 Millionen Euro.

Wie so oft kassieren ohnehin die Investmentbanker den größten Teil der Zulagen: Die rund 17 200 Banker dieser Sparte, die mit Wertpapieren handeln oder bei großen Übernahmen und Börsengängen beraten, teilen sich 1,3 Milliarden Euro. Das entspricht durchschnittlich 75 000 Euro pro Person. Die Mitarbeiter, die sich um das Privatkundengeschäft kümmern, schneiden deutlich schlechter ab. Mehr als 43 000 Mitarbeiter erhalten zusammen 279 Millionen Euro, also durchschnittlich 6500 Euro Bonus pro Person. Und das, obwohl die Investmentbanking-Sparte 2017 gar nicht so viel mehr verdient haben, als das Privatkundengeschäft. Der Rest der Boni verteilt sich auf die übrigen Sparten. Weltweit beschäftigt die Bank etwa 98 000 Mitarbeiter.

Lässt sich die generöse Vergütung einfach so fortsetzen? Dass dies nicht der Fall ist, hat Cryan bereits deutlich gemacht. Dafür müssten sich die Zahlen nun endlich verbessern. 2018 soll unter dem Strich wieder ein Gewinn stehen.