Aufruhr um das Alter: Senioren demonstrieren für höhere Renten, 20- bis 40-Jährige fühlen sich provoziert - Deutschland muss diskutieren, was gerecht ist zwischen Alt und Jung.
Diesmal waren es schon Tausend. Tausend Senioren, die sich vor ein paar Tagen vor dem Braunschweiger Dom sammelten, in Trillerpfeifen bliesen und Forderungen skandierten. Sie nennen es Montagsdemo.
Rentner demonstrieren in Braunschweig für höhere Altersbezüge. (© Foto: ddp)
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Als Ostdeutsche vor knapp zwanzig Jahren die Montagsdemos begründeten, ging es ihnen um den Sturz einer Diktatur. Worum geht es diesmal? Um mehr Geld. Um mehr Rente für eine Rentnergeneration, die nach Ansicht der meisten Forscher von der staatlichen Alterssicherung so gut versorgt ist wie keine vor ihr - und besser als künftige Generationen.
Die Senioren vor dem Braunschweiger Dom empören sich trotzdem. Sie ärgern sich über Nullrunden bei der gesetzlichen Rente. Sie haben das Gefühl, nach einem harten Arbeitsleben mehr verdient zu haben.
Dass die Große Koalition das Gesetz ändert und die Rente dieses Jahr auf Kosten der Arbeitnehmer außerplanmäßig erhöht - aus ihrer Sicht bloße "Almosen". "Niemand kümmert sich um unsere Forderungen", beklagt ihr Sprecher Walter Bromberger. "Die Renten müssen deutlich stärker steigen als die Inflation". Hier artikuliert eine bisher eher stille Gruppe lautstark ihre Wünsche. Es knallt in der Konsensrepublik Deutschland.
20- bis 40-Jährige fühlen sich provoziert
Womöglich münden diese Aufwallungen in einen Dauerkonflikt, an den sich das Land gewöhnen muss. Während erste Rentner demonstrieren, hält die andere Seite, die Jungen von heute, kaum dagegen. Die Jungen halten bemerkenswert still. Bisher. Das kann sich rasch ändern. Denn manche 20- bis 40-Jährige müssen die Montagsdemos Ergrauter als Provokation empfinden.
Altersarmut war vor zwei Jahrzehnten ein Problem. Für die meisten Senioren von heute ist sie nur ein Schlagwort. Erst in zwei Jahrzehnten droht sie wieder zum Massenphänomen zu werden (siehe ganz Artikel unten). Die Alterung der Gesellschaft fordert einen Preis, den vorwiegend die Jungen von heute entrichten werden.
Potential für Dienstagsdemos
Wer heute arbeitet, zahlt meist mehr in die Rentenversicherung ein und bekommt weniger heraus als heutige Senioren. "Um die beschlossenen Kürzungen der gesetzlichen Alterssicherung auszugleichen, muss ein 40-Jähriger acht Prozent seines Bruttoeinkommens zurücklegen", kalkuliert Meinhard Miegel vom IWG-Institut, das für die SZ die Entwicklung der Rentenauszahlungen berechnet hat.
Knapp wird es auch in der Gesundheitsversorgung, sagt Miegel voraus: "In 30 Jahren können Senioren froh sein, wenn sie abends schmerzfrei ins Bett gehen". Womöglich klingt dies manchem zu düster.
Unstrittig ist, dass auf die nächsten Generationen noch andere Lasten zukommen: Hohe Staatsschulden und ungedeckte Pensionsverpflichtungen für hunderttausende Beamte. Das ist Potential für Ärger - und für Dienstagsdemos, auf denen die Jungen Rentenkürzungen fordern könnten, um das Geld zwischen Alt und Jung anders zu verteilen.
Wie soll Gerechtigkeit hergestellt werden?
Doch wie sieht eine Politik aus, die Gerechtigkeit zwischen den Generationen herstellt? Das ist eine schwierige Frage, weil das Wohlergehen der Rentner von Morgen von ungewissen Entwicklungen abhängt: Von den Wirkungen der Globalisierung, der Arbeitslosenrate, den Erbschaften, dem Wachstum, dem technischen Fortschritt.
Solche Unwägbarkeiten verlangen nach Politikern mit Weitblick, die den Alten genug lassen, ohne die Bedürfnisse der Jungen zu ignorieren. Die jüngste Rentenerhöhung hat Zweifel geweckt, ob Deutschland über solche Volksvertreter verfügt, die alle Generationen im Blick haben.
Union und SPD schielen darauf, dass die Rentner bei der nächsten Bundestagswahl bereits die Mehrheit stellen. Innerhalb der Parteien verschieben sich die Gewichte: Waren 1990 erst 30 Prozent der CDU-Mitglieder über 60, sind es heute die Hälfte. Und vom politischen Rand drängt die Linkspartei (Seniorenanteil: 70 Prozent) auf mehr Geld für die Alten.
Angesichts dieser Trends kursieren ungewöhnliche Vorschläge, wie den Jüngeren in Deutschland mehr Gehör zu verschaffen ist. Etwa, in dem das Prinzip der Generationengerechtigkeit im Grundgesetz verankert wird. Oder indem Kinder (als Rentenempfänger von übermorgen) ein Wahlrecht erhalten, das ihre Eltern für sie ausüben.
Ungewöhnlich, aber womöglich nötig, um allen Generationen das Gefühl zu geben, dass es zwischen ihnen gerecht zugeht. Die Alterung greift die Sozialsysteme an, gefährdet die Balance zwischen Jung und Alt und fordert das Land heraus. Aus ein paar Montagsdemos könnte schnell ein Sturm werden, der die Gesellschaft entzweit.
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(SZ vom 06.05.2008/jkr)
Unnütze Hygienemaßnahmen
Ich weiß nicht, heute fühle ich mich nicht verstanden.
Wenn das Staatswesen BRD nach der z.Bsp. Wiedervereinigung die MRD Anwartschaften der DDR Bürger mittels Zahlungen auch ausgeglichen hätten, man schätzt den Betrag auf ca. 120 Mrd, so wäre die gesetzliche Rentenversicherung nicht derart in der Bredouille.
Aus diesen nicht eingezahlten Beiträgen in "unsere" Rentenversicherung mussten jedoch danach Renten bezahlt werden. Und bei der Arbeitslosigkeit verhält es sich genauso, nur hier entstehen seit den 60er Jahren Anwartschaften, denen keine Zahlung entgegensteht.
Und was den Kapitalmarkt anbelangt, auch hier können Sie keine Garantie für eine Verzinsung geben. Denken Sie mal an den Crash um die Jahrtausendwende oder an die Betriebsrente bei GM, Ford und Chrysler, die, wo es jetzt massiv zur Auszahlung kommt, recht fraglich wird. Da ist die staatliche Rente mir jedoch etwas seriöser.
Wir wählen unsere Politiker, das sind Volksvertreter. Auch wenn die oftmals Dummheiten an den Tag legen, die nur noch von Penetranz übertroffen wird.
Ich will die gesetzliche Rente nicht abschaffen. Mir wäre es lieber, die gesetzliche Rente wird (an die Krankenversicherung angelehnt) eine Grundversorgung für alle an ALG-II Niveau orientierend sicherstellen, der Rest ist voll von der Steuer absetzbare private Vorsorge. Der Arbeitgeber zahlt nach wie vor in aktueller Höhe dazu.
So kann keiner verkommen, ein Crash am Aktienmarkt oder in der Wirtschaft lässt niemanden mittellos dastehen, auch Kleinverdiener bekommen im Gegensatz zum Dauersozialfall was aufs Alterskonto, haben daher im Alter mehr wie jemand, der nicht gearbeitet hat.
Das hört sich alles so schön an, geht aber an dem eigentlichem Problem nicht ran.
Auch eine private Versicherung kann keine Erträge erwirtschaften, wenn die Einzahlungen zurück behalten werden.
Mal konkret:
Die private Versicherungs AG über nimmt das zur Zeit staatliche Rentensystem.
Alle Versicherungspflichtigen zahlen einen Anteil in die private Versicherungs AG ein.
Die Versicherungs AG kann mit den eingezahlten Beträge arbeiten und erwirtschaftet Zinsen und Zinseszinsen, so dass das eingezahlte Kapital sich dementsprechend vermehrt.
Im Jahre X beschließt jemand, das im Falle von Arbeitslosigkeit die Einzahlungen ausgesetzt werden dürfen, jedoch die nunmehr fehlenden Einzahlungen der Anteile rein buchmäßig dem Versicherungspflichtigen gutgeschrieben werden. Das heißt der Arbeitslose zahlt nichts ein, bekommt aber die einzuzahlenden Anteile gut geschrieben.Und weiter, die Arbeitslosenversicherung weigert sich eine Überweisung an die Versicherungs AG vorzunehmen.
Die private Versicherungs AG wird sicher unzweifelhaft eine neue Berechnung der Versicherungsbeiträge vornehmen und entweder eine Erhöhung der einzuzahlenden Beiträge vornehmen oder eine Senkung der zu erwarteten Auszahlungen.
Und dies ist EIN Fall der mit der gesetzlichen Rentenversicherung passiert ist.
Ob staatlich oder privat, jede Versicherung würde bei solchen Sachverhalten pleite gehen.
"Wer das alte Niveau wieder herstellen will, muß jetzt mindestens 4% zusätzlich in die Riesterrente einzahlen. Das sind zusammen 24%, weniger sicher und als Steuerzahler legt er noch dazu."
Weniger sicher? Wie sicher waren denn die Rentenzusagen in der Vergangenheit?
Zudem werfen die 4% einer kapitalbasierten Altersvorsorge eine höhere Rendite ab. Wenn ein junger Durchschnittsverdiener mit 29300 Brutto 4% seines Einkommens kapitalbasiert anlegt, ca 2% Zins über Inflation erhält und dieses von heute an 30 Jahre durchhält, so hat er mit 2% Zinsen zum Rentenbeginn ca 50.000, aber nur 36.000 einbezahlt. Bei 4% Zinsen (mit höherem Aktienanteil möglich, es meckern doch hier alle über die Umverteilung von arm zu reich) sind es 68.000. Wenn er sagen wir aus 55.000 18 Jahre lang etwas entnehmen will, so kann er 316 monatlich entnehmen.
Fazit: mit der gesetzlichen Rente erhält er auf heutiger Basis 918 und wendet dazu 20% seines Einkommens auf (45 je Prozent), mit 4% am Kapitalmarkt erhält er 316 (89 je Prozent).
Verzichtet er auf etwas Rendite und legt sein Geld nur in supersicheren Staatspapieren an, kommt der immer noch besser als die Rente weg.
Mein einziger Kritikpunkt an der Riester/Rürup Geschichte ist, dass der Bürger nicht in die Lage versetzt wurde, seine 4% kosten- und provisionsfrei in Bundesschatzbriefen anzulegen. So bezuschusst der Staat die Private Vorsorge und macht zugleich die Versicherungen bzw. deren Vertreter reich.
Apropos reich - steuerliche Effekte hab ich gar nicht berücksichtigt. Riester-Zahlungen sind jetzt steuerfrei. Sobald man mehr als 52.000 im Jahr verdient kostet einen der Riester Netto weniger als die Hälfte. Die staatliche Zulage ist in diesem Fall eine nette dreingabe, aber die Geschichte lohnt sich besonders durch die Verschiebung von Einkommen aus der Hochsteuerphase als Arbeitnehmer in die Niedrigsteuerphase als Rentner.
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