Das Geschäft mit der Formel 1 Staaten zahlen Ecclestones Milliarden-Zirkus

Schnelle Autos, schöne Frauen - und die öffentliche Hand wird es schon finanzieren: Ein interner Bericht legt erstmals die Profite der Formel 1 offen. Er zeigt, wie Ecclestones Formel-1-Geschäft funktioniert.

Von Klaus Ott

Es gibt Menschen, die planen langfristiger als andere. Bernie Ecclestone ist so einer. 81 Jahre ist er alt, aber als Chef der Formel 1 abtreten will er noch lange nicht. "Wenn ich hundert werde, dann bin ich definitiv weg", sagte der Brite jetzt der Zeitung Daily Mail. Ein Nachfolger, der ihn ersetzen könnte, ist für den großen Boss, der in Wirklichkeit nur 1,58 Meter misst, ohnehin nicht in Sicht: "Es gibt keinen, den ich genug verachte, dass ich es ihm wünschen würde."

Ecclestone, der Zyniker. Man weiß nie so genau, wann er etwas ernst meint und wann nicht. Warum sollte er auch gehen? Er verdient ja nicht schlecht an seinem Rennzirkus. Egal ob Sebastian Vettel als Erster ins Ziel fährt, Lewis Hamilton, Fernando Alonso oder ein anderer: Die eigentlichen Gewinner der Formel 1 stehen auf keinem Siegertreppchen.

Sie heißen Blackrock und CVC Capital Partners, Norges und Bambino, Waddell & Reed - und natürlich der Meister selbst: Bernie Ecclestone. Die großen Teilhaber jener Gesellschaft, die das Rennspektakel vermarktet, haben eine Gewissheit: Sie gewinnen immer. Wie profitabel die Formel 1 wirklich ist, war bislang stets ein wohlgehütetes Geheimnis.

63 Seiten voller Geheimnisse

Jetzt sind erstmals Einzelheiten bekannt geworden, die nicht bekannt werden durften. Nachzulesen in einem als "vertraulich" gekennzeichneten Investorenbericht einer asiatischen Großbank für den ursprünglich in Singapur geplanten und dann abgesagten Börsengang des Formel-1-Vermarkters, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Das 63-seitige Papier, mit dem finanzkräftige Kapitalanleger für den Kauf der Renn-Aktien gewonnen werden sollten, prognostiziert steigende Milliardenerlöse und stabile Gewinne von durchschnittlich 500 Millionen Dollar pro Saison (siehe Grafik, oben aufs Bild klicken oder hier). Und - ganz nebenbei - legt es offen, wie die privaten Investoren vom Geld der Steuerzahler profitieren.

Demnach funktioniert das System so: Hauptgeldgeber der Formel 1 sind die Betreiber der Rennstrecken, die von Jahr zu Jahr mehr und mehr für das Recht bezahlen, Vettel, Alonso, Schumacher und all die anderen Piloten bei sich im Kreis fahren zu lassen. "Promotion Fee" heißt die Gebühr, die Ecclestone eintreibt. 2005 zahlte ein Rennstreckenbetreiber durchschnittlich 15,6 Millionen Dollar pro Veranstaltung. In diesem Jahr sind es bereits 28,9 Millionen Dollar, 2013 sollen es schon 33 Millionen Dollar sein. Das besagt der Investorenbericht, der nicht von der Formel 1 selbst stammt, aber einem Insider zufolge auf Angaben der Renn-Vermarkter basiert und die Schlussfolgerungen der Bank wiedergibt. Einer Bank, die beim Börsengang dabei sein sollte.

Die "Promotion Fees" werden in dem Papier als sichere Geldquelle eingeschätzt. Grund: Die Rennstreckenbetreiber seien häufig staatliche Einrichtungen oder vom jeweiligen Land unterstützte Veranstalter, beispielsweise Automobilklubs. 16 der 20 Rennen in diesem Jahr würden staatlich gefördert. Das "Schöne" für die Formel-1-Aktionäre sei, so steht es wörtlich in dem Papier, dass "die Promotion Fees sicher vor Rezessionen sind". Die Aufgaben sind demnach klar verteilt: Die öffentliche Hand zahlt. Die Investoren machen dagegen den Reibach.