Empört über die Informationspolitik der Bundesregierung verlässt Bahn-Aufsichtsrat Eggert Voscherau das Gremium: Er sei nicht nur zum Abnicken der Entscheidungen da.
Im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn gibt es erheblichen Unmut über die Absage des Börsengangs durch die Bundesregierung in der vergangenen Woche.
Bild vergrößern
Bahn-Aufsichtsrat Eggert Voscherau legt sein Mandat zum Ende des Jahres nieder. (© Foto: ddp)
Anzeige
Eggert Voscherau, Mitglied in dem Gremium und Ex-Vizechef des Chemiekonzerns BASF, kündigte im Tagesspiegel an, er werde sein Mandat zum Jahresende niederlegen.
"Es kann nicht sein, dass der Aufsichtsrat aus der Presse erfährt, was der Eigentümer mit dem Unternehmen vorhat, und das Gremium dies dann nur noch abnickt", zitierte das Blatt Voscherau.
Der Manager äußerte zugleich scharfe Kritik am Umgang der Regierung mit der Bahn. Der Bund habe in den vergangenen Jahren akzeptiert, dass sich die Bahn zu einem internationalen Logistikdienstleister "mit angehängtem Personenverkehr" entwickle.
Hoher Respekt für Mehdorn
Geführt werde der Konzern vom Eigentümer Bund aber wie ein Unternehmen, das ausschließlich Personenverkehr betreibe "und bei dem deshalb jeder Bürgermeister von Flensburg bis Garmisch sowie die Bundesregierung mitreden dürfen". Das sei gefährlich und "fährt das Unternehmen gegen die Wand, wenn sich hier nichts ändert", sagte Voscherau.
Voscherau sagte der Zeitung, er habe erwartet, seine unternehmerische Erfahrung bei der Bahn einbringen zu können. Das sei gegenwärtig aber nicht möglich: "Da muss sich der Bund fragen, was der Aufsichtsrat eigentlich soll", sagte er. "Diese Frage sollte sich jeder andere, der in diesem Gremium sitzt, auch stellen".
Voscherau nahm Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und dessen Kollegen von seiner Kritik ausdrücklich aus: "Das ist kein Misstrauensvotum gegen das Management." Er habe vor der Konzernspitze hohen Respekt. Sie habe aber "mit diesem Eigentümer keine leichte Aufgabe".
- Thema
- Unternehmen RSS
- Bahn-Chef Mehdorn Das Prinzip Hoffnung 08.11.2008
- Folgen der Finanzkrise SPD stoppt Börsengang der Bahn 05.11.2008
- Bahn geht später an die Börse Aus für Bonuszahlungen 05.11.2008
- Deutsche Bahn Tiefensee soll schon früh informiert gewesen sein 04.11.2008
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
- Wirtschaft kompakt Verseuchter Käse: Ermittlungen gegen Lidl 15.05.2010
(sueddeutsche.de/AFP/pak/mel)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Was sind das für Infomationsstränge zwischen Bahnaufsichtsrat und den Ministerien?
Jetzt weint ein Aufsichtsrat weil er nicht zur Entscheidung über den Bahnbörsengang gehört wurde. Und zuvor weinte ein Vekehrsminister weil er nicht zum Bonus- Beschluß für arme Bahnmanager bei erfolgreichem Börsengang gehört wurde.
Eigentlich könnte gleich der ganze Bahnvorstand zurücktreten, die sind doch eh nur damit beschäftigt sich selbst Geld die Taschen zu stopfen.
Andauerndes Chaos im Personenverkehr, ich fahre sehr häufig im Fernverkehr -pro Woche ca. 1500 Km- und was mittlerweile in den Zügen abgeht das ist eine bodenlose Frechheit. Da schickt man am Wochenende zu den Stosszeiten halbe Züge los, drinnen kann man kaum noch stehen, die Zugbegleiter sind völlig überfordert, und pünktlich ankommen ... pah ist doch eh nur ein "Beförderungsfall" da kann auch mal eine ICE-Fahrt zwischen Pasing und Hauptbahnhof 35 Minuten dauern.
Die Bahn verschleppt dringend notwendige Reparatur- und Ausbauarbeiten, erst als die Strecke München Salzburg richtig Schrottreif war wurde mit den Arbeiten angefangen. Davor kam jeder Zug "Pünktlich" mit 20 Min. Verspätung in Salzburg an. Der 4 Gleisige Streckenausbau zwischen Pasing und Augsburg kommt äusserst "lustlos" voran. da wird schon seit knapp 5 Jahren rumgebastelt, dadurch entstehen dauernd ärgerliche Verspätungen.
Ausweichstrecken und Überholgleise werden stillgelegt, jede winzige Panne in einem "Kuhdorf" pflanzt sich unweigerlich im ganzen Land fort. Und bei den Informationen wird gelogen das die Balken krachen.... hier ein Beispiel:
ICE hängt wegen eines Personenunfalls eine knappe Stunde in Ulm am Bahnhof fest, auf den Anzeigetafeln und auf den Seiten der Bahn nannte sich der Grund der Verspätung "Warten auf Anschlussreisende" .
Die Bahn braucht keine Manager sondern einen Unternehmer mit Weitblick der zu seinem Produkt steht und ..... ganz wichtig !!! auch seine Geschäftsreisen mit der Bahn macht. Denn wer sich dauernd im Dienstwagen rumkutschieren lässt sieht die Probleme im eigenen Laden nicht!
Zitat: "Logistikdienstleister 'mit angehängtem Personenverkehr'".
So sieht als die Mobilitätsgrundversorgung der Bürger aus. Quasi Hartz4 für Bahnreisende.
Würfelförmige Reisende zahlen weniger, weil man sie besser stapeln kann.
"Das sei gefährlich und "fährt das Unternehmen gegen die Wand, wenn sich hier nichts ändert"
Mhh ich denke die Bahn auf dem Scheitelpunkt der Börsen/Finanzkrise auf den Wühltisch der Ramschaktien zu werfen ist ein wesentlich effektiverer Weg die Firma an die Wand zu fahren. Da könnten sich mal die ganzen Bürgermeister mit ihren Verkehrverbünden die immer noch Geld in die Kassen spülen eine Scheibe von abschneiden. Man sollte so eine Sache lieber den Profis überlassen die wesentlich mehr Optionen, Gelegenheiten und Willen haben öffentliche Gelder umzuverteilen ( am besten im Moment von Lichtenstein in die Cayman Islands), zu verschwenden und wenn dann doch noch was irgendwo über ist in unübersehbar teuere Prestigeaktionen zu stecken.
ich kann schon verstehen warum der Herr sauer ist. Wurde ihm doch das Taschengeld mal ausnahmsweise nicht pünktlich erhöht. Eigentlich wollte er ja still und heimlich 3 Monate nach dem Börsengang abhauen, damit auch ja keine Boni irgendwo übrig bleiben, da das ja leider entfällt rennt man lieber trotzig aufs Zimmer und zählt da die Hunderttausende an Rente bis irgendwer dann doch an die Zimmertür klopft und fragt ob er nicht doch wieder runter kommen möchte zum spielen...
Irgendwie denke ich man misst Kindergärten in Deutschland nicht genügend Aufmerksamkeit zu- werden doch genau da die Verhaltensweisen der zukünftigen "Elite" geprägt. Deswegen bin ich für eine Bonuszahlung an Kitas und Kindergärten, damit sich so was nicht mehr (so oft) in Zukunft wiederholen möge.
In einem hat er allerdings Recht: "Da muss sich der Bund fragen, was der Aufsichtsrat eigentlich soll.
Das muss man leider auch deshalb, weil außer der Losung "An die Börse gehen" mit dem Übergang der Deutschen Bundesbahn in die DB AG keinerlei Zielsetzung ergangen ist.
Dass man das auch sehr viel klüger lösen kann, zeigen die Schweizerischen Bundesbahnen, die in einer ähnlichen Organisationsform in die Selbständigkeit entlassen wurden.
Die Ziele, die der SBB gesetzt wurden kann jeder nachlesen. Zusammengefasst werden sie gar von der SBB selbst auf deren Homepage:
Dass das unsere "Verkehrspolitiker" solcherlei versäumt haben ist ein Armutszeugnis sondergleichen. Aber das gehört ja schon zur Folklore...
Paging