Der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt mit Sitz in Deutschland geht in diesen Wochen ein besonderes Risiko ein. Doch Adidas sollte sich auch den gesellschaftspolitischen Debatten stellen.
Als Hauptsponsor der Olympischen Spiele 2008 kettet sich Adidas eng an den Erfolg oder Misserfolg der Spiele in China. Die politische und menschenrechtliche Brisanz des Themas ist offensichtlich. Im Vorfeld der Spiele, die an diesem Freitag beginnen, war so unendlich mehr über Politik zu hören und zu lesen als über den Sport. Ob sich das ändert, wenn die Wettkämpfe erst einmal laufen, hängt von vielen Ungewissheiten ab.
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Was, wenn der chinesische Staat plötzlich wieder sein hässliches Gesicht zeigt, wenn die Meinungs- und Pressefreiheit massiv behindert wird, wenn Demonstranten niedergeknüppelt werden oder noch Schlimmeres geschieht? Das monatelange Ringen um freundliche Spiele in einer offenen und freien Umgebung zeigt, wie fragil das Verhältnis zwischen den chinesischen Machthabern und der westlichen Welt ist. Mittendrin das Internationale Olympische Komitee, das einerseits den Geist von Sport, Spiel und Spaß hochhält, andererseits aber in hohem Grad kommerzialisiert und diskretionär ist. Das ist die erste große Ungewissheit, der sich die Firma Adidas ausgesetzt sieht.
Die zweite Herausforderung ist das Thema Doping, das immer wieder Schlagzeilen macht. Der Entweihung durch den Radsport, wo Adidas zeitweise das T-Mobile-Team sponserte, hat das Unternehmen ausweichen können, indem es sich ziemlich rasch - soweit es die geschlossenen Verträge zuließen - zurückgezogen hat. Sollte Peking 2008 sich als Drogenbabel erweisen, könnte Adidas nicht so leicht ausweichen.
Vorstandsvorsitzender Herbert Hainer ist in der Dopingproblematik firm und engagiert, reagiert aber auffällig spröde, wenn es um die politische Dimension geht. "Adidas ist ein unpolitisches Unternehmen", wird der sportbegeisterte Niederbayer nicht müde zu betonen. Er steht damit in einer Tradition vieler deutscher Wirtschaftsführer, die mit und in China Geschäfte machen und sich dabei nicht stören lassen wollen. Das ist kurzsichtig und falsch. Denn weder findet Sport im luftleeren Raum statt, noch kann sich eine Firma, die sich zu den westlichen Werten bekennt, aus der Situation des Gastlandes heraushalten, wenn diese sich signifikant von der eigenen unterscheidet. Adidas, eines der bekanntesten und erfolgreichsten Unternehmen, muss Vorbild sein.
Dies einzuklagen und Hainers Zurückhaltung zu kritisieren, heißt freilich nicht zu fordern, dass das Unternehmen den Spielen fernbleiben oder täglich in Peking auf die Barrikaden gehen sollte. Wollte man dies wirklich einklagen, forderte man den wirtschaftlichen Selbstmord. Adidas ist als Partner bei Sportgroßveranstaltungen gewachsen, es hat alle Olympischen Spiele seit 1928 gesponsert und hat zahlreiche Sportler und Offizielle unter Vertrag. Dieses Engagement ist Teil des überaus erfolgreichen Geschäftsmodells, sich ganz auf den Sport zu konzentrieren und nicht, wie andere, in den Modebereich zu mäandern.
Auch mit China ist Adidas unrettbar verbunden. Längst schon stehen die Fabriken, in denen die berühmten Schuhe mit den drei Streifen gefertigt werden, vorzugsweise in Fernost. Dort kostensparend zu produzieren, aber in Deutschland zu lenken und zu forschen, ist ein Erfolgsrezept, dem deutsche Mittelständler mit mehr oder weniger Erfolg nacheifern - in der Summe zum Wohle des hiesigen Standorts. Chinas 1,3 Milliarden Einwohner sind auch eine bevorzugte Zielgruppe für Adidas. Das beschert dem Unternehmen Rekordgewinne, hat aber auch eine politische Dimension. Man kann vermutlich sagen, dass die Ausstattung der Chinesen mit den Adidas-Produkten ein nicht unwesentlicher Faktor der Öffnung des Riesenreiches in der Welt ist.
Insofern handelt Adidas ungeachtet mancher Kritiker konsequent. Der Konzern sollte sich freilich auch den gesellschaftspolitischen Debatten mit mehr Begeisterung und Engagement stellen: Adidas hat dafür die Erfahrung und die Kompetenz - und es würde seine Glaubwürdigkeit erhöhen.
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(SZ vom 06.08.2008/mel)
Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
Billige Adidas-Schuhe findet man überall. Leider kosten die ein Schweinegeld. Das 'Billig' bezieht sich auf das Material.
Von Firmen wie Adidas und Nike wird in meinem Bekanntenkreis schon länger nichts mehr gekauft. Nur weil man selber nicht engagiert genug oder zu bequem ist, um solche Boykotte durchzuziehen, heisst das nicht, dass der Rest der Welt auch so schwach oder unsozial ist.
Ich kenne auch keinen, der Olympia nicht Boykottiert. Zumindest keinen, den ich als wertvollen Charakter bezeichnen würde ...
Richtig. Es wird mit Sicherheit nicht ein Schuh oder eine Hose weniger verkauft, wenn Demonstranten verhaftet oder verprügelt werden.
Jahrelang war es den Konsumenten recht, wenn die Schuhe, die man kauf billig sind. Da wurde auch so gut wie nie über soziale Verantwortung gesprochen.
Im übrigen gibt es die Fa. Adidas erst seit dem 18. August 1949. Wikipedia sagt zu den 20er Jahren:
"Zu Beginn der 1920er-Jahre fertigten die Gebrüder Dassler in der alten Waschküche ihrer Mutter Turnschuhe, die optimal an den Fuß der jeweiligen Sportler angepasst waren."
Von Groß"sponsoring" der olympischen Spiele kann wohl kaum die Rede sein.
Was soll den jetzt Adidas-Bashing? Ist es nicht Heuchelei, wenn Hunderte Deutsche und Europäische Firmen 365 Tage im Jahr in China produzieren und sich dagegen keine Stimme erhebt? Was ist an den Olympischen Spielen anders als an den restlichen Tagen in China?
Ich finde das dieses Bashing aufhören sollte. Denn entweder bezieht sich das Bashing auf alle Deutschen Hersteller in China sowie an den restlichen Tagen außerhalb der Spiele oder es ist nur pure Heuchelei der Medien und der Politik. Doppelmoral!
Wir waren es, die China zu dem gemacht haben, was es heute ist. Eine Kapital orientierte Diktatur nämlich.
Adidas und Nike lassen ihre Schuhe in ein- und denselben Sweatshops produzieren; näheres dazu in "No Logo" von Naomi Klein. Die Arbeitenden kommen zwar mehr oder minder freiwillig zu ihnen, der Rest grenzt an Zwangsarbeit ist aber in jedem Fall Ausbeutung in höchster Vollendung.
Das alles muss gemacht werden um möglichst hohe Margen zu erzielen und sich im Marketingkampf gegenseitig zu bekriegen. Damit die Sharapovas und Ivanovics und Nadals und Beckhams, und wie sie alle heissen, ja ihre 8-stelligen Dollarbeträge pro Jahr überwiesen bekommen können, die Stadt voll mit Plakaten ist und minutenlange Werbespots geschalten werden.
Das selbst ein dreistelliger EURO-Preis keine Garantie für eine Verwendbarkeit im Sinne eines Turnschuhe sein muss, erlebte ich vergangenen Frühling in einem Sportladen bei uns im Dorf. Der Verkäufer meinte, der Schuh sei zwar als Laufschuh deklariert aber letztlich doch vom Material her völlig ungeeignet - und bot mir einen billigeren, no name an. Der Mann hat den Laden übrigens seit über 30 Jahren und ich gehe davon aus, dass er weiss wovon er redet.