Deal im Ecclestone-Prozess Kirch-Firma Constantin lässt nicht locker

Will jetzt die BayernLB verklagen: Die Constantin Film- und Fernsehfirma des 2011 verstorbenen Medienmagnaten Leo Kirch (Bild).

(Foto: dapd)

Die Formel-1-Affäre geht in die nächste Runde: Die Film-Firma Constantin will Bayerns Landesbank verklagen, wenn diese dem Deal mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone zustimmt. Denn dann sehe sich Constantin bereits zum dritten Mal geschädigt.

Von Klaus Ott

Das Schreiben ist nur zwei Seiten lang, aber das reicht völlig für eine deutliche Ansage. Die Münchner Film- und Fernsehfirma Constantin Medien AG will die Affäre um fragwürdige Millionen-Zahlungen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone an einen früheren Vorstand von Bayerns Landesbank nicht auf sich beruhen lassen.

Was rund um diese Geldtransfers geschah, soll nicht nur der BayernLB schwer geschadet haben. Sondern in der Folge auch der Constantin AG, deren Hauptaktionäre die Witwe und ein langjähriger Vertrauter des 2011 verstorbenen Medienmagnaten Leo Kirch sind. Das Kirch-Unternehmen ist fest entschlossen, deshalb in München vor Gericht zu ziehen. Gegen die BayernLB, sofern diese nicht ihrerseits Ecclestone auf Schadensersatz verklagen sollte und insofern nicht nur eigene Ansprüche, sondern auch solche der Constantin Medien preisgeben würde.

So steht es in einem Brief, den die Münchner Anwaltskanzlei Bub, Gauweiler und Partner im Auftrag des Kirch-Unternehmens vergangene Woche der Landesbank geschickt hat. Und zwar in dem Augenblick, als absehbar war, dass der Schmiergeldprozess gegen Ecclestone eingestellt wird und dass sich nach der Justiz auch die Landesbank mit dem Renn-Boss aus London arrangieren würde.

Der Brite bietet der Landesbank 25 Millionen Euro Schadensersatz für das, was Mitte vergangenen Jahrzehnts geschah. Die Offerte ist befristet bis zu diesem Freitag. Die BayernLB steckt nun in einer Zwickmühle. Entweder die weiß-blaue Staatsbank verklagt Ecclestone, oder sie wird von Constantin verklagt. So oder so: Die Formel-1-Affäre geht wohl auch nach dem Ende des Strafprozesses gegen den Renn-Boss weiter. Ebenfalls beim Landgericht München I, dann aber in einem Zivilverfahren.

"Instinktlos"

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BayernLB wollte kein Betreiber der Formel 1 sein

Der Fall, um den es in der nächsten Runde bei der Justiz gehen wird, ist etwas kompliziert und reicht weiter zurück - bis zum Beginn des neuen Jahrtausends. Damals kaufte der Medienmagnat Kirch, der Fernsehsender, Fußball-Übertragungsrechte, Springer-Aktien und vieles mehr besaß, auch noch die Formel 1. Das Geld dafür gab ihm die BayernLB in Form eines Milliardenkredits.

Kirch ging 2002 pleite, danach fielen seine Renn-Aktien als Pfand an die Landesbank. Die aber wollte als öffentliches Geldinstitut kein Mitbetreiber des bunten Motorsport-Spektakels sein und trachtete danach, ihre Formel-1-Anteile wieder loszuwerden. Das klappte 2005 zum Preis von 773 Millionen Dollar.

Als Jahre später bekannt wurde, dass Ecclestone dem damaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky über Briefkastenfirmen im Indischen Ozean und der Karibik heimlich 44 Millionen Dollar hatte zukommen lassen, witterte Leo Kirch Verrat. Das sei Schmiergeld gewesen. Gribkowsky habe, ganz im Sinne von Ecclestone, die Renn-Aktien der BayernLB viel zu billig veräußert. Auch zu seinem, Leo Kirchs Schaden.

Von teureren Renn-Aktien hätte auch die Kirch-Firma profitiert

Hätte die Landesbank beim Verkauf der Renn-Aktien mehr als eine Milliarde Dollar erlöst, dann hätte dank eines früher vereinbarten "Besserungsscheins" auch eine Kirch-Firma davon profitiert. Der Medienmagnat starb Mitte 2011, aber die Kirch-Firma Constantin streitet weiter. Eine erste Schadensersatzklage in London gegen Ecclestone scheiterte, die Constantin AG geht dort in die Berufung. Und in München will die Kirch-Firma nun die BayernLB verklagen, falls die ihrerseits nicht gegen den Formel-1-Chef vorgeht. Constantin sei "von Rechts wegen gehalten", dann die Landesbank "in Anspruch zu nehmen", heißt es in dem Schreiben der Kanzlei Bub, Gauweiler und Partner.

Kirch, Gauweiler, Ecclestone, Landesbank, das ist eine brisante Mischung. Vielleicht ähnlich brisant wie Kirch, Gauweiler, Deutsche Bank. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler war ein enger Freund von Leo Kirch. Gauweiler und seine Anwaltskollegen haben in einem mehr als zehn Jahre währenden Streit bei Gericht am Ende 925 Millionen Euro Schadensersatz für Kirchs Erben und Gläubiger erstritten. Nun nehmen sich Gauweiler und die Kirch-Firma Constantin die BayernLB vor. Die Landesbank neigt offenbar dazu, sich lieber mit Ecclestone zu einigen, als zusammen mit Constantin gegen den Renn-Boss vorzugehen. Die BayernLB hat schon früher die Kirch-Seite regelrecht abblitzen lassen. Von dort kämen ja nur "nicht belegte Vermutungen".

Constantin und Gauweiler sehen das anders. Die Anwaltskanzlei schreibt in dem Brief an die Landesbank, sofern Ecclestone nun davonkomme, dann werde die Kirch-Firma Constantin bereits zum dritten Mal "in sittenwidriger Weise geschädigt".

Das erste Mal sei das beim Verkauf der Renn-Aktien der BayernLB zu einem deutlich zu niedrigen Preis geschehen. Das zweite Mal dadurch, dass die Staatsbank bisher auf "jede ernsthafte Schadenswiedergutmachung" bei dem Formel-1-Chef verzichtet habe. Und zum dritten Mal drohe das jetzt. Durch einen "Deal" mit Ecclestone solle die Constantin "endgültig vom Schadensersatz abgeschnitten werden", das werde man nicht hinnehmen. Kaum ist also der eine Prozess zu Ende, könnte schon der nächste beginnen.