Deutsche Bank Der Grund für den Rekordverlust der Deutschen Bank

John Cryan, neuer Chef der Deutschen Bank (Archivbild)

(Foto: REUTERS)
  • Die Deutsche Bank meldet den größten Verlust ihrer Geschichte, der Aktienkurs bricht ein.
  • Vorstandschef John Cryan hat den Verlust jedoch bewusst so gestaltet. So kann er die Altlasten noch seinen Vorgängern zuschreiben.
Analyse von Meike Schreiber, Frankfurt

Das erste halbe Jahr unter ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden John Cryan hat der Deutschen Bank den höchsten Verlust ihrer Unternehmensgeschichte beschert. Abschreibungen auf Vermögenswerte und Rückstellungen für den Stellenabbau resultierten in einem Jahresverlust von 6,7 Milliarden Euro nach Steuern. Das gab die Bank am Mittwoch bekannt.

Beim Umbau des Konzerns geht der Brite Cryan besonders radikal vor, aus dreierlei Gründen: Erstens will er sich bewusst von seinem Vorgänger Anshu Jain absetzen, der in seiner dreijährigen Amtszeit gemeinsam mit Jürgen Fitschen das Institut in die größte Krise der Nachkriegsgeschichte geführt hat.

Zweitens ist es schlicht und einfach notwendig, die Deutsche Bank auf eine Größe zurückzustutzen, die ihr nachhaltig hohe Erträge und Gewinne sichert. Die braucht das Institut, um mit der der internationalen Konkurrenz mithalten zu können.

Drittens nutzt Cryan die einmalige Gelegenheit, die sich jedem neuen Vorstandschef bietet, sobald er seinen Job angetreten hat: Er packt alles an Verlusten in die aktuelle Bilanz, die zumindest noch in Teilen seinem Vorgänger zugerechnet werden kann. Indem er so früh wie möglich sämtliche "Grausamkeiten" begeht, schafft sich Cryan die Möglichkeit, in den kommenden Jahren umso bessere Ergebnisse ausweisen zu können.

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Die Bilanzkniffs des neuen Chefs

Zwar sagt Cryan selbst, dass die Bank nicht vor 2018 wieder eine "normale Bank" sein wird - zumal die Aktionäre bis dahin keine Dividenden ausgezahlt bekommen sollen. Dann aber, so sein Kalkül, stehe die Bank weit besser da als noch unter Jain. Um dieses Ziel zu erreichen, halst er dem aktuellen Geschäftsbericht so viel auf wie nur möglich.

Sogar auf Bilanzkniffs greift Cryan dabei zurück: Um die Rückstellungen von rund einer Milliarde Euro für die geplanten Stellenstreichungen ebenfalls noch in der Bilanz des Krisenjahres 2015 unterzubringen, war nach SZ-Informationen ein Trick nötig: Weil die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über den Jobabbau erst in den nächsten Tagen beginnen, musste die Bank den Arbeitnehmern zumindest ihre Abbauziele noch vor Jahreswechsel schriftlich mitteilen. Die Arbeitnehmer wiederum mussten den Eingang quittieren, ohne den Umschlag zu öffnen. Damit durfte der Betrag offiziell zurückgelegt werden. Fällt die benötigte Summe am Ende niedriger aus als eine Milliarde Euro, wäre zumindest das für die Investoren eine gute Nachricht.

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