Desertec-Initiative Europäer bauen riesiges Solarkraftwerk in Marokko

Der Traum vom Strom aus der Wüste soll schon bald Realität werden: Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" baut die europäische Desertec-Initiative in Marokko ein gewaltiges Solarkraftwerk - deutlich schneller als ursprünglich gedacht. In Europa wächst die Hoffnung, dass Solarstrom aus den Wüsten Nordafrikas grundlegende Energieprobleme löst.

Von Markus Balser

Zwei Jahre nach dem Start der Desertec-Initiative soll der Traum vom Wüstenstrom Realität werden. Die Planungsgesellschaft Desertec Industrial Initiative (DII) will vom kommenden Jahr an ein Pilotkraftwerk in Marokko errichten. "Der Bau soll 2012 beginnen", sagte Projektleiter Ernst Rauch von Munich Re, Gesellschafterin und Desertec-Initiator, der Süddeutschen Zeitung.

Die in Deutschland gegründete Initiative, zu der Großkonzerne wie Siemens, Eon, die Deutsche Bank oder auch Italiens Energieriese Enel zählen, plant ein Projekt von gewaltiger Dimension: Die Kapazität soll bei 500 Megawatt liegen - der Hälfte eines modernen Atomkraftwerks. Insgesamt soll das Vorhaben bis zu zwei Milliarden Euro kosten.

Mit zwölf Quadratkilometern nehmen die geplanten Anlagen die sechsfache Fläche von Monaco ein. Allein die Kosten für die erste Baustufe, ein Kraftwerk mit einer Leistung von 150 Megawatt, veranschlagt die Initiative mit bis zu 600 Millionen Euro.

Die Planer gehen davon aus, dass der Bau zwei bis vier Jahre dauert. "Je nach Technik kann 2014, spätestens 2016, der erste Strom fließen", kündigt Rauch an. Die Energie solle lokal verwendet, aber auch nach Europa exportiert werden. "Alle Einzelheiten - Standort, Technologie und Finanzierung - sollten Anfang 2012 stehen", sagt Rauch.

Die Wüstenstrominitiative kommt damit deutlich schneller voran als beim Start gedacht. Im Oktober 2009 äußerten sich die Gründer der Planungsgesellschaft DII noch vorsichtig: Innerhalb von drei Jahren wollten sie zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellen. Frühestens 2015 solle der Bau des ersten Kraftwerks starten, hieß es.

15 Prozent des europäischen Strombedarft aus Afrika im Jahr 2050

Nun werden die Pläne forciert, denn beiderseits des Mittelmeeres wächst die Hoffnung, dass Solarstrom aus den Wüsten Nordafrikas grundlegende Probleme löst. So hoffen Länder wie Marokko, Tunesien und Ägypten, dass grüner Strom den wachsenden Energiehunger der Region stillen und wirtschaftliches Wachstum auslösen kann. Europa will beim Umbau der Energiewirtschaft von verlässlichem Solarstrom aus sonnenreichen Regionen profitieren. Im Jahr 2050, so der Plan, könnte Afrika 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken.

Finanziert werden soll das Projekt von der Industrie, nationalen Regierungen und internationalen Organisationen. Die DII-Gesellschafter seien bereit, 30 Prozent der Investitionen zu übernehmen, heißt es aus der Initiative. Die Sondierung sei abgeschlossen, das Interesse groß und das Projekt überzeichnet.

Derzeit liefen Gespräche mit den Bundesministerien für Umwelt und Wirtschaft über eine Beteiligung der Regierung, heißt es weiter. Die Signale seien positiv. "Deutschland ist bereit, beim Desertec-Start eine Führungsrolle zu übernehmen", sagt Rauch. Auch Spanien, Italien, Frankreich und die EU seien in die Gespräche eingebunden.