Deutlicher Anstieg in Metropolen Deutsche Städte, reich an Armut

Die Armutsgefährdung in den Metropolen der Bundesrepublik ist wesentlich größer als im Rest des Landes. Besonders dramatisch ist die Situation im Osten und im Ruhrgebiet. Die Experten sind erstaunt, dass Armut offenbar seltener mit Arbeitslosigkeit einhergeht.

Armut konzentriert sich in Deutschland vor allem auf die Großstädte. Die Armutsgefährdung in den deutschen Metropolen ist höher und steigt schneller als im Bundesgebiet insgesamt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (PDF).

Als armutsgefährdet gilt ein Mensch, wenn er von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens lebt. In Deutschland entspricht dieser Wert einem Monatseinkommen von 848 Euro bei Alleinstehenden oder 1272 Euro bei einem kinderlosen Paar.

Zwischen 2005 und 2011 stieg die Armutsquote in den 15 größten Städten im Schnitt von 17,5 auf 19,6 Prozent. In der gesamten Bundesrepublik lag die Quote laut Statistischem Bundesamt bei 15,1 Prozent, 2010 noch bei 14,5 Prozent. Die Autoren der Studie haben Daten für die 15 größten deutschen Städte ausgewertet, in denen knapp 14 Millionen Menschen leben.

In der Statistik zeigt sich auch die regionale Ungleichheit im Land: Besonders hoch ist der Anteil armer Einwohner in den ostdeutschen Metropolen, im Ruhrgebiet und einigen norddeutschen Städten. In Leipzig, Dortmund, Duisburg, Hannover, Bremen und Berlin lebt demnach zwischen einem Fünftel und einem Viertel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Während die Quote in Lepizig und Dresden immerhin niedriger ist als noch vor einigen Jahren, ist sie in Berlin seit 2006 weiter gestiegen.

"Dramatisch" nennen die Autoren die Entwicklung in Dortmund und Duisburg. In beiden Städten sei die Armutsquote zwischen 2005 und 2011 jeweils um etwa ein Drittel auf gut 24 und 23,5 Prozent gestiegen. In Duisburg verarme "die Stadt als Ganzes", heißt es in der Studie. Die dritte Reviermetropole Essen steht bei der Armutsquote etwas besser da. Allerdings brauchen dort etwa 30 Prozent der Kinder unter 15 Jahren öffentliche Unterstützung.

Deutlich mehr Armutsgefahr als zuvor in Stuttgart

Deutlich besser stehen die meisten süddeutschen Städte und Hamburg da - allerdings ist auch dort die Armutsquote zuletzt gestiegen. Metropolen im Süden haben meist deutlich geringere Armutsprobleme als jene in anderen Landesteilen. In München ist die Armutsquote zwar zuletzt ebenfalls leicht gestiegen, sie liegt aber mit etwa zwölf Prozent noch klar unter dem Bundesdurchschnitt.

Stuttgart liegt mit einer Armutsquote von 15,1 Prozent genau im Bundesmittel. Allerdings stieg der Wert seit 2005 um 2,1 Prozentpunkte. In Frankfurt am Main waren 2011 knapp 16 Prozent der Menschen arm. Die höchste Armutsquote unter den Süd-Großstädten weist Nürnberg auf: Knapp 20 Prozent der Bevölkerung gelten als arm.

Nach wie vor finden sich die höchsten Armutsquoten in Orten mit hoher Arbeitslosigkeit. Allerdings irritiert die Wissenschaftler, dass die Armut insgesamt stieg, obwohl die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist. "Möglicherweise hat sich der Zusammenhang zwischen Beschäftigungslosigkeit und Armut in letzter Zeit etwas gelockert", sagt Eric Seils, einer der Autoren. Das könnte mit einer höheren Einkommensungleichheit und dem gewachsenen Niedriglohnsektor zusammenhängen. Denkbar sei auch, dass bei einer wachsenden Gruppe von Beschäftigten das Einkommen gerade oberhalb der Hartz-IV-Grenze liegt.