Deutsche Bahn Heißer Sommer in überfüllten Abteilen

Ein ICE wartet am Bahnsteig - auf zu viele Fahrgäste.

(Foto: ag.dpa)

Immer mehr Fahrgäste, immer weniger Platz: Die Deutsche Bahn wartet auf überfällige neue Züge, doch Siemens und Bombardier können nicht liefern. Personenverkehrsvorstand Homburg rechnet auch in den kommenden Monaten mit überfüllten Abteilen. Immerhin wurden die Klimaanlagen überholt.

Von Daniela Kuhr, Berlin

Ulrich Homburg müsste gar nichts erklären. Die Grafik, die der Personenverkehrsvorstand der Bahn demonstriert, sagt bereits alles: eine rote Linie und eine blaue Linie, beide beginnen zunächst am selben Punkt, bewegen sich dann aber weit auseinander. Die rote steht für die Nachfrage der Fahrgäste im Fernverkehr der Deutschen Bahn. Seit 2006 ist sie fast kontinuierlich gestiegen. Immer mehr Menschen reisen per ICE oder IC. Eine Entwicklung, über die Homburg sich eigentlich uneingeschränkt freuen müsste. Wäre da nicht auch noch diese blaue Linie.

Sie steht für das Platzangebot in den Zügen. Es ist seit 2006 fast im gleichen Maße gesunken, wie die Nachfrage zugenommen hat. Grund sind in erster Linie strenge Auflagen des Eisenbahn-Bundesamts, die dazu geführt haben, dass die ICE-3-Züge der Bahn sehr viel häufiger vorsorglich zur Kontrolle in die Werkstatt müssen, als die Bahn es geplant hatte. Außerdem modernisiert sie schrittweise ihre gesamte Fernverkehrsflotte. So lange aber ein Zug in der Werkstatt steht, kann er nicht für den Fahrplan eingesetzt werden. Den Fahrgästen stehen also weniger Plätze zur Verfügung.

Erst seit 2010 hat sich die Situation ein ganz klein wenig stabilisiert. Das ändert aber nichts daran, dass die rote und die blaue Linie Ende 2012 immer noch weit auseinander lagen. Sprich: Immer mehr Fahrgäste müssen sich mit immer weniger Plätzen begnügen. "Selbst an normalen Wochentagen sind unsere Züge manchmal übervoll", stellt Homburg fest - um dann zu sagen, was er schon so oft in den vergangenen Monaten gesagt hat. "Was wir dringend brauchen, sind neue Züge." Dass er bei diesem Satz mittlerweile fast schon resigniert klingt, hat seinen Grund: Denn auf diese neuen Züge wartet die Bahn nun schon seit eineinhalb Jahren. Und immer noch sind sie weit und breit nicht Sicht.

Siemens kann keinen verbindlichen Liefertermin nennen

16 ICEs hatte die Bahn bei Siemens bestellt, die ersten davon hätten im Herbst 2011 ausgeliefert werden sollen. Doch erst gab es Probleme mit einem Zulieferer, dann mit dem Eisenbahn-Bundesamt, das die Zulassung bis heute nicht erteilt hat. Wann die ICEs nun endlich einsatzbereit sind, ist offen. Laut Homburg sieht Siemens sich im Moment außerstande, überhaupt noch einen verbindlichen Liefertermin zu nennen. Der Hersteller hofft zwar, wenigstens ein paar davon noch in diesem Jahr zugelassen zu bekommen. Doch Homburg hat da so seine Zweifel: "Wir haben die große Sorge, dass wir auch im kommenden Winter ohne neue ICEs auskommen müssen."

Ähnlich finster sieht es bei den 27 Doppelstockzügen aus, die die Bahn bei Bombardier bestellt hat und die sie erstmals für den Fernverkehr einsetzen wollte. Bis Ende dieses Jahres hätten sie ausgeliefert sein sollen. Mittlerweile hat sich der Termin aber auf Ende August 2014 verschoben. Das heißt: Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Bahn erst im kommenden Jahr endlich mehr Züge haben. "Ich fürchte, das wird noch mal ein heißer Sommer und ein heißer Winter", bringt Homburg es auf den Punkt.

Wobei das mit dem "heiß" wohl nicht wörtlich gemeint ist. Zwar könnten die Züge voll werden, zumal in der Sommer-Reisezeit, doch immerhin sind die Klimaanlagen in den 44 ICE-2-Zügen, die im Sommer 2010 reihenweise ausfielen, mittlerweile alle überholt worden. Auch bei den anderen ICE-Zügen hat die Bahn Maßnahmen ergriffen, um die Klimaanlagen bei hohen Außentemperaturen zu stabilisieren.

Bahn rüstet WLAN-Abdeckung auf

Doch wenn die Bahn ihren Fahrgästen schon regelmäßig überfüllte Züge zumuten muss, dann will sie wenigstens probieren, das Angebot im Fernverkehr auf andere Weise attraktiv zu machen: etwa durch einen besseren Internetzugang während der Fahrt. In den kommenden Monaten will die Bahn die Zahl ihrer dafür ausgerüsteten ICE-Züge verdoppeln. Schon jetzt können die Fahrgäste in 90 ICEs drahtlos im Internet surfen, und zwar über einen sogenannten Hot-Spot der Telekom.

Bis zum Jahresende soll das in insgesamt 180 Zügen möglich sein. Fahrgäste, die ein Smartphone, ein Tablet oder Laptop dabei haben, können sich dabei zu den üblichen Telekom-Preisen von ihrem Platz aus ins Internet einloggen. Abgerechnet wird entweder per Kreditkarte oder über die reguläre Telekomrechnung. In einigen Telekomfestnetz- oder Mobilfunktarifen ist bereits eine Hot-Spot-Flatrate inbegriffen, so dass Kunden mit diesen Tarifen nichts weiter bezahlen müssen.

Bis Anfang 2014 soll das 5200 Kilometer lange ICE-Kernnetz, auf dem rund 98 Prozent der ICE-Verkehrsleistung erbracht werden, für den Internetempfang ausgerüstet sein. Der Ausbau des Internetzugangs in den ICE-Zügen erfolgt in Kooperation mit der Deutschen Telekom.